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Terrorismus

Neun Tote bei Bombenanschlag im indischen Poona

14.02.2010 | 17:36 Uhr
Neun Tote bei Bombenanschlag im indischen Poona

Poona.Bei der Explosion in einem bei Touristen beliebten Café im westindischen Poona sind am Samstagabend neun Menschen getötet und 60 verletzt worden. Unter den Verletzten sei auch eine Deutsche, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Das einstige Aussteiger-Mekka Pune (Poona) in Indien ist Ziel extremistischer Gewalttäter geworden: Bei einem Anschlag auf das bei Touristen beliebte Lokal „German Bakery“ (Deutsche Bäckerei) starben am Samstag neun Menschen, rund 60 weitere wurden verletzt, darunter eine Deutsche. Das Lokal liegt nahe einem Zentrum der Bhagwan-Bewegung, die Poona in den vergangenen Jahrzehnten zum Ziel für Sinnsuchende aus aller Welt werden ließ.

Nach Angaben der indischen Polizei kamen bei dem Anschlag neun Menschen ums Leben, unter ihnen sieben Inder und zwei Ausländer - ein Italiener und ein Iraner. Unter den etwa 60 Verletzten waren ebenfalls mehrere Ausländer, darunter nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin auch eine Deutsche. Innenminister P. Chidambaram sprach von einem Terroranschlag. Es war der erste folgenschwere Anschlag in Indien seit den Terroranschlägen von Mumbai (Bombay) im November 2008.

Bombe war in einem Rucksack versteckt

Untersuchung der Trümmer.

Der Sprengsatz explodierte am Samstagabend und war vermutlich in einem Rucksack unter einem Tisch versteckt. Ein Kellner der „German Bakery“ sagte dem Fernsehsender NDTV 24x7, ihm sei der Rucksack verdächtig vorgekommen, deshalb habe er den Manager alarmiert. Als er nach dem Besitzer suchen sollte, sei er aber von einem Gast abgelenkt worden, der Wasser bestellte. „Während ich die Flaschen holte, ging die Bombe hoch“, erzählte der Mann von seinem Krankenhausbett aus. Keiner der Gäste in der Nähe habe überlebt.

Die verletzte Deutsche lebt nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ schon seit mehreren Jahren in Indien. Die 64-jährige Bhagwan-Anhängerin, die in Deutschland ihren Wohnort zuletzt in München hatte, wurde demnach nur leicht verletzt und sollte noch am Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Pune liegt rund hundert Kilometer südöstlich von Mumbai im Bundesstaat Maharashtra. Vor allem in den 1970er Jahren pilgerten zahlreiche Hippies und Aussteiger aus dem Westen in die Millionenstadt, um den bekannten Osho Ashram der Bhagwan-Bewegung zu besuchen. Das Meditationszentrum wird noch heute von Touristen und Sinnsuchern aus der ganzen Welt aufgesucht. Der Begründer der Neo-Sannyas-Bewegung, der sich selbst Bhagwan Shree Rajneesh und später Osho nannte, starb 1990 in Pune.

Verantwortliche sitzen möglicherweise in Pakistan

Trauer: Angehörige einer jungen Frau, die bei dem Bombenanschlag ums Leben kam.

Die „German Bakery“ befindet sich ganz in der Nähe des Ashrams. In dem Ashram soll nach Angaben von Innenminister Chidambaram auch der US-Bürger David Headley übernachtet haben. Er sitzt derzeit in den USA in Untersuchungshaft, weil er an der Planung der Terroranschläge in Mumbai beteiligt gewesen sein soll, bei denen im November 2008 etwa 170 Menschen getötet worden waren. Nach Angaben des Innenministers spionierte Headley bei seinem Besuch in Pune auch das nahegelegene Chabad House aus, ein jüdisches Kulturzentrum. Es wird von der orthodoxen Chabad-Lubavitch-Bewegung betrieben, deren Mitglieder ebenfalls Ziel der Terroranschläge in Mumbai waren.

Wer hinter dem Anschlag in Pune steckt, blieb zunächst unklar. Für die Anschläge in Mumbai hatte Indien die pakistanische Islamisten-Organisation Lashkar-e-Taiba verantwortlich gemacht. Sollten auch bei dem neuen Anschlag Spuren nach Pakistan führen, wäre dies ein schwerer Rückschlag für die schwierigen Annäherungsbemühungen der beiden Atommächte. Der pakistanische Regierungschef Yousuf Raza Gillani verurteilte den Anschlag in Pune. „Wir wollen gute Beziehungen mit Indien haben“, sagte er am Sonntag. (afp)

DerWesten

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