Neue RTL-Serie steckt verlassene Herren in Zwangs-WG

Unfreiwillig in einer WG: In "Alles auf Anfang" tun sich die Verlassenen zusammen.
Unfreiwillig in einer WG: In "Alles auf Anfang" tun sich die Verlassenen zusammen.
Foto: RTL
RTL startet eine neue Serie: „Männer! Alles auf Anfang“ zeigt eine ungewöhnliche Herren-WG – drei Männer, die von ihren Frauen rausgeworfen wurden.

Köln.. Da sitzen sie am Ende der ersten Folge in der renovierungsbedürftigen Villa in Hamburg, in die sie das Schicksal über diverse Umwege geführt hat und stoßen an mit Flaschenbier. Obwohl es eigentlich gar nichts zu feiern gibt. Im Gegenteil. Denn zumindest zwischenmenschlich läuft es derzeit nicht so wirklich gut für Joris (Christoph Letkowski), David (Hans-Jochen Wagner) und Ben (Andreas Pietschmann). Zwei wurden von ihren Frauen vor die Tür gesetzt, der dritte hat sich quasi selbst ausgesperrt. Doch was als Kurzzeit-Zwangsgemeinschaft beginnt, wird im Lauf der Zeit zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. „Männer! Alles auf Anfang“ nennt sich das und ist eine neue TV-Serie.

Idee kommt aus den Niederlanden

Die Idee dazu ist in den Niederlanden entstanden, genauer gesagt bei John de Mol, einem der erfolgreichsten TV-Produzenten der Welt (Big Brother, The Voice). „Divorce“ heißt das Original und erzielt in Holland enorm hohe Einschaltquoten. Für Deutschland wurde die Serie nun nicht einfach synchronisiert, sondern adaptiert. Soll heißen: die Grundidee ist geblieben, Schauspieler und Örtlichkeiten aber wurden neu ausgewählt. Beides ist gut gelungen.

Kultserie Vor allem Joris als kerniger Handwerksbursche mit Angst vor ungewollter Vaterschaft und David, der stets freundliche Pedant von nebenan, sind mit Christoph Letkowski beziehungsweise Hans-Jochen Wagner treffend besetzt. Nur an Andreas Pietschmann als notorischen Fremdgänger muss man sich gewöhnen. Alle drei aber leiden darunter, dass das Drehbuch in ihren Fällen kaum ein Klischee ausgelassen hat. Deshalb dauert es, bis ihre Figuren an Profil und Tiefe gewinnen. Katharina Müller-Elmau als freiheitsliebende Tamara, Luise Bähr in der Rolle der vom Kinderwunsch getriebenen Freundin Joyce sowie Eva-Maria Grein als betrogene Ehefrau haben es alleine durch den Umfang ihrer Rollen noch schwerer, sich ins Gedächtnis der Zuschauer zu spielen, obwohl sie durchweg gut in die Schablonen passen, in die die Autoren sie pressen.

So bekommt man vor dem Bildschirm alle Facetten dieser Trennungen mit, erlebt Rosenkriege und Verlustängste, erfährt von heimlichen Träumen und Sehnsüchten. Es gibt viel Liebe und manchmal gibt es auch Sex – mal mit der Ex, mal mit neuen Bekanntschaften. In beiden Fällen geht es recht harmlos zu.

Keine Comedyshow

„Männer! Alles auf Anfang“ ist unterhaltsam. Obwohl die Pointendichte nicht besonders hoch ist. Vielleicht auch gerade deshalb. Die Serie gerät jedenfalls nie in Gefahr, auf das Niveau der Art Comedyshows zu rutschen, mit denen RTL zuletzt oft auf die Nase gefallen ist.

Ob der neue Versuch erfolgreicher wird, ist kaum vorherzusagen. Zwar passt „Männer!“ von Ton und Machart her gut hinter „Der Lehrer“, mit dem der Abend bei den Kölnern eingeläutet wird. Beide Sendungen haben allerdings mit dem Bergdoktor einen derzeit unüberwindlichen scheinenden Gegner im ZDF.

Fazit: „Männer! Alles auf Anfang“erfindet die Geschichten über Beziehungskrisen nicht neu. Aber sie werden so sympathisch erzählt, dass man gerne zu Gast ist bei dieser ungewöhnlichen WG. Mehr Tempo wäre nicht schlecht, dafür stimmt die Besetzung.

RTL, 21.15 Uhr