NRW-Bürger haben am meisten Angst vor Naturkatastrophen

Menschen in der Region haben besonders vor Naturkatastrophen große Angst.
Menschen in der Region haben besonders vor Naturkatastrophen große Angst.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eine Versicherung hat die Angst der Deutschen gemessen und findet heraus: Trotz der Krisen zwischen Ukraine und Syrien sehen die Bundesbürger so gelassen wie lange nicht in die Zukunft. Wenn nur die Unwetter nicht wären! Anders als im Bundesdurchschnitt steht bei den Menschen an Rhein und Ruhr die Angst vor Naturkatastrophen an erster Stelle.

Berlin.. Keine Spur von „German Angst“: Die Bundesbürger blicken so gelassen in die Zukunft wie zuletzt vor 20 Jahren. Selbst Krisen und Kriege wie in der Ukraine oder im Irak jagen den Deutschen keine kollektive Angst ein. Nicht einmal jeder Vierte fürchtet, dass die Ukraine-Krise zu gewaltsamen Konflikten zwischen Russland und dem Westen führen könnte. Auch die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung ist laut einer Umfrage für die Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ zuletzt nur gering gewachsen. Unwetter und Überschwemmungen dagegen fürchtet jeder Zweite – besonders groß ist die Sorge in NRW. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Warum sind die Deutschen so gelassen?

Die Wirtschaft ist stabil, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Große Koalition in Berlin arbeitet leidlich gut zusammen. „Die Deutschen sind kein Volk von Angsthasen“, sagt der Heidelberger Politikwissenschaftler Manfred G. Schmidt. „Sie haben einen sehr realistischen Blick auf die Lage.“

Psychologie Dazu gehört auch die Einschätzung der aktuellen Krise in der Ukraine: Nur 37 Prozent der Deutschen haben große Angst vor einem gewaltsamen Konflikt zwischen Russland und dem Westen. „Die Deutschen wissen, dass der Westen wegen der Ukraine keinen militärischen Konflikt riskieren wird“, so Schmidt.

Die Bundesbürger registrierten sehr klar, dass die zentrale Strategie gegenüber Russland „nicht militärische Kriegsführung, sondern ziviles Einhegen ist“. Angst vor einem neuen Kalten Krieg dagegen gibt es durchaus: In einer Umfrage für die ARD fürchtete zuletzt die Mehrheit der Deutschen eine solche Eskalation.

Was ist die größte Angst der Deutschen?

Seit mehr als zwei Jahrzehnten misst die R&V-Versicherung die Ängste der Deutschen – mittels einer repräsentativen Umfrage mit über 2400 Teilnehmern ab 14 Jahre. Eine Angst steht seit Jahren ganz vorne: die Sorge vor steigenden Preisen. Es ist die Furcht davor, sich das gewohnte Leben nicht mehr leisten zu können. Sie ist nicht unbegründet. Die Auftraggeber der Studie haben nachgerechnet: In den letzten zehn Jahren stiegen die Preise für Strom im Schnitt um 70 Prozent, die Kosten für Benzin um knapp 40 Prozent und die Preise für Nahrungsmittel um 26 Prozent. Zwar stiegen gleichzeitig auch die durchschnittlichen Bruttolöhne, das verfügbare Nettoeinkommen aber schrumpfte bei vielen Bürgern trotzdem - allein schon durch höhere Gebühren und Sozialabgaben.

Hinter der Angst vor steigenden Preisen, so vermutet Schmidt, stehe bei vielen Älteren aber auch das „Nachbeben“ der Ängste aus der Zeit der Währungsreform nach dem Krieg und der Einführung des Euro. Seit der Euro-Schuldenkrise kommt eine weitere Sorge hinzu: Dass die deutschen Steuerzahler für die Schuldnerländer haften müssen.

Haben Frauen mehr Angst als Männer?

Zumindest geben sie ihre Ängste häufiger zu: So fürchten sich etwa sechs von zehn Bürgerinnen davor, das Lebensende als Pflegefall zu erleben - während sich bei den Männern nicht mal jeder Zweite größere Sorgen darum macht. Eine optimistische Haltung - in einer rasch alternden Gesellschaft, in der bereits heute jeder Fünfte älter als 65 Jahre ist.

Wovor haben die Menschen in NRW besonders große Angst?

Anders als im Bundesdurchschnitt steht bei den Menschen an Rhein und Ruhr die Angst vor Naturkatastrophen an erster Stelle. Die hohen Werte überraschen nur auf den ersten Blick, denn: Die Umfrage lief von Mitte Juni bis Mitte Juli - während in Nordrhein-Westfalen die Aufräumarbeiten nach dem verheerenden Unwetter von Pfingstmontag liefen.

Insgesamt blicken die Bürger im größten Bundesland jedoch noch optimistischer in die Zukunft als die meisten anderen Deutschen. Im Ländervergleich machen sich nur die Berliner noch weniger Sorgen. Die größte Zukunftsangst attestiert die Studie dagegen haben die Menschen in den östlichen Bundesländern.