Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Immobilien

Noch nie war das Baugeld so billig wie heute

25.09.2012 | 19:11 Uhr
Noch nie war das Baugeld so billig wie heute
Nur in gefragten Großstädten wie Hamburg oder München explodieren die Immobilienpreise. In kleineren Städten, wie hier in Plettenberg, gibt es noch bezahlbare Wohnungen und Häuser.Foto: Sergej Lepke

Berlin.   Die Preise für Immobilien sind nur in Städten wie München, Hamburg oder Düsseldorf explodiert. Für viele Regionen gilt: Eine Investition in Immobilien kann sich auch jetzt noch lohnen - weil die Zinsen für Immobilienfinanzierung derzeit sehr günstig sind.

Der deutsche Immobilienmarkt präsentiert sich wegen der Eurokrise mancherorts wie leer gefegt. Kaufinteressenten in wirtschaftlich starken Ballungsräumen finden oft kaum noch bezahlbaren Wohnraum, die Anfänge lokaler Preisblasen sind nicht mehr zu übersehen. Wer jetzt noch in beliebten Lagen in das gefragte „Betongold“ investieren will, zahlt womöglich einen völlig überzogenen Preis.

Doch die Fixierung auf die Preisexplosionen in Städten wie München,  Hamburg oder Düsseldorf zeichnet ein verzerrtes Bild. In den meisten deutschen Städten und Landkreisen sind die Immobilienpreise zuletzt nur um moderate ein bis drei Prozent gestiegen, rechnet die Stiftung Warentest vor. Und: Noch nie war Baugeld so billig wie heute. Einen Baukredit mit zehn Jahren Laufzeit gibt es nach Angaben des Verbraucherportals Biallo.de aktuell für 2,6 Prozent, teils sogar darunter. Für Verbraucher kann sich eine Investition in die eigenen vier Wände also durchaus lohnen – wenn eine solide Finanzierung gesichert ist und Käufer ein erschwingliches Objekt in guter Lage finden.

Preise entwickeln sich moderat

„Die steigenden Kaufpreise werden von den niedrigen Zinsen in der Regel überkompensiert“, hat Jörg Sahr von der Stiftung Warentest beobachtet. Christian Schröder von der LBS West kann zudem „keine generelle Preisblase“ am Immobilienmarkt im NRW erkennen. In Großstädten wie Düsseldorf oder Essen verzeichne man lediglich „punktuell“ kräftige Preissprünge.

In den meisten Regionen hätten sich die Immobilienpreise jedoch sehr moderat entwickelt, sagt Schröder. Eine aussagekräftige Quelle dafür bietet der Verband der deutschen Pfandbriefbanken (vdp). Er unterhält seit 2003 eine umfassende Datenbank mit tatsächlich gezahlten Kaufpreisen. Danach sind die Preise für selbst genutztes Wohneigentum im Jahresvergleich zuletzt um 3,5 Prozent gestiegen. „Damit setzt sich der moderate Aufwärtstrend seit 2010 fort“, meldet der Verband. Das finanzielle Umfeld für Immobilienkäufer, etwa für junge Familien, bleibe also weiter attraktiv.

Ob sich ein Immobilienkauf im Einzelfall lohnt, hängt freilich von zahlreichen Faktoren ab. Der alte Maklerspruch von der „Lage, Lage, Lage“ trifft zwar zu, aber auch die Ausstattung ist für die Ermittlung eines angemessenen Kaufpreises enorm wichtig. Das wird oft unterschätzt. Die Stiftung Warentest gibt eine erste Hilfestellung zur Orientierung. Auf www.test.de können potenzielle Käufer die ungefähre monatliche Belastung für ihre Wunschimmobilie berechnen. Der Rechner der Verbraucherschützer basiert auf der Datenbank des vdp mit Immobilienpreisen in 28 Städten und 22 Landkreisen (Stand aktuell: 4. Quartal 2011). Berücksichtigt werden dabei vier Qualitätsstufen für die Wohnlage und vier für die Ausstattung. Hat man eine Größenordnung für den Kaufpreis ermittelt, kann man sich an die Details machen.

