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Südostasien

Orang Utans droht in Indonesien der Tod

16.12.2009 | 17:58 Uhr
Orang Utans droht in Indonesien der Tod

Essen. Palmöl ist global einsetzbar: bei der Schokoladen-, Seifen- und Shampooproduktion genauso wie beim Biotreibstoff. „In einem von zehn Supermarktprodukten wird Palmöl verarbeitet“, sagt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF. Das Fatale daran: Weil sich Palmöl seit den 80er Jahren einer immer größeren Beliebtheit erfreut, drohen die Orang Utans auf der indonesischen Insel Borneo auszusterben.

Spätestens 2020 soll für die heute 50 000 Primaten auf der Tropeninsel kein Platz mehr sein. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen droht den Menschenaffen das Aus, wenn die Rodung des tropischen Regenwaldes weiter so betrieben wird wie bisher. Von 2003 bis 2008 – das beweisen Satellitenbilder – verschwanden jährlich etwa eine Million Hektar Wald. Mitte des 19. Jahrhunderts war Borneo, die drittgrößte Insel der Welt, fast vollständig von Dschungel bedeckt. Inzwischen wurde der Bestand auf 50 Prozent reduziert. „Ohne Regenwald können die Orang Utans nicht leben“, sagt Ziegler.

OrDie Orang Utans in Borneo sind vom Aussterben bedroht.

Das Fatale daran: Für die bitterarme Bevölkerung zählt Holz seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Rohstoffen und Einnahmequellen. „Wird der Regenwald gerodet, kann das Holz verkauft werden. Aus dem Gestrüpp wird die Papier- und Zellstoffindustrie bedient“, weiß Ziegler. Auf diesen gerade ausverkauften Brachflächen werden Palmöl-Plantagen angelegt.

„Das größte Problem mit den Orang Utans heute ist die sogenannte fragmentierte Population“, berichtet Marc Ancrenaz von der Umweltgruppe Hutan im malaysischen Kota Kinabalu. Die Affen seien oft in kleine Populationen versprengt, die von Palmöl-Plantagen umschlossen sind. Den so voneinander isolierten Gemeinschaften drohe die Inzucht. Sollten die Affen auf der Suche nach Nahrung in die benachbarten Palmöl-Plantagen eindringen, dürfen sie zudem gejagt und getötet werden.

Dabei ist die Zerstörung des Regenwaldes auf Borneo nicht notwendig. „Sechs Millionen Hektar Land liegen zurzeit brach“, erzählt Ziegler. Die Palmölfirmen schrecken vor einer Aufforstung dieses vor Jahren bereits ausgebeuteten Landes allerdings zurück. Gewinn können sie auf den Brachflächen erst nach drei bis vier Jahren erwirtschaften, weil die Palmen so lange wachsen, bis das begehrte Palmöl geerntet werden kann.

Die ökologischen Wüsten bergen eine weitere Gefahr, sie bedeuten eine „tickende Zeitbombe für den Klimawandel“. Denn für Teile dieser Plantagen werden Torfmoorwälder geopfert. „In ihren Böden schlummern gigantische Mengen an Kohlenstoff“, erläutert Guenola Kahlert, Klimaexpertin des WWF. „Werden sie zerstört, wird der Kohlenstoff vergangener Epochen schlagartig als CO2 freigesetzt und Wälder, die über Jahrtausende als CO2-Speicher wirkten, heizen so plötzlich selbst den Treibhauseffekt an. Insgesamt sind in ihnen bis zu 61 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gelagert – die bei einer Rodung freigesetzt würden. Indonesien ist inzwischen das Land mit dem drittgrößten Treibhausgasausstoß der Welt. Grund dafür ist nicht die ausufernde Industrie, sondern die Zerstörung der heimischen Regenwälder.“

Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen waren die südostasiatischen Tropenwälder daher ein Thema. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel“, sagt Ziegler. Länder wie Indonesien sollen Gelder – oder CO2-Zertifikate – bekommen, wenn sie ihre Wälder schützen. „Ziel ist es, dass Industrieländer für die Erhaltung des Regenwaldes zahlen“, so Ziegler. Und damit die Orang Utans retten.

Angelika Wölke

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