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NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug

26.03.2013 | 19:02 Uhr

Paris.  Weil ihm der Zutritt zu seinem Flieger verweigert wurde, musste der NRW-Landtagsabgeordnete Stefan Fricke eine Nacht auf dem Flughafen in Paris verbringen. Der contergangeschädigte Politiker der Piratenpartei erhebt schwere Vorwürfe gegen das Personal der Fluggesellschaft Cathay Pacific.

Seinen Start in den Urlaub hatte sich der Pirat anders vorgestellt. Statt auf den Philippinen am Strand zu liegen, strandete Stefan Fricke, Landtagsabgeordnete der Piratenfraktion NRW, am Wochenende auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle. Dem Contergangeschädigten wurde der Weiterflug mit einem Flugzeug der Gesellschaft Cathay Pacific nicht gestattet. Das Personal begründete dies mit der Sorge, den behinderten Passagier nicht richtig versorgen zu können.

Der Contergangeschädigte musste dabei noch mit einem zusätzlichen Problem kämpfen: Sein motorisierter Rollstuhl stand aufgrund eines Fehlers bei der Gepäckbeförderung von Frankfurt nach Paris nicht zur Verfügung. Er musste die Reise in einem einfachen Rollstuhl absolvieren. Die Situation wurde so zu einer besonderen Herausforderung.

Den versprochenen Ausweichflug gab es nicht

Obwohl Vielflieger Fricke mehrfach versicherte, während des Fluges für sich selbst sorgen zu können, blieb der zuständige Mitarbeiter der Cathay Pacific standhaft. Der Pirat durfte nicht in den Flieger. Stattdessen wurde Fricke aufgefordert, mit der deutschen Lufthansa zurück nach Frankfurt am Main zu fliegen. Von dort könne er direkt nach Cebu auf den Philippinen reisen.

„Die hätten schon veranlasst, dass alles umgebucht wird“, erinnert sich der Landtagsabgeordnete an das Versprechen des Flugpersonals. Ein Irrtum, mindestens. Fricke sagt sogar: „eine Lüge“. Die Mitarbeiter am Schalter der Lufthansa waren offenbar nicht informiert worden, die nächste Flugmöglichkeit gab es erst am kommenden Morgen.

Der Politiker Stefan Fricke in seinem Rollstuhl.Foto: Piratenfraktion NRW / Team Fricke

Stefan Fricke fühlt sich betrogen

Mit seinem antriebslosen Rollstuhl habe er nicht einmal bis zum, von der Lufthansa angebotenen, Hotel gelangen können, so Fricke. Er musste die Nacht am Flughafen verbringen. Fricke: „Gepennt habe ich beim Sicherheitsdienst des Flughafens.“ Erst am Morgen konnte er seinen Flug über Frankfurt in Richtung Philippinen fortsetzen.

Von dem zuständigen Cathay-Mitarbeiter fühlt sich der Pirat im Stich gelassen. Seine Aussagen hätten sich als „fantasievolle Erzählungen“ herausgestellt, später habe er sich verleugnen lassen.

Fricke sieht nicht nur sich selbst als Opfer. „Trotz eindeutiger EU-Vorschriften für den Flugverkehr werden Menschen mit Behinderungen nach wie vor diskriminiert und ausgrenzt. Mal abgesehen von diesem Fall, in dem sich grobes menschliches Fehlverhalten zu dieser immer noch misslichen Situation addiert, muss dieser Misstand endlich aufhören“, prangert der Abgeordnete an.

Fluggesellschaft will den Vorfall untersuchen

Bei Cathay Pacific zeigt man sich betroffen. „Wir entschuldigen uns in aller Form bei Herrn Fricke dafür, dass seine Reisepläne unterbrochen wurden“, erklärte Unternehmenssprecherin Cathrin Moen. Die Vorwürfe würden sehr ernst genommen, Nachforschungen seien bereits in die Wege geleitet.

„Unsere vorläufige Untersuchung hat ergeben, das die Vorkommnisse daraus resultierten, dass unser Team in Paris Bedenken bezüglich seiner Sicherheit hatte, vor allem seiner Fähigkeit sich im Falle eines Notfalls aus dem Flugzeug evakuieren zu können“, so Moen.  Nähere Angaben konnte die Sprecherin zunächst nicht machen. Nach Abschluss der gründlichen Untersuchung wolle man die genauen Umstände im Gespräch mit Stefan Fricke klären.

Stephan Happel



Kommentare
28.03.2013
15:22
löschen anderer und meiner Kommentare
von Schlagobers | #25

Dass die WAZ immer wieder an den Haaren herbeigezogene Artikel veröffentlicht, kann man ja vielleicht noch hinnehmen. Bedauerlich ist aber in welcher Art und Weise hier Zensur ausgeübt wird. Die Zensur beginnt schon damit, dass bei manchen Berichten die Kommentarfunktion erst gar nicht eröffnet wird. Wenn Sie aber eröffnet ist, glauben die selbsternannten Tugendwächter offensichtlich die Weisheit gepachtet zu haben. Freie Meinungsäußerung ist offensichtlich nicht gefragt. Wenn dann nur in einem schmalen Meinungsspektrum. Wer sich darüber hinaus wagt, wird gelöscht. Das alles hatten wir bereits einmal. Das Verhalten der WAZ verhindert das Wiederkommen dieser Zeiten nicht sondern fördert sie letztlich. Demokratie und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut offensichtlich begreifen dies einige bei der WAZ nicht.

1 Antwort
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von niophouc1 | #25-1

100% Zustimmung.
Es wird nicht von allen Moderatoren zwischen abweichender Meinung (die zuzulassen ist) und Verstoß gegen die Nutzungsbestimmungen unterschieden.

