Nicht auf die Tränendrüse setzen

An Rhein und Ruhr..  Musikalisch war es zuletzt ruhig um Lena Meyer-Landrut. Die 23-Jährige arbeitete an einem neuen Album. Im Mai soll es in den Plattenläden stehen. Außerdem wird die Wahl-Kölnerin auch in diesem Jahr wieder in der Jury der Castin-Show „The Voice Kids“ (Ab 27. Februar) platznehmen. Überhaupt: 2015 ist der Terminkalender proppevoll.

Sie haben viel vor in 2015. Wie hoch ist der Stressfaktor schon?

Das ist Stress im positiven Sinne. Ich habe wieder viel zu tun in der Öffentlichkeit und nicht nur im Hintergrund. Im vergangenen Jahr habe ich fast nur im Studio gearbeitet, jetzt ist auch mal wieder die Öffentlichkeit dran.

Wie viel Zeit hat ein Coach bei „The Voice Kids“ für die Arbeit mit den Talenten?

Aus meiner Erfahrung der vergangenen Staffeln kann ich sagen, dass wir anderthalb bis zwei Wochen komplett mit den Talenten verbringen. Es ist aber nicht so, dass man alle den ganzen Tag auf einem Haufen beisammen hat. Für die Kids gibt es genaue Vorgaben, welche „Arbeitszeiten“ sie haben dürfen. Und so mache ich an diesen Tagen „Talente-Hopping“ von einem Battle ins nächste. Wir sind ein paar Stündchen zusammen, üben, quatschen, beantworten Fragen. Außerdem bereiten wir die Bühnen-Performance vor.

Wir Fernsehzuschauer glauben oft, unglaubliche Entwicklungen bei den jungen Talenten zu erkennen. Wie sieht das für Sie als Profi aus?

Man sieht schon eine enorme Entwicklung. Das liegt daran, dass hier unglaublich viele professionelle Leute arbeiten. Psychologen, die den Kindern helfen, mit der Bühnensituation klarzukommen. Dann haben wir hier tolle Vocal-Coaches, die den Kindern helfen. Viele hatten noch nie Gesangsunterricht. Da hilft es oft schon, wenn jemand nur einen kleinen Tipp geben kann – zum Beispiel mal aus dem Bauch zu atmen – und plötzlich hört sich die Stimme ganz anders an. Für die Kinder ist es auch das Schöne, dass sie wahnsinnig viel an Erfahrung und Spaß gewinnen.

Was unterscheidet „The Voice Kids“ von anderen Casting-Shows?

Der Zuschauer wird nicht hinters Licht geführt. Hier wird nicht so extrem auf die Tränendrüse gedrückt wie bei anderen Formaten. Es geht um die Stimme und darum, sich stimmlich weiterzuentwickeln – und eben nicht darum, ob man ein schlimmes Familienschicksal durchlebt hat.

Im Mai kommt Ihr neues Album „Crystal Sky“ auf den Markt. Warum dauerte es so lange?

Diesmal habe ich mir einfach die Zeit genommen. Ich wollte es so lange ausreizen, bis ich total zufrieden mit allem war. Ich wollte keinen Schnellschuss machen.

Viele Musiker haben sich zuletzt im Ausland aufgehalten, um neue Inspiration zu finden. War das der Grund für Ihre Aufenthalte in London und Los Angeles?

Ein englischer Songwriter schreibt anders als ein deutscher und ein amerikanischer schreibt wieder ganz anders. So kommen völlig unterschiedliche Dinge heraus.

Was ist Ihnen dabei besonders hängen geblieben?

Die Art und Weise, mit Musik und mit der Sprache umzugehen und auf Texte zu achten. Man ist anders an die Sachen herangegangen und hat schneller Ergebnisse gefunden. Ich hatte das Gefühl, dass die Leute in Amerika ehrlicher waren und eher gesagt haben, dass Dinge kein Potenzial haben, obwohl man einen halben Tag lang daran gearbeitet hat. Hier in Deutschland gibt es oft eine höfliche Zurückhaltung.

Wenn man so viel macht – Fernsehauftritte, Werbeaufnahmen, Studioaufnahmen, Konzerte – wie entspannt man dann?

Am allerbesten einfach mit Nichtstun. Zu Hause hinsetzen, mit dem Hund am Rhein spazieren gehen. Was zu Essen bestellen, Filme schauen, Serien gucken – all das, was andere auch machen.

Stefan Raab war lange Ihr Mentor. Ist er auch heute noch Ratgeber?

Ehrlich gesagt nein. Aber ich glaube, wenn ich ihn jetzt anrufen würde und seinen Rat bräuchte, dann bin ich sicher, dass er sofort an meiner Seite stehen würde.