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Oberhausener Premiere

20.06.2007 | 08:48 Uhr

The Who mussten 43 Jahren bestehen, um zum erstenmal in der Revierstadt aufzutreten. "Behind Blue Eyes" mit Textlücken

Oberhausen. Dass die Fans von The Who etwas in die Jahre gekommen sind, ist nur natürlich. Aber dem gesamten Saal deswegen orthopädische Probleme zu unterstellen, wie es Ian Astbury, der Sänger der Vorband The Cult tat, führt dann doch etwas zu weit: "Wie gehen Sie?" begrüßte der Engländer die - abgesehen von einigen Lücken unterm Dach - vollbesetzte Arena.

Doch Spaß beiseite, das Paket aus Cult, den Helden der düsteren 80er Jahre, und The Who, den Legenden der aufsässigen 60er Jahre und der opulenten 70er Jahre, funktionierte ausgezeichnet. Und Astbury, der auch bei der Verwertungs-Gesellschaft Riders On The Storm an der Seite von zwei Originalmitgliedern der Doors zum Mikro greift, betonte, dass er selber seit 20 Jahren Who-Fan ist und eine "erstaunliche Zeit" mit den Jungs auf der Tour verbracht habe. Auch The Who schätzen Cult wohl sehr, denn der Umfang ihres Sets ging deutlich über das hinaus, was man Vorgruppen gewöhnlich zugesteht.

Subtil reizvoll an der Kombination der beiden Bands ist, dass Cult-Hits wie "She Sells Sanctuary" oder "Edie (Ciao Baby)" vorm inneren Auge den Ritt auf einem Chopper durch sonnendurchflutete Landschaften entstehen lassen. The Who hingegen stehen mit "Anyway Anyhow Any-where" für die vernieselte Fahrt auf der Lambretta nach Brighton - wo man sich dann mit den Motorradfahrern prügelte, wie eingespielte Szenen aus der Mod-Oper "Quadrophenia" in Erinnerung riefen.

Begonnen hatte das Konzert gleich mit "I Can't Explain", einem weiteren Kracher aus der Gründungsphase. Auch Nummern aus der Zeit des Monster-Rocks wie "Baba O'Riley" (1971) und Songs des neuen Albums "Endless Wire", das man sich durchaus schönhören kann, kamen zu ihrem Recht.

43 Jahre mussten The Who übrigens bestehen, um zum erstenmal nach Oberhausen zu kommen: "Haben wir hier schon mal gespielt? Ich glaube nicht", meinte Gitarrist Pete Townshend, der selber die sicht- und hörbar gute Form der Band bestätigte: "Zwei von uns sind übrig. Wir sind gut in Schuss." Dass Roger Daltrey beim großartigen "Behind Blue Eyes" den Text vergaß, machte ihn nur noch sympathischer. "Das kommt mit dem Alter", scherzte der 63-Jährige.

Von Bert Giesche

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