Papst löst Welle der Empörung aus

Rom..  Die Aussage verhallte in Rom zunächst relativ unbemerkt. Bei seiner Generalaudienz sprach Papst Franziskus über die Rolle des Vaters bei der Kindererziehung. Wie wichtig Väter seien, und dass sie präsent, liebend und vergebend sein sollten. Dann kam eine Passage, die später eine Welle der Empörung auslöste. Er habe einen Vater sagen hören, „ich muss meine Kinder manchmal ein bisschen hauen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen“, so Franziskus. „Wie schön“, fuhr der Papst fort. „Er kennt den Sinn der Würde, er muss bestrafen, er macht es aber gerecht und geht dann weiter.“

Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ versucht, die Balance zu wahren: „Wenn Papst Franziskus hervorhebt, dass der Verzicht darauf, ein Kind ins Gesicht zu schlagen, davon zeuge, dass die Würde des Kindes geachtet würde, dann liegt er vielleicht nicht ganz verkehrt“, sagte Sprecherin Sigrid Grabmeier. „Aber jeder Schlag gegen ein Kind ist einer zu viel und zeugt oft von der Überforderung der Erwachsenen.“

Vatikan-Experten betonen, dass der Papst keineswegs Gewalt ge­gen Kinder rechtfertige. „Meiner Einschätzung nach ging es hier um die Würde des Kindes, verpackt in eine echte Erzählung. Das ist keine Verteidigung von Gewalt gegen Kinder, sondern die Betonung ih­rer Würde“, sagte Bernd Hagenkord, Redakteur der deutschen Ausgabe von Radio Vatikan. Und Papst-Biograf Marco Politi erklärte: „Der Papst will nicht sagen: Ab morgen haut man wieder!“. Vielmehr benutze er eine „volkstümliche“ Sprache, „wie ein Pfarrer vor der Kirche auf dem Vorplatz“, um zum Nachdenken anzuregen.

Schlagen in Würde sei absurd

Schläge gegen Kinder – das geht gar nicht. Dieser Auffassung sind die bundesdeutschen Kinderschützer: „Ich mag diesen Papst, weil er so besonders menschlich ist“, so Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. „Aber jeder Mensch kann auch einmal irren. Mit seiner Aussage, dass es in Ordnung sei, Kinder zu schlagen, wenn dies in Würde geschehe, liegt er, so oft er sonst Recht haben mag, völlig daneben.“

Ulrich Lota, Sprecher des Bistums Essen, verweist auf das latein-amerikanische Temperament des Papstes. Franziskus sei ein sehr offener Mensch, dem die Worte schnell über die Lippen kämen. Lota stellt aber klar, dass „Schläge auf jeden Fall abzulehnen sind“.

Dem schließt sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) an: „Jegliche Gewalt gegen Kinder ist vollkommen inakzeptabel.“

Seit November 2000 ist in Deutschland mit der Neufassung des § 1631 Bürgerliches Gesetzbuch jegliche physische und auch psychische Gewalt gegen Kinder – auch zu Erziehungszwecken – verboten und stellt damit eine strafbare Körperverletzung gemäß § 223 Strafgesetzbuch dar. Dies gilt für Eltern genauso wie für katholische Geistliche.

Dennoch gehört bei vielen die gelegentliche Ohrfeige zum Alltag in Deutschland. Laut einer Forsa-Umfrage haben fast die Hälfte der Eltern zugegeben, ihre Kinder schon mal geschlagen zu haben. Aber sie handelten nicht aus Überzeugung, sondern eher aus Überforderung.