Etwas Eigenkapital ist wichtig

Zentral: die Finanzierung. Von niedrigen Zinsen allein sollte sich niemand blenden lassen, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Wichtig sind vor allem eine solide Eigenkapitalausstattung und ein stabiles Einkommen, damit einen die Finanzierung nicht überfordert. Warentest-Experte Sahr empfiehlt, mindestens 20 Prozent des Kaufpreises und am besten auch sämtliche Nebenkosten wie Makler und Grunderwerbsteuer mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Für die laufenden monatlichen Kreditkosten sollte man höchstens 30 bis 40 Prozent des Nettoeinkommens reservieren, hinzu kommen schließlich noch die Bewirtschaftungskosten wie Hausgeld, Rücklagen und Reparaturen.

Von einer Finanzierung ganz ohne Eigenkapital rät Sahr dringend ab, weil man sonst – durch die Kaufpreisnebenkosten – mit einer Überschuldung in die Finanzierung startet. Tipp: Fast alle Verbraucherzentralen bieten eine individuelle Beratung für die Baufinanzierung an, die Kosten liegen zwischen 30 und 170 Euro je nach Bundesland.

Fazit: Wer sich nicht blind vom Kaufrausch anstecken lässt und in eine erschwingliche Immobilie in guter Lage investiert, kann mit einer soliden Finanzierung durchaus Freude an einer Immobilie haben.

Peter Hahne



Kommentare
Aus dem Ressort
Neunjähriger bleibt auf Autobahnparkplatz zurück
Polizei
Nach einem Streit mit der Mutter wollte der Junge in eines der anderen beiden Autos wechseln, mit denen die Familien unterwegs war. Doch dort stieg er nicht ein und blieb zurück. Die Eltern holten ihn bei der Polizei wieder ab.
Wohl mehr als 20 Tote bei Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
Flüchtlinge
Ein neues Flüchtlingsdrama im Mittelmeer vor Griechenland schreckt die Menschen auf. Unter den Opfern sind auch Kinder. Wieder sind es die Ärmsten und Schwächsten, für die der Traum von Europa in einer Katastrophe endet. Vor Italiens Küste wurden unterdessen 1300 Flüchtlinge aus dem Meer gerettet.
US-Forscher befürchten Hunderttausende Ebola-Fälle
Ebola
Die Ebola-Epidemie wird nach Ansicht von US-Experten das Krisenszenario der WHO weit übersteigen. Das Virus werde noch mindestens 12 bis 18 Monate grassieren und könnte Hunderttausende Menschen infizieren, mahnen die Forscher.
Nadeln im Hackfleisch - Polizei fahndet mit Foto nach Frau
Fahndung
Eine Jugendliche hätte die Nadel schon beinahe verschluckt: Eine versteckte Nähnadel hätte für die 17-Jährige fatal enden können. Jetzt ermittelt die Polizei in Lübeck. In gut 20 Fällen tauchten die Nadeln in Hackfleisch in Supermärkten in Schleswig-Holstein auf. Eine Tatverdächtige gibt es bereits.
Radiosender zahlt nach tragischem Scherzanruf 350.000 Euro
Großbritannien
Es sollte ein Telefonscherz sein: Moderatoren eines australischen Radiosenders hatten sich im Dezember 2012 als britische Königin ausgegeben, als Herzogin Kate in einer Londoner Klinik zur Entbindung lag. Eine Krankenhausmitarbeiterin brachte sich danach um. Nun zahlt der Sender deren Familie Geld.
Umfrage
Müsste NRW mehr gegen die Aktivitäten der Salafisten vorgehen? Die Opposition fordert das. Was ist Ihre Meinung?

Müsste NRW mehr gegen die Aktivitäten der Salafisten vorgehen? Die Opposition fordert das. Was ist Ihre Meinung?