Vieles hier geschieht "per ordre de Mufti".
Ich bedaure das und es ärgert mich genau so wie Sie.

27.03.2013
15:23
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von schRuessler | #24

Vielleicht stehe ich ja auf dem Schlauch, aber warum konnte Fricke aus Sicherheitsgründen nicht in das Flugzeug der Cathay Pacific einsteigen, aber mit der Lufthansa nach Frankfurt zurück und von da direkt auf die Philippinen fliegen?

Das macht doch keinen Sinn.

27.03.2013
14:24
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Beteiligter | #23

Es ist in der Tat genau so,wie es die Fluglinie erklärt hat!
Jede airline ist verpflichtet dafür Sorge zu tragen,dass Hilfe im Notfall,zB Evakuierung,gewährleistet ist! dafür gibt es feste Regelungen,die bei nahezu allen airlines EU-weit gleich sind und auch von den Behörden genehmigt werden müssen!
Da ie Cathay eine airline mit sehr hoher Reputation ist,hat sie diese regelungen natürlich in den AGB berücksichtigt und Passagiere werden auch bei der Buchung darüber informiert! Das handling am Flughafen,also die Beförderung zum und vom Flughafen übernehmen in der Regel die Flughäfen und nicht die airlines.
Also ist hier kein Fehlverhalten erkennbar,auser dass der Pirat in all seiner Transparenz sich vielleicht mal eher sachkundig macht...

27.03.2013
12:27
essenerjung60 | #16
von schRuessler | #22

"Was mich an Behinderen immer so stört ist, dass nicht aktzeptieren können, dass es auch Dinge gibt, an denen sie nicht teilnehmen können"

Ja, völlig richtig. Was muss ein Behinderter auch mit dem Flugzeug fliegen? Für einen Behinderten reicht schließlich auch ein Urlaub im Sauerland.

Meinen Sie das eigentlich ernst, was Sie schreiben?

Und dass im 21. Jhd Menschen immer noch nicht den Unterschied zwischen "behindert" und "krank" kennen, ist kaum zu begreifen.

Eigentlich dachten wir, dass die Gesellschaft schon weiter wäre.

27.03.2013
10:47
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #21

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.03.2013
10:24
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Holz-Auge | #20

#18 Kartoffelbauer
Ich kann mich nur Ihrem Kommentar anschließen.
Ein Anruf bei der Fluggesellschaft VOR dem Flug und alles wird organisiert.
Stimmt!

Ein " Politiker" der seine Reise so schlecht vorbereitet?

1 Antwort
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Knuddelkater | #20-1

Das ist ein Pirat, kein Politiker ;)

27.03.2013
10:00
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Olli-B | #19

Hätten die mal gesagt, wir lassen keine Piraten an Bord - dafür hätte man Verständnis haben können (Ironie aus).

27.03.2013
10:00
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Kartoffelbauer | #18

Ein Anruf bei der Fluggesellschaft VOR dem Flug und alles wird organisiert. Jeder Flughafen und jede Gesellscheft weißt darauf hin. Ich weiß nicht was dieser Artikel bezwecken soll? Übrigens: Mein GdB ist 100 und "aG":

27.03.2013
09:48
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Emagic | #17

Es ist in der Tat nicht so einfach mit einem Rolli fliegen zu können, das haben wir damals erfahren als unsere Bekannte mit Air Berlin aus der Schweiz zu uns kam. Ich empfand das damals schon als diskriminierend. Es ist ein Unding, das ein Passagier mit besonderen Bedürfnissen nicht die benötigte Aufmerksamkeit erhält und seine Wünsche weniger gelten als die von "gesunden" Passagieren. Und im Übrigen @ essenerjung60 - auch jeder normale Passagier kann ohne weitere Umstände an Bord eines Fliegers einen medizinischen Notfall produzieren. Wollen Sie jetzt etwa alle Leute am Boden lassen oder Flugtauglichkeitstets vor dem Abflug durchführen lassen ??

27.03.2013
08:25
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von essenerjung60 | #16

Was mich an Behinderen immer so stört ist, dass nicht aktzeptieren können, dass es auch Dinge gibt, an denen sie nicht teilnehmen können oder die für sie nicht gehen. Dann wird sofort die Diskriminierungskeule geschwungen, denn sie sind ja schließlich behindert und alle anderen haben gefälligst zu zu sehen, dass das Unmögliche möglich wird. Gesunder Menschenverstand setzt da offensichtlich aus.

Ich möchte mal das Geschrei hören, wenn der Behinderte während des Fluges in ernsthafte Probleme gekommen wäre und er sich - entgegen seiner Aussage - dann doch nicht selber helfen kann. Dann wird gemeinschaftlich über den Angestellten der Fluglinie hergefallen: wie kann er nur einen solch kranken Menschen mit auf den Flug nehmen?!

Es ist gut, dass heute schon vieles möglich ist, um Behinderten die Teilnahme am "normalen" Leben zu ermöglichen, es geht aber eben nicht alles. Und das man sich als Behinderter vor seiner Reise kümmern muss, was geht und was nicht, sollte auch klar sein, oder?

1 Antwort
NRW-Politiker durfte wegen Behinderung nicht ins Flugzeug
von Nixlos | #16-1

von essenerjung60 | #16
"Was mich an Behinderen immer so stört ist, dass nicht aktzeptieren können, dass es auch Dinge gibt, an denen sie nicht teilnehmen können oder die für sie nicht gehen"
Warum sollten sie denn auch, tun doch andere Gruppen auch nicht?! Nichtraucher z.b., die unbedingt in Raucherkneipen wollen etc.
Ich habe beruflich und privat viel mit Rollstuhlfahrern zu tun, seien Sie beruhigt, die müssen auf ganz Viele Dinge verzichten.

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