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Ein Mausklick für das Kindeswohl

13.05.2009 | 16:33 Uhr

Essen. Ein Rechtsanwalt hat einen virtuellen Umgangskalender für getrennt lebende Eltern entwickelt. Er soll helfen, Streit zu vermeiden.

Ein achtjähriger Junge sitzt auf seinem Bett und schimpft herzhaft mit dem lieben Gott. Der solle sich gefälligst um seine Eltern kümmern, weil die nämlich total spinnen. Die haben sich getrennt, und Felix wohnt mal hier, mal da, hat zwei mit Spielzeugen vollgestopfte Kinderzimmer. Doch die Eltern streiten sich, sobald sie sich sehen: beim Abholen, beim Wegbringen, wenn es um Felix Schule geht. Oder seinen Geburtstag... So wie es die ARD in dem klugen TV-Drama „Woche für Woche” unlängst zeigte, geht es auch in Wirklichkeit vielen Mädchen und Jungen. Anwälte, Jugendämter und Erziehungsberatungsstellen wissen, wie sehr Kinder unter der Trennung ihrer Eltern leiden, wenn diese in ein endloses Gezerre um den Umgang mit ihnen mündet.

Als Vermittler zwischen den Parteien

Der Essener Jörg Daube, seit 25 Jahren Familienanwalt und langjähriger Mediator, also Vermittler zwischen den Parteien, will zerstrittenen Eltern und ihren Kindern helfen: „Klärungsprozesse brauchen Struktur”, behauptet er. Dafür hat er einen elektronischen Umgangskalender entwickelt, der es beiden Elternteilen ermöglicht, wichtige Information zu ihren Kindern auf einfache Weise und neutral online zu übermitteln.

Wenn sich ein Paar trennt, dann will es eigentlich möglichst nichts mehr miteinander zu tun haben, weiß der Essener Anwalt. Das jedoch geht nicht, wenn das Paar Kinder hat: ·Aus ihrer Rolle als Eltern kommen sie nicht mehr heraus.· Das bedeute, dass man sich, obwohl man es eigentlich nicht will, absprechen muss. ·90 Prozent der Kommunikation läuft über Körperhaltung, Sprache, Stimme, nur ein ganz kleiner Teil über den Inhalt·, sagt Daube.

Kinder glauben, sie seien schuld

Abweisung und Kälte, eine schrille Stimme, ein drohender Ton - bei getrennten Paaren eskaliert so mancher Versuch, sich über ihre Kinder auseinander zu setzen. Mit der fatalen Folge, dass die Kinder glauben, sie selbst seien an der Auseinandersetzung oder gar an der Trennung schuld.

Ein Beispiel: Der Vater will dem Kind neue Schuhe kaufen und fragt die Mutter nach der Schuhgröße. Die Mutter, eigentlich erfreut, setzt eins drauf: „Typisch · nicht mal das weißt du...”. Schon gibt es wieder Streit, die eigenen Verletzungen dominieren den Umgang miteinander.

Der neue Umgangskalender soll solche Gesprächsfallen vermeiden. Über ein Passwort, das nur die Eltern kennen, gelangen sie zu zwei Modulen. Per Mausklick gelangt man in dem einen Modul zu wichtigen Informationen über die Kinder, in dem anderem auf einen virtuellen Kalender, in den alle Umgangstermine eingetragen und verhandelt werden können. Zum Beispiel stehen da die Zeiten und Orte, an denen Väter (oder Mütter) die Kinder zu Besuchswochenenden abholen. Auch können die Ferien hier verhandelt werden - Vater und Mutter tragen ihre Wunschtermine ein, der Kalender zeigt auf, wo beide übereinstimmen, und wo sie noch aufeinanderzugehen müssen.

Sollte es trotz des Umgangskalenders zu keiner Einigung kommen, hat dieser alle Versuche des Vater und der Mutter, eine Einigung herbeizuführen oder zu torpedieren, schrittweise dokumentiert.

Austausch über Erziehungsfragen

Im zweiten Modul geht es wichtige Termine und Kinderinfos, die den zumeist getrennt von der Familie lebenden Vätern ermöglichen soll, am Leben ihrer Kinder virtuell teilzuhaben. Auf einer virtuellen Pinnwand stehen Infos zu Allergien und Hobbys, Kleidergrößen und Kinderärzten, auch der Stundenplan, Bilder, das Tischtennistraining lassen sich dort eintragen. Mutter und Vater informieren sich gegenseitig, bestenfalls tauscht man sich hier auch über Erziehungsfragen aus: „Wann geht Karina ins Bett?” „Wieviel Taschengeld soll Jonas bekommen?”

Drei Jahre hat Jörg Daube an der Idee gearbeitet, die auch den entscheidenden Vorteil hat, dass die Kinder nicht mehr als Boten für Elternachrichten benutzt werden. Und sie merken, dass sich ihre Eltern endlich wieder über sie austauschen, dass sie im Zen-trum des Interesses stehen.

Nach einem Vortrag vor Jugendamtsleitern aus NRW signalisieren die ersten Jugendämter Interesse am neuen Umgangskalender. Die Stadt Bünde in Ostwestfalen will ihn als Pilotprojekt einführen, auch ein Kinderheim in Neukirchen-Vluyn könnte sich das Online-Portal für ihre Kinder vorstellen, die mit ihren Eltern in Kontakt bleiben wollen.

Für die Pilotphase des neuen Umgangskalenders werden noch getrennt lebende Eltern gesucht, die ihn ein Jahr lang kostenlos testen wollen. Spätere Gebühren sollen fünf Euro pro Elternteil/Monat betragen. Am 16. Mai 2009 gibt es dazu eine Informationsveranstaltung in den Räumen des KiTa Zweckverbandes im Bistum Essen, Gildehofstraße 8, 45127 Essen. Anmeldung: 0201-3328552

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Cornelia Färber

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