Ökothriller "Tag der Wahrheit" spielt mit Angst vor Akw-Attentat

David Kollwein (Florian Lukas) ist tatsächlich zu allem entschlossen, falls seine Forderungen an die Regierung und die Kernkraftswerksbetreiber nicht erfüllt werden sollten.
David Kollwein (Florian Lukas) ist tatsächlich zu allem entschlossen, falls seine Forderungen an die Regierung und die Kernkraftswerksbetreiber nicht erfüllt werden sollten.
Foto: SWR
Was wir bereits wissen
Der Ökothriller "Tag der Wahrheit" arbeitet sich an den Risiken der Atomkraft ab: Die Koproduktion von Arte und ARD greift ein spannendes Thema mit starken Schauspielern auf.

Freiburg.. Was wäre wenn? Wenn ein Attentäter die Schaltzentrale eines Atomkraftwerks enterte und mit der Kernschmelze drohte, falls er in einer Live-Übertragung im Fernsehen nicht aus Erfahrung über die tödlichen Gefahren reden dürfe und das Ding abgestellt wird?

Das klingt ein wenig naiv, und Experten werden sich womöglich die Haare raufen, wie leicht man in einem TV-Thriller das Kommando über ein französisches AKW im Dreiländereck übernehmen kann, aber bitte, in der Fiktion ist ja manches erlaubt. Anna Justices ambitionierter Ökokrimi „Tag der Wahrheit“ ist der deutsche Beitrag einer Koproduktion von Arte und der ARD zum Thema Atomkraft, der französische ist die Komödie „Das gespaltene Dorf“, in einer Woche im Ersten zu sehen.

Wild entschlossener Eindringling

Das Schema des Wettlaufs gegen die Zeit kennt man, selbst die eingetackerten Uhrzeiten als zusätzliches Spannungsmoment, sind natürlich keine Erfindung der Regisseurin. Florian Lukas spielt den Eindringling als wild Entschlossenen, der auch mal über eine Leiche geht, wenn’s denn der Sache dient.

Seine kleine Tochter ist an Krebs gestorben, er selbst, Angestellter im Werk, leidet an Leukämie; Auslöser soll in beiden Fällen ein vertuschter Atomunfall gewesen sein, den er nun öffentlich machen will. Gleichzeitig ermittelt die Polizei den vermeintlichen Selbstmord des Strahlenschutzbeauftragten, der offenbar auch ein aufsehenserregendes Geständnis auf einer Chipkarte hinterlassen hat.

Atom-Protest Das schlichte Drehbuch von Johannes Betz und Anna Justices Inszenierung sortieren das Szenario nach den handelsüblichen Mustern: hier der verzweifelte Täter, der sich so gut mit der Technik auskennt, dass man ihn nicht einfach überrumpeln kann, dort der verschlagene Unternehmenschef samt Energieminister und eine Polizei, die sich aufsplittet in die reinen Erfüllungsgehilfen der Macht und die Zweifler. Letztere sind ein französischer Kommissar (Benjamin Sadler) und eine forsche deutsche Staatsanwältin (Vicky Krieps). Die Guten und die Bösen sortiert man hier schnell auseinander, man kann es praktisch finden oder einfach langweilig.

Vergebliches Bemühen um Dramatik

Auch der Schrecken, den die Vorstellung eines Atomdramas an der deutschen Grenze auslösen müsste, will sich nicht so recht einstellen, und man ahnt, was Hollywood („Das China Syndrom!“) oder mindestens die Kollegen aus Schweden aus diesem Stoff gemacht hätten. Hier kommt die Bedrohung als reine Behauptung daher und die Kritik an den glaubhaften oder längst erwiesenen Gefahren der Atomkraft wirkt ein bisschen platt.

Die Schauspieler, allen voran der begabte Florian Lukas, mühen sich vergeblich um Dramatik, sie haben den enttäuschenden Gesamteindruck nicht zu verantworten. Zu allem Unglück wird dem Film selbst die Zweisprachigkeit noch zum GAU. Erst laufen Untertitel, dann reden Franzosen mit Franzosen plötzlich auf deutsch mit französischem Akzent. Das verstehe, wer will.

Fazit Atomkraft, nein danke: Spannendes Thema, aber die Umsetzung ist trotz darstellerischer Qualitäten ein bisschen platt geraten.

  • ARD, Mittwoch, 14. Januar, 20.15 Uhr