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Contergan-Skandal

Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend

01.09.2012 | 13:41 Uhr
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
Mehr als 50 Jahre nach dem Contergan-Skandal hat der Pharma-Hersteller Grünenthal sich erstmals öffentlich entschuldigt. Für den Verband der Contergangeschädigten reicht das nicht aus.Foto: dapd

Berlin.   "PR-Gag", "leere Hülse": Der Verband der Contgangeschädigten in Deutschland hat die Entschuldigung der Herstellerfirma Grünenthal als unzureichend zurückgewiesen. Die Sprecherin des Bundesverbandes sagte am Samstag: "Wir erwarten Taten".

Der Verband der Contergangeschädigten in Deutschland hält die Entschuldigung der Herstellerfirma Grünenthal für unzureichend. "Wir erwarten Taten, und wenn diese Taten nicht folgen, dann bleibt dies nur eine leere Hülse und ein PR-Gag", sagte die Sprecherin des Bundesverbands Contergangeschädigter am Samstag.

Die Sprecherin betonte, der Opferverband nehme "diese menschliche Rede zur Kenntnis". Zugleich wies sie darauf hin, dass sich das Pharmaunternehmen Grünenthal nicht für die Einführung des Medikaments Contergan vor rund 50 Jahren entschuldigt habe.

Grünenthal-Chef Harald Stock hatte am Freitag bei der Einweihung eines Contergan-Denkmals in Stolberg erstmals bei den Betroffenen um Entschuldigung gebeten. "Wir bitten um Entschuldigung, dass wir fast 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen von Mensch zu Mensch gefunden haben", sagte er. Er drückte zudem sein "Bedauern über die Folgen von Contergan und unser tiefes Mitgefühl für die Betroffenen, ihren Müttern und ihren Familien" aus.

Größter Arzneimittelskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte

In Deutschland war das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan von 1957 bis 1961 rezeptfrei vertrieben worden. Es wurde auch von Schwangeren genommen, der Wirkstoff Thalidomid führte dadurch weltweit bei schätzungsweise 10.000 Kindern zu dauerhaften Schäden, darunter schwerwiegende Fehlbildungen.

Die Contergan-Tragödie ist der größte Arzneimittelskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tausende schwangere Frauen hatten vor mehr als 50 Jahren nach der Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Schlafmittels Contergan Kinder mit Fehlbildungen geboren. Allein in Deutschland waren 5.000 Menschen betroffen. 1961 zog der Stolberger Pharmakonzern Grünenthal das Medikament zurück. Als Folge des Skandals hat die Bundesrepublik Deutschland eines der strengsten Arzneimittelgesetze der Welt. Die rund 2.400 noch in Deutschland lebenden Opfer sind inzwischen 50 Jahre und älter.(afp)

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Kommentare
05.09.2012
08:09
Erklärung des Contergannetzwerk Deutschland zur "Entschuldigung Grünenthals"
von Braunauge1961 | #17

Anstatt das begangene Unrecht zu entschuldigen, entschuldigt man sich für etwas anderes, nämlich das späte Zugehen auf die Opfer, und erreicht alleine durch den Ausspruch des Wortes Entschuldigung in der Öffentlichkeit den Eindruck, dann es nun endlich soweit sei und Grünenthal Einsicht, Reue zeige und den damit verbundenen Schadensausgleich versuche. Es wäre zwingend erforderlich gewesen, die alten Behauptung totaler Unschuld zumindest nicht zu wiederholen. Indem das aber erfolgte, wird für uns erkennbar, dass eben keine tiefgreifende Bewusstseinsänderung bei den Verantwortlichen der Firma Grünenthal eingetreten ist.

04.09.2012
10:23
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jan_Beck | #16

Harald Stock bereute öffentlich vor laufenden Fernsehkameras, die Opfer bisher gemieden zu haben, verlässt dann aber gleich nach der Rede wie von Panik getrieben den Saal, ohne auch nur einem der zahlreichen Contergangeschädigten eine Möglichkeit zu geben, mit ihm zu sprechen. Das jahrzehntelange Schweigen des Pharmakonzerns sei "als Zeichen der stummen Erschütterung zu sehen", meinte Grünenthals CEO zudem. Wie passt da aber, dass Grünenthal noch vor 5 Jahren seine ganze Rechtsabteilung beschäftigte, um den Conterganfilm von Adolf Winkelmann zu verbieten? Es macht mich sehr betroffen, wie hier mit der Wahrheit umgegangen wird. Grundsätzlich sollte man weder behinderte MitbürgerInnen noch irgendeine gesellschaftliche Randgruppe in dieser traurigen Art und Weise verhöhen.

