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Neu gewonnene Heimatgefühle

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Berlin. Vor allem in den 50er und 60er Jahren gab es eine wahre Flut an mehr oder minder gelungenen Heimatfilmen wie „Wo der Wildbach rauscht“ oder „Ferien auf Immenhof“. In dieser Form hat das Genre bei uns mittlerweile ausgedient - mangels eines Gefühls für Heimat vielleicht?

Wie auch immer, selbst die Zeit für „Die Landärztin“ oder „Die Alpenklinik“ ist vorbei, nur „Der Bergdoktor“ ist noch da. Und hier und da mal ein vereinzelter Film wie „Das Leben ist ein Bauernhof“, der heute um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Der Bauernhof in diesem Film ist ziemlich groß und hübsch und gehört Kathi (Katharina Leonore Goebel). Das 17-jährige Mädchen hat ihn gerade von ihrer verstorbenen Mutter Marlies geerbt. Natürlich kann sie Hof und Heim niemals allein bewirtschaften, zumal sie kurