Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Guantanamo

Omar Khadr verbrachte seine Jugend im Terroristen-Gefängnis

01.10.2012 | 17:43 Uhr
Omar Khadr verbrachte seine Jugend im Terroristen-Gefängnis
Diese Zeichnung zeigt Omar Khadr während der Anhörung vor dem Militärtribunal.Foto: AP

Washington.   Im Alter von 15 Jahren wurde der Kanadier in Guantanamo inhaftiert. Nun ist er 26 Jahre alt und wird in eine Haftanstalt in seinem Heimatland verlegt. Sein Anwalt sagt: „Er kann noch immer nicht glauben, dass er wieder zu Hause ist.“

Er ist der einzige Mensch auf der Welt, der seine komplette Jugend im amerikanischen Terror-Gefangenenlager Guantanamo verbringen musste. Seit dem Wochenende ist Omar Khadr, inzwischen 26 Jahre alt, wieder in seiner kanadischen Heimat. Mit seiner Überstellung endet ein jahrelanger Kampf, an dem Menschenrechts-Organisationen wie „Amnesty International“ bis heute das aus ihrer Sicht praktizierte Unrecht in dem Hochsicherheitsgefängnis auf der Karibikinsel Kuba festmachen.

Vater war ein Vertrauter von Bin Laden

Khadr war 15 Jahre alt, als er im Juli 2002 in Afghanistan schwer verletzt festgenommen wurde. Er soll bei einem Feuergefecht den US-Sanitäter Christopher Speer mit einer Handgranate getötet haben. Khadr verlor dabei das linke Augenlicht. Sein Vater galt als enger Vertrauter des damaligen El-Kaida-Chefs Osama Bin Laden und wurde 2003 in Afghanistan getötet. Wie Hunderte Terror-Gefangene, so wurde auch Khadr seither in Guantanamo festgehalten. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe lauteten Mord, versuchter Mord, Verschwörung, sowie Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Spionage.

Laut „Human Rights Watch“ wurde sein späteres Geständnis durch Folter erzwungen. Am Rande des Militärtribunals vor zwei Jahren, bei dem Khadr symbolisch zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, sagten seine Anwälte, der damals als „Kindersoldat“ durch die Weltpresse gegangene Khadr sei mit Vergewaltigung bedroht worden. Man habe ihn außerdem regelmäßig verprügelt, mit kaltem Wasser bespritzt und bellenden Hunden ausgesetzt.

Entschuldigung bei der Witwe

Khadr erklärte sich 2010 für schuldig und entschuldigte sich persönlich bei der Witwe Speers. Bei der Verurteilung wurde dies als strafmildernd berücksichtigt. Da stand bereits fest, dass der aus Pakistan stammende junge Mann, der als Kind nach Toronto kam, ausgeliefert wird, sobald Kanada dies beantragt. Die konservative Regierung von Stephen Harper zögerte den Schritt lange hinaus, wehrte sich bis zum Schluss und begründete dies mit dem Verweis auf den von der Anklage bestellten Gutachter Michael Welner.

Der Psychiater hatte Khadr eine „unveränderte Gefährlichkeit“ attestiert, da er sich während des Strafvollzugs ein Jahrzehnt lang im Dunstkreis militanter Islamisten aufgehalten habe. Sein Gegenpart Stephan Xenakis, ein von der US-Armee der Verteidigung zugeordneter Pflicht-Psychologe, stellte nach über 200 Stunden Gesprächen mit Khadr, der in der Haft unter anderem das Werk Shakespeares studiert hat, das komplette Gegenteil fest. Er prophezeite dem Dauerhäftling gute Chancen für eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Vorläufig im Hochsicherheitsgefängnis

Ob und wann es dazu kommt, ist offen. Vorläufig ist Khadr im Hochsicherheitsgefängnis Millhaven/Ontario untergebracht. Binnen eines Jahres kann er nach Angaben seines Anwalts John Norris, die der zuständige Minister Vic Toews bestätigte, zum ersten Mal die vorzeitige Entlassung aus der Haft beantragen. „Khadr muss sich immer wieder kneifen“, sagte Norris dem Sender NBC, „er kann noch immer nicht glauben, dass er wieder zu Hause ist.“

In Guantanamo sitzen noch 166 Häftlinge ein. Darunter sind mindestens 55 Männer, die laut US-Regierung in ihre Heimatländer abgeschoben werden könnten. Noch will sie niemand aufnehmen. 

Dirk Hautkapp


Kommentare
01.10.2012
21:10
Omar Khadr verbrachte seine Jugend im Terroristen-Gefängnis
von holmark | #1

Man sollte Guantanamo nicht als Gefangenenlager bezeichnen. Es ist ein KZ.

Aus dem Ressort
Schmerz-Patienten dürfen unter Auflagen Cannabis anbauen
Urteil
Schmerz-Patienten dürfen zuhause selbst Cannabis für den Eigengebrauch anbauen — wenn eine entsprechende Genehmigung vorliegt. Das hat das Verwaltungsgericht Köln am Dienstagmorgen entschieden. Fünf schwer kranke Männer hatten geklagt. In zwei Fällen wurde die Klage aber abgewiesen.
Gynäkologe filmt 8500 Frauen - Klinik zahlt Millionen-Strafe
Vergleich
190 Millionen Dollar Entschädigung für 8500 Patientinnen, die über Jahre von ihrem Frauenarzt bei Untersuchungen heimlich gefilmt und fotografiert wurden - selbst in der an Skandalen reichen Medizin-Geschichte Amerikas sprengt dieser Fall fast alle Dimensionen.
Uli Hoeneß offenbar ins Krankenhaus verlegt
Gericht
Uli Hoeneß wurde einem Medienbericht zufolge in eine Klinik am Starnberger See verlegt. Dort soll er sich einem Routine-Eingriff an seinem Herzen unterziehen, heißt es. Zuvor war bekanntgeworden, dass Hoeneß schon in bald Freigänger werden und das Gefängnis somit zumindest tagsüber verlassen könnte.
Tomorrowland verzaubert Fans mit dem Schlüssel zum Glück
Tomorrowland 2014
Halbzeit beim zehnjährigen Tomorrowland-Jubiläum: 180.000 Elektro-Fans feierten beim Festival im belgischen Ort Boom zu den Beats von 300 der weltweit besten DJs. Bei 35 Grad wählten viele Besucher aus über 200 Ländern zwischen schrillen und knappen Outfits.
Unbekannter tötet Achtjährigen in Freiburg - Leiche im Bach
Gewaltverbrechen
Ein Spaziergänger entdeckt in Freiburg einen Achtjährigen tot in einem Bach. Klar ist: Das Kind wurde Opfer eines Gewaltverbrechens, das hat eine Obduktion der Leiche ergeben. Eine Sonderkommission mit mehr als 50 Polizeibeamten soll nun die Hintergründe aufklären.
Umfrage
Nach dem Pfingstunwetter droht noch immer Gefahr durch abgebrochene Äste, die herabstürzen können. Achten Sie noch darauf, wenn Sie unter Bäumen hergehen oder -fahren?

Nach dem Pfingstunwetter droht noch immer Gefahr durch abgebrochene Äste, die herabstürzen können. Achten Sie noch darauf, wenn Sie unter Bäumen hergehen oder -fahren?

 
Fotos und Videos