Besser flirten beim Stöckchen werfen
21.08.2009 | 07:06 Uhr 2009-08-21T07:06:00+0200
Essen. Damit sie nicht so einsam sind, halten sich viele Singles ein Haustier. Vor allem über Hunde lassen sich aber auch Kontakte knüpfen. Im Interview spricht Dr. Andrea Beetz, die zum Thema Tier-Mensch-Beziehung forscht, über Tiere in Partnerschaften und als Test für ihre Nachwuchstauglichkeit.
Frau Dr. Beetz, was kann ein Tier dem Menschen geben, was ein Mensch dem Menschen nicht geben kann?
Dr. Andrea Beetz: Von einem Tier erfahren wir uneingeschränkte Akzeptanz, das stellen wir immer wieder fest. Auch wenn der Partner oder die Familie noch so nett sind, gibt es ja immer wieder Dinge, die man kritisiert. Man sagt sich zwar ‚Ich hab dich lieb’ aber im selben Atemzug heißt es auch ‚Du hast wieder die Socken liegen lassen’. Das Tier sagt so etwas nicht.
Wenn man freundlich zu dem Tier ist, dann kommt genauso viel Akzeptanz zurück. Man muss keine sozialen Ängste haben, abgelehnt zu werden. Diese Gefahr gibt es beim Tier einfach nicht. Für viele Leute haben Tiere eine entspannende und wohltuende Wirkung. Gerade in einer Gesellschaft, in der man sich über Arbeit, Leistung und Erfolg definiert, tut der Kontakt zu Tieren gut. Dem Tier ist es egal, ob man erfolgreich ist oder nicht.
Haben Sie es auch schon erlebt, das Menschen Tiere, weil es leichter ist, als Partnerersatz verstehen?
Beetz: Wir wissen, dass natürlich ganz viele Singles Tiere haben. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch gerne einen menschlichen Partner hätten. Für alte Menschen, die ihren Partner verloren haben, wird das Tier dann auch noch einmal wichtiger. Sehr selten ist es aber wohl, dass jemand sich nur aus dem Grund, dass er keinen anderen Partner haben möchte, ein Tier anschafft. Die meisten wollen ja Beziehungen zu Menschen, aber es wird heutzutage auch wegen der beruflichen Flexibilität immer komplizierter. Aber inwieweit Menschen ihre Tiere als Partnerersatz sehen, kann man nicht sagen.
Kann man denn sagen, dass Tiere helfen, Kontakte zu knüpfen oder auch zu flirten?
- Dr. Andrea Beetz ist Diplom Psychologin und seit 2006 Leiterin der Forschungsgruppe Mensch und Tier, www.mensch-tier-beziehung.de .
- Zum diesem Thema hält sie Vorträge, unter anderem in den USA, in England und Deutschland.
- Auch die tiergestützte Therapie und Pädagogik sind weitere Forschungsgebiete.
Beetz: Wenn man einen Hund hat, dann ist es ganz eindeutig, dass man mehr Kontakte bekommt. Zum einem muss man mehrmals am Tag mit dem Hund raus. Zum anderen wird man aber auch viel häufiger angesprochen. Viele Studien aus den USA haben nachgewiesen, dass Tiere als soziale Katalysatoren wirken. Die Menschen kommen also über das Tier einfacher ins Gespräch. Wenn man alleine durch den Wald geht und es grüßt jemand, dann wundert man sich schon darüber. Aber wenn ein Tier dabei ist, dann spricht man vielleicht erst den Hund an, wirft ein Stöckchen. Danach ist es überhaupt kein Problem mehr, sich zu grüßen oder einfach so in Kontakt zu kommen.
Würden Sie Singles dann dazu raten, statt in Online-Partnerschaftsbörsen nach dem passenden Partner zu suchen, sich einfach einen Hund anzuschaffen und mit ihm durch den Wald zu laufen?
Beetz: Das finde ich sehr heikel als Rat. Prinzipiell muss man natürlich für ein Tier bereit sein. Ist man das nicht, hat sich das Tier aber für die Partnersuche angeschafft, aber der Partner mag dann gar keine Tiere, gibt es ein Problem. Man fühlt sich dann einfach angebunden. Mal eben nach Paris fliegen wird dann schwierig. Für solche Fälle kann man sich aber auch an Tierheime wenden. Die freuen sich immer, wenn es Menschen gibt, die mit den Hunden Gassi gehen.
Manche Paare schaffen sich ein Tier an, etwa eine Katze, um zu testen, ob die Beziehung möglichen Nachwuchs aushalten würde. Ist das ein guter Weg?
Beetz: Wenn man sich gemeinsam ein Tier anschafft, dann kann man schon sehen, wie der Partner sich kümmert, sorgt oder ob er das Tier pflegt, wenn es krank ist. Man kann dabei schon viel Einblick nehmen in die Situation wie sie wäre, wenn Kinder da wären.
Was bringt es jungen Familien mit Kindern, sich ein Tier anzuschaffen? Wirkt sich das auf die Entwicklung der Kinder aus?
Beetz: Die meisten Kinder möchten ja Tiere haben. Sofern man aber als Eltern die Zeit und die Möglichkeit hat, sollte man das Tier nicht nur dem Kind zuliebe anschaffen. Man sagt zwar immer, dass Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Aber die letzte Verantwortung liegt dann eben doch bei den Eltern. Ein sechsjähriges Kind muss man immer wieder ermahnen, sich zu kümmern. Deshalb sollten die Eltern die Tiere auch mögen. Auch wegen der Vorbildfunktion.
In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass sich Tiere positiv auf die soziale Kompetenz vor allem von Jungs auswirken. Ich vermute, das wurde in den Studien nicht nachgewiesen, die positive Auswirkung hängt ganz stark davon ab, wie die Eltern den Umgang mit dem Tiervorleben. Wenn man Tiere selbst nicht mag, dann sollte man sich als Eltern deshalb ganz genau überlegen, ob man seinem Kind den Tierwunsch erfüllen sollte.
Tiere werden auch häufig im Rahmen einer Psychotherapie eingesetzt. Wie können Tiere Menschen in diesem Bereich helfen?
Beetz: Als Therapeut kann man noch so kompetent und einfühlsam sein, manche Kinder sind so traumatisiert, dass sie einfach nicht über ihr Problem reden können. In einem Fall hatte ein Junge seine Eltern verloren und gesehen, wie sie an Drogenmissbrauch gestorben sind. Der Junge war wie versteinert und konnte gar nicht darüber sprechen. Als dann ein Hund in die Therapie kam, der es gewöhnt war, Tränen abzulecken, wenn jemand weinte, leckte der Hund dem Jungen die Augen. Und da hat der Junge endlich angefangen zu weinen und dem Hund alles zu erzählen. Tiere können Blockaden aufbrechen, die wir Menschen uns als Schutz aufgebaut haben. Zu einem Tier ist es leichter, die Barriere zu überwinden, sich anzukuscheln oder es zu streicheln. Bei Menschen dauert es viel länger, diese Kontaktebene zu erreichen.

20:32
Morgen kaufe ich mir einen Sack Stöckchen bei Obi
14:22
@ _geradem_Wuchs #2;
zumindest, solange es nicht in ihre richtung ist, das stöckchenwerfen ... ;-))
14:16
Endlich einmal hochwertiger Qualitätsjournalismus
14:06
Ich glaube, mein Schwein pfeift auch weiter ...
14:03
Die Idee mit dem Flirten über die Hunde hatten die ja schon bei 101 Dalmatiner. Und da war die Cruella de Ville mit bei, eine ganz unangenehme Zeitgenossin.
13:22
Mein Hamster bohnert und lässt sich davon auch nicht durch Flirten abbringen.
12:32
Meinen Wellensittiche ist es total egal, ob ich beim Stöckchen werfen flirte.
11:35
tierliebe verbindet ... ;-))