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Nutrias gefährden Hochwasserschutz

20.02.2013 | 06:47 Uhr
Foto: /Klaus-Dietmar Gabbert

Ein Nutria mit einer ungewöhnlichen Farbe wie ein Fuchs sorgt seit einigen Wochen für Aufsehen an der Cottbuser Spree. In schnellen Zügen schwimmt das Pelztier von einer Spreebrücke in Cottbus flussabwärts in Richtung der historischen Spreewehrmühle.

Cottbus (dapd-lbg). Ein Nutria mit einer ungewöhnlichen Farbe wie ein Fuchs sorgt seit einigen Wochen für Aufsehen an der Cottbuser Spree. In schnellen Zügen schwimmt das Pelztier von einer Spreebrücke in Cottbus flussabwärts in Richtung der historischen Spreewehrmühle. "Auf halber Strecke macht die Biberratte jedoch plötzlich eine Linkswendung und verschwindet in einem riesigen Bau direkt am Spreeufer", erzählt ein Spaziergänger aus dem Cottbuser Stadtteil Sandow. In dem bereits total unterhöhlten Wurzelgeflecht einer Baumgruppe haben sich etwa 15 kleine und große Biberratten (Myocastor coypus) häuslich eingerichtet.

"Die an der Spree lebenden Tiere locken Ratten an und gefährden die Uferböschungen und den Hochwasserschutz", warnt der Cottbuser Tierparkdirektor Jens Kämmerling. Trotz strengen Verbots werden die inzwischen fast handzahmen Tiere täglich von unvernünftigen Spaziergängern gefüttert. Möhren, Äpfel, Paprika und andere Speisereste werden ihnen zum Fraß vorgeworfen. "Die Tiere freuen sich, fressen was das Zeug hält und vermehren sich in Scharen", sagt der Tierexperte. Inzwischen soll es nach städtischen Angaben entlang der Spree über 200 Nager geben.

"Der wahre Tierfreund füttert keine in freier Wildbahn lebenden Tiere", mahnt die Leiterin des Cottbuser Veterinäramtes, Sylvia Vogt. Die massive Fütterung treibe die Population künstlich in die Höhe. Die Schäden durch die bis zu 65 Zentimeter lang und etwa zehn Kilogramm schwer werdenden Nutrias sind groß.

Bußgeld bis zu 200 Euro

Besonders Umweltschützer sehen erhebliche Gefahren für die Uferböschungen an der Spree. "Bei Fütterung der Nager hagelt es empfindliche Strafen", erklärt der Fachbereichsleiter Ordnung und Sicherheit der Stadt Cottbus, Manfred Geißler. Die Verwarngelder liegen zwischen zehn und 35 Euro. Bußgelder betragen sogar bis zu 200 Euro.

Der städtische Fachbereich hat allerdings erhebliche Personalprobleme. "Nur zwei Mitarbeiter können für Kontrollen der Spreelandschaft eingesetzt werden", beklagt Geißler. Das sei viel zu wenig. So müsse er sich auf sporadische Kontrollen beschränken. Das wissen die meisten "Futtertouristen" und stellen sich darauf ein.

Werden sie auf frischer Tat ertappt, zucken sie mit den Schultern und verweisen auf fehlende Verbotsschilder. Geißler sagte, die von der Stadt aufgestellten Schilder mit der Aufschrift "Bitte nicht füttern!" würden entweder sofort wieder zerstört oder auch gestohlen.

Einen "Ausrottungsfeldzug" gegen die gefährlichen Bisamratten wie vor drei Jahren im Pücklerpark Branitz wird es nach Angaben des Cottbuser Tierparkdirektors an der Spree sicher nicht geben. Damals hatten Dutzende Nutrias die Pyramiden-Grabstätte von Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) und seiner Ehefrau Lucie als wertvolles Kulturerbe ernsthaft beschädigt und mussten getötet werden.

Umweltschützer fordern auch für Cottbuser Spree drastischere Schutzmaßnahmen. Die für den Hochwasserschutz gefährlichen Tiere nur im Auge zu behalten und Verbotsschilder aufzustellen, sei zu wenig. Viele Cottbuser halten deshalb eine behutsame Umsiedlung der Nager für sinnvoll. Die renaturierte Spreeaue bei Dissen (Spee-Neiße) würde sich mit ihrem rund 400 Hektar großen Gebiet als neues Domizil für die Nutrias anbieten.

dapd

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