Neun Tote bei Schießerei auf Parkplatz in Texas

Für die amerikanische Polizei einer der grausamsten Tatorte überhaupt: der Parkplatz vor der „Twin Peaks Bar“ in Texas.
Für die amerikanische Polizei einer der grausamsten Tatorte überhaupt: der Parkplatz vor der „Twin Peaks Bar“ in Texas.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Rockerfehde in der „Twin Peaks Bar“ in Texas – Auslöser für das Blutbad zwischen verfeindeten Rockergangs war eine Lappalie.

Washington/Waco..  Mit 55 Flachbildschirmen, auf denen meist Football, Autorennen oder laute Rock-Musik läuft, 24 Biersorten und witterungsunabhängig leicht geschürzten Kellnerinnen ist die „Twin Peaks Bar“ in Waco/Texas dem Klischee nach die ideale Erlebnis-Gastronomie für raubautzige Motorrad-Gangs. Jeden Donnerstag füllt sich das Restaurant an der Autobahn I 35 zwischen Dallas und Austin mit Horden von Kuttenträgern verschiedener Gruppen zur „Biker-Night“. Seit Sonntagmittag ist damit Schluss.

Bei einem der folgenschwersten Gewaltexzesse der vergangenen Jahre kamen neun Rocker verfeindeter Gangs, darunter die auch in Deutschland aktiven „Bandidos“, ums Leben. 18 wurden teilweise schwer verletzt, über 190 wurden festgenommen. Vorwurf: Beteiligung an einem „organisierten Verbrechen“. Noch am Tag danach zeigte sich die Polizei in der 130 000 Einwohner-Stadt, die 1993 durch den Flammentod der Davidianer-Sekte weltweit in die Schlagzeilen geraten war, wie benommen: „Das war einer der grausamsten Tatorte, die ich in meinen 34 Berufsjahren gesehen habe“, sagte Polizeisprecher Patrick Swanton.

Irgendwer hat irgendwen auf der Toilette angerempelt

Ausgelöst hatte das Blutbad, das gestern die TV-Nachrichten in den USA zeitweilig dominierte, eine Lappalie. „Irgendwer hat auf der Toilette irgendwen angerempelt oder falsch angeguckt“, so Swanton. Schon flogen die Fäuste. Bandenmitglieder fünf verschiedener Gangs, mit Messern, Schlagringen, Ketten und Pistolen bewaffnet, trugen den Zwist binnen weniger Minuten auf den Parkplatz vor dem Lokal.

Als die ersten Schüsse fielen, gingen nebenan im „Don Carlos“ die gerade aus der Kirche eingetroffenen Familien unter die Tische in Deckung statt ans Buffet. „Mehr als 30 Waffen waren zu hören, über 100 Schüsse in wenigen Minuten“, berichtete die Augenzeugin Michelle Logan. Mittendrin: die Polizei.

Weil die Behörden, wie Bezirksstaatsanwalt Abel Reyna sagte, seit Wochen in der Nase hatten, dass der Glaubenskrieg zwischen den „Bandidos“ und den „Cossacks“ wie den „Scimitars“ eskalieren könnte, die allesamt das Areal um das „Twin Peaks“ zur Rekrutierung neuer Mitglieder nutzen, waren zur Tatzeit zwölf Cops vor Ort. Als die ersten Kugeln flogen, schalteten sie sich mit Schusswaffengewalt ein. Ob einige der toten Rocker auf ihr Konto gehen, wird die Gerichtsmedizin klären.

Hinter dem Gewaltausbruch stecken Drogen, Prostitution und Schutzgeld-Erpressung

Steve Cook, Polizist in Kansas-City, einst verdeckter Ermittler in der Szene und Chef der „Midwest Outlaw Motorcycle Gang Investigators Association“, die den Biker-Gangs durch Unterwanderung beikommen will, erkennt hinter dem Gewaltausbruch Verteilungskämpfe. „Es geht um Drogen, Prostitution und Schutzgeld-Erpressung. Und um die Ehre.“

Demnach haben die „Cossacks“ im informellen Auftrag der „Hells Angels“ den „Bandidos“ den Fehdehandschuh hingeworfen. Was sich die lokalen Platzhirsche nicht gefallen ließen.

Dass „Angels“ und „Bandidos“ ihre Rivalität in breiter Form auch in Texas austragen würden, hat die Sicherheitsbehörden gleichwohl überrascht. Als viele Leichen noch neben ihren Harley-Davidson-Maschinen auf dem Asphalt lagen, setzte bereits das Schwarze-Peter-Spiel ein.

Überlegungen, die Bar dauerhaft zu schließen

Wacos Polizei versuchte Twin Peak-Betreiber Jay Patel am Zeug zu flicken. Der Gastronom wies den Vorwurf zurück, er habe von dem großen Rocker-Auflauf am Sonntag gewusst und aus Umsatz-Gier den Rat ignoriert, sein Lokal zu schließen. Polizeisprecher Swanton: „Das Blutbad hätte verhindert werden können“. Patels Entscheidung könnte sich rächen.

Rocker, die bei ihm beim Bier nur die Zeit totschlagen und Bikini-Kellnerinnen hinterherpfeifen, wird es so schnell nicht mehr geben. Der Lizenz-Geber der „Twin Peaks“-Kette in Dallas denkt darüber nach, den Laden dauerhaft aufzugeben.