04.09.2012
00:49
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Biker72 | #15

Ich find das schon immer in negativer Hinsicht erstaunlich, wenn mir so Vergleiche durch den kopf gehen...ALG(2) Empfänger oder Behinderte, denen es in dieser Gesellschaft leider Gottes nicht am besten geht, werden grundsätzlich angegriffen. Auf der andern Seite seh ich Schlipsträger die sich die Taschen vollstopfen und notleidende Kreditinstitute. Sozial hinkt einiges. Leider. Vergessen tut so einer immer eines - der andere ist auch nur ein Mensch. Die einen brauchen das Geld zum leben, und das sollte ihnen zugestanden werden. Jemand der 100 Tausend verdient, steigert nur noch seine Vermögenswerte. Sollte man sich im Hinterkopf behalten wenn man beginnt, andere sozial schwache anzugehen !

03.09.2012
11:30
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von unweit | #14

Da kann man dem Opferverband nur zustimmen, wenn nach 50 Jahre erst jetzt mal so eine Art von Eingeständnis formuliert wird anlässlich eines Feiers dann kann das nur zur Optik des Konzerns gemeint sein.
Ganz schrecklich eigentlich und ich hoffe dann auch das die Politik sich nachhältig mal einmischt und vom Konzern eine richtige Schmerzensbehebung durch Zahlung von grössere Geldsummen abzwingt.

02.09.2012
19:01
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jan_Beck | #13

Ich glaube zwar nicht, dass Christian Wulff die Rede des CEO von Grünenthal geschrieben hat, doch fällt mir da das scheibchenweise Herausgeben von Informationen auf. Wütend machen nicht nur die Conterganopfer auch die schwammigen Formulierungen von H. Stock. Ich zitiere: "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir fast 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen von Mensch zu Mensch gefunden haben." - Was will er damit sagen? Will er jetzt bei einer Autogrammstunde anwesende Conterganopfer persönlich begrüßen? Wieso sagt er nicht, dass er mit den Opfervertretungen verhandeln will? Die Öffentlichkeit und die Opfer hätten sich gefreut. Wahrscheinlich ist seine Rede nur eine traurige PR-Aktion.

02.09.2012
18:30
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jens_Martin | #12

Der Einsatz der Conterganopfer hat eine wichtige Vorbildfunktion. Gelingt es ihnen, Ihre Rechte nach einer menschenwürdigen Entschädigung durchzusetzen, fällt es auch anderen gesellschaftlichen Gruppierungen leichter, Gehör für ihre genauso berechtigten Anliegen zu finden. Ich denke da an Hartz-4-Empfänger und vor allem auch an alle andere behinderten MitbürgerInnen. Bei der Entschuldigung von Grünenthal-Chef Harald Stock fällt mir übrigens auf, dass er sich absurd wage ausdrückt. Irgendwie erinnert mich das an gewisse Politiker, die stets auch nur scheibchenweise mit der Wahrheit rausrücken wollen.

3 Antworten
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Bahnhofsmaedchen | #12-1

Hartzer stehen auf der UNTERSTEN Stufe des Ansehens in der Gesellschaft. Du glaubst doch nicht im Ernst, daß sich an deren Rechten irgendwas verbessert, wenn die bemitleideten Contis mehr Geld von Grünenthal kriegen.

Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jan_Beck | #12-2

Sie haben die alleinerziehenden Eltern und Leute, die in Einflugschneisen von Flughäfen leben, vergessen! Bewunderswert ist, wie die Contergangeschädigten selbstbewusst und unermüdlich für ihre Recht kämpfen. Ich sehe da schon eine gewisse Vorbildwirkung für ALG-II-Empfänger. Die haben es ja auch mit Willkür und Herabwürdigungen zu tun, weil einige (merkwürdige) Menschen glauben, man müsse sie bemitleidigen aber nicht ernst nehmen.

Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Bahnhofskind | #12-3

"Vorbildwirkung" klingt so, als ob die Hartzer lediglich mal ihren ***** hochkriegen müssten. Das ist genau das Problem, daß die Gesellschaft den Hartzer als Niete sieht. Es gibt einige engagierte Verbände - z.B. das Erwerbslosenforum. Aber das nützt nichts, weil Hartzer rechtlich einfach keine Chance haben. Contis hatten von Anfang an das Recht im Rücken (Körperverletzung). Hartzer können den Beweis ihrer Unschuld nicht erbringen.

02.09.2012
17:44
Sicher ...
von Partik | #11

... sind die Behinderungen stark beeinträchtigend.

Niemand will das in Abrede stellen. Aber es gibt nicht nur Contergan auf dieser Welt, man kann, konnte und wird auch aus genetischem Zufall oder durch einen Unfall zum Behinderten.

Dafür entschuldigt sich niemand (wie auch), es gibt keine einkommensunabhängigen Renten von der Pharmaindustrie, keine dermaßen starke Beachtung wie bei den Contergan-Opfern, und auch diese Menschen müssen sehen, wie sie mit den normalen gesetzlichen Hilfen klar kommen.

Also bitte ein Contergan-Opfer nicht über den "normalen" Behinderten setzen. Das Schicksal teilen die Geschädigten mit vielen vielen anderen, die noch weniger Beachtung finden.

1 Antwort
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Biggiconti | #11-1

Dazu möchte ich drauf hinweisen Ich wurde künstlich behindert gemacht .
Wenn bei einer Geburt etwas schief geht ist auch der Arzt und seine Versicherung da für zuständig oder man hat einen Autounfall .
Denken diese Opfer dann auch an Conterganopfer wenn es um seine Entschädigung geht ? Sorry verstehe deine Gedankengänge nicht .
Oder bedauerst du es etwa das du mit gesunde Arme und Beine zur Welt gekommen bist ? Ich gebe dir auch gerne meine Rente wenn du im Gegenzug meine Schmerzen und Behinderung nimmst . Warte gespannt auf deine Antwort .

02.09.2012
14:53
Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jens_Martin | #10

Die Entschädigungsforderungen der Conterganopfer an Grünenthal sind (leider) berechtigt. Diese schwerstbehinderten Geschädigten wollen ja keine Entschädigung, um sie für Luxusgüter auszugeben, sondern sie benötigen vom Conterganhersteller finanzielle Mittel, um endlich wichtige Haushaltshilfen zu bezahlen. Man sollte nicht ganz unbeachtet lassen, dass für Menschen ohne Arme und Beine selbst einfach erscheinende Tätigkeiten (wie das Auswechseln einer Glühbirne) unmöglich sind. Viele Opfer leben allein und müssen sich sogar Hilfeleistungen bei Nachbarn erbetteln, da sie kein Geld für Haushaltshilfen haben. Harald Stock sollte sich nun auch noch beim Steuerzahler dafür entschuldigen, dass dieser bisher für die Schäden des Conterganskandals bezahlen musste, denn die Gewinne Grünenthals gingen nur an die Eigentümer.

02.09.2012
09:21
@ Biker72
von Partik | #9

Die derzeitigen Firmenchefs könnten öffentliche Selbstgeisselungen durchführen, oder eine Woche lang auf den Knien um ein Denkmal herumrutschen - die Opfervebände wären immer noch nicht zufrieden, denn es ist ihr Selbstzweck, Empörung in die Welt hinaus zu schreien.

Was soll denn bitte bei einem Pharmaunternehmen "von Herzen" kommen? Viellicht hätte vor 50 Jahren da besser agiert werden können, das ist wahr. Heute ist es dafür zu spät, auch wenn momentan das große Entschuldigen modern ist.

Die Opferverbände sollten aufpassen, dass sie nicht die Schwelle der Arroganz übertreten. Das Thema ist ziemlich durch. Nahezu jeder kennt den Contergan-Skandal, die Opfer sind im Vergleich zu anderen Industrie-"Opfern" exzellent entschädigt, sie haben Verbände, und werden gesellschaftlich sehr gut integriert und unterstützt.

