O2 und E-Plus legen ihre Netze zusammen – Was sich ändert

Ein neuer Mobilfunk-Riese: Kunden von O2und E-Plus können nun das jeweils andere Netz mitnutzen.
Ein neuer Mobilfunk-Riese: Kunden von O2und E-Plus können nun das jeweils andere Netz mitnutzen.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Etwa 42 Millionen Kunden des Telefónica-Konzerns können nun das jeweils andere Netz mitnutzen. Was sich ändert und wer profitiert.

Für etwa 42 Millionen Handy-Nutzer in Deutschland hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Mit der Zusammenlegung der Mobilfunknetze von E-Plus und O2 können sie das jeweils andere Funknetz mitnutzen. Damit entsteht das größte deutsche Handynetz. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Verbraucher.

Was sich für Kunden von E-Plus und O2 ändert

Der Mutterkonzern Telefónica bietet Kunden von O2 und E-Plus nun das „National Roaming“. Es bedeutet: Wenn O2- oder E-Plus-Kunden in ihrem jeweiligen Netz nur eine langsame Verbindung empfangen, schalten ihre Geräte nun automatisch ins jeweils andere Netz – vorausgesetzt, es bietet schnellere Geschwindigkeiten.

Wer zum Beispiel als Kunde von O2 in den nächsten Tagen „o2.de+“ im Display sieht, weiß, dass er gerade im UMTS-Netz von E-Plus surft. Ein solches kleines „+“ signalisiert auch bei E-Plus im Display, dass „National Roaming“ aktiv ist.

Auch Kunden von Prepaid-Anbietern, die das Netz von O2 oder E-Plus nutzen, profitieren von der Fusion der Netzbetreiber. Sie sollen in entsprechenden Gebieten bis zu 178 Mal schneller surfen als vorher.

Kunden beispielsweise von Aldi-Talk, Base, Blau und Simyo sind im E-Plus-Netz unterwegs. Das O2-Netz nutzen zum Beispiel Kaufland, Lidl, Fonic, Tchibo oder Simply. Auch ihre Handys wechseln nun bei Bedarf ins jeweils andere Netz. Ins LTE-Netz des Mobilfunk-Partners kommen Kunden bisher allerdings nicht. National Roaming ist derzeit nur im UMTS-Netz möglich.

Um das „National Roaming“ nutzen zu können, müssen Kunden ihr Handy einzig einmal aus- und wieder einschalten. Die Netze sollen nun innerhalb weniger Wochen nach und nach bundesweit für den jeweils anderen Dienst freigeschaltet werden.

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Welche Kunden von der Fusion profitieren

Insbesondere in ländlichen Gebieten, etwa am Niederrhein zwischen Kamp-Lintfort und Xanten, haben die Netze noch Lücken und bieten bisher zum Teil nur G2, was zwar zum Telefonieren taugt, aber Daten nur sehr langsam überträgt, erklären Experten. Hier würden besonders O2-Kunden profitieren.

Verbesserungen könnten Kunden auch im Bereich um Straelen, Rheurdt, Issum, Sonsbeck, Weeze und in der Region um Kalkar/Kleve erwarten. Ebenso würde das Netz dadurch südlich des Ruhrgebiets besser, beispielsweise im Rheinisch-Bergischen Kreis, in Breckerfeld, Lüdenscheid, Herscheid, Plettenberg, Finnentrop oder auch Balve und Wickede. Einen Überblick über die Netzabdeckung bieten O2 und E-Plus auf ihren Webseiten. In den großen Städten des Ruhrgebiets würden Kunden die Auswirkungen des National Roamings in einer verbesserten Versorgung in Gebäuden bemerken, erklärt ein Telefónica-Sprecher.

Mit teureren Mobilfunktarifen in Deutschland rechnen Experten nicht. Zwar gibt es nur noch drei Mobilfunknetze, als Folge der O2-E-Plus-Fusion und auf Druck der EU -Wettbewerbshüter entstehe jedoch ein vierter Anbieter: Drillisch. Er könnte im Wettbewerb mit günstigeren Tarifen um Kunden buhlen.

Die Shops

Befürchtet wird, dass Telefónica nach der Übernahme in E-Plus- und O2-Shops Hunderte Stellen streicht. Der Serviceprovider Drillisch erhielt zudem im Zuge der Fusions-Auflagen die Option, bis zu 300 Telefónica-Shops zu übernehmen. Das Unternehmen plant, ab Juli unter dem Namen „Yourfone” aufzutreten und die hauseigenen Produkte in den übernommenen Shop-Standorten anzubieten.

Die Netzqualität

Mit dem National Roaming haben Kunden nun an mehr Orten ein besseres Netz. An die Netzabdeckung der Telekom reichen O2 und E-Plus jedoch nicht heran. Das Branchenmagazin Connect hat in seinem Mobilfunktest 2014/2015 wieder die Telekom als besten Anbieter für mobiles Telefonieren und Surfen ausgemacht. Gefolgt von Vodafone, dahinter O2 und E-Plus auf Platz drei und vier. Besonders beim Telefonieren im Freien hat O2 Nachholbedarf. Bei E-Plus sieht es mit der Netzabdeckung besser aus.

Connect gibt der Telekom auch die meisten Punkte für den mobilen Datentransfer. In Groß- und Kleinstadt, innen und im Freien haben Telekom-Kunden beste Voraussetzungen.