Dass man als Betroffener trotzdem auffällt und sein Leben auch weiter meistern muss, sollte nicht durch immer weitere Entschuldigungsforderungen kompensiert werden.

6 Antworten
Opferband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Biker72 | #9-1

mein Beitrag hat auch einen leicht ironischen Hauch, denn einer von der Pharmalobby mit einer wirklich enrnstgemeinten Entschuldigung ist mir nicht wirklich vorstellbar wenn sich geschäftsgebahren aus dieser Richtung anschaut. Aber das mit Versuchslabor bleibt stehen. In gewissem Masse ist und bleibt der Mensch ein Versuchskaninchen. Ändern wird der ganze neue Aufruf sicher nichts, da hast du recht.

ja genau!
von Bahnhofsmaedchen | #9-2

in England kriegen die 2100,- € pro Monat, hier gut 1000,- € - STEUERFREI! SOZIALABGABENFRE! Jeder Hartzer muß sich regelmäßig auf dem Amt für ein wesentlich geringeres Salär rechtfertigen und demütigen lassen und das obwohl er oft genausowenig Schuld an seiner Erwerbslosigkeit hat, wie der Conti an seinen kurzen Armen. Außerdem erntet der Hartzer in der Öffentlichkeit kein Mitgefühl, sondern Verachtung, Spott und Hass.

Also: den Ball flach halten und das gut abgesicherte Leben genießen.

Opferband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jens_Martin | #9-3

Das Verwunderliche bei der Entschuldigung von Grünenthals CEO ist ja, dass eine äußerst wichtige Frage völlig unbeantwortet bleibt: Was will Harald Stock denn nun eigentlich an seinem Verhalten ändern? Plant er vielleicht nur, einzelne Conterganopfer zu einer Tasse Tee einzuladen? Hätte Stock bei seiner Rede einen Dialog mit den Opferverbänden über eine sinnvolle Contergan-Entschädigung angekündigt, hätte ihn mit Sicherheit kein Opfer kritisiert.

Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Bahnhofsmaedchen | #9-4

der Opferverband SELBST hat einem Vergleich zugestimmt. Dieser Vergleich beinhaltet weiteren Klageverzicht. Es gibt also nichts über eine "sinnvolle Entschädigung" zu verhandeln. Zumal die Contis Ihre fetten Renten längst vom Bund bekommen. Wenn sie von Grünenthal wirklich noch was raushauen könnten, sollte der Betrag von den staatlichen Renten abgezogen werden.

Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Biggiconti | #9-5

Bahnhofsmädchen sind Sie eigentlich darüber informiert von was sie hier schreiben ?
Fette Renten ?
Soll das eine Beleidigung sein ?
Erstmal informieren und dann kann man mit Labbern denn ihr Beitrag zeigt mir das Sie null Ahnung von der Materie haben .

Und ich empfinde ihren Beitrag genau wie Herr Stock seine Rede einen Schlag ins Gesicht .

Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Jens_Martin | #9-6

Bahnhofsmaedchen, die "fetten" Conterganrenten betragen, je nach Schweregrad der Behinderung, 255 bis 1.125 Euro im Monat. Nur Schwerstgeschädigte erhalten die Höchstrente. Diese Personen haben aber auch sehr hohe behindertenbedingte Kosten
(informieren Sie sich doch einmal über dir Lebenssituation von schwerbehinderten Leuten). Falls Sie für die PR-Abteilung von Grünenthal arbeiten und deshalb wütend schreiben, dass die staatliche Renten von einer Entschädigung abgezogen werden sollten, frage ich Sie ganz lieb: Stellen Sie sich mal vor, ein Schwerstverbrecher würde Ihre Arme deformieren. Wie würden Sie Ihren Kommentar dann bewerten? Übrigens, auch ehemalige Angestellte von Grünenthal haben Contergankinder. Zeigen Sie sich doch wenigstens mit diesen Menschen solidarisch.

02.09.2012
00:41
Opferband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend
von Biker72 | #8

das menschliche Versuchslabor Pharmaindustrie hat sich auf drängen entschuldigt...kam sicherlich von ganzem Herzen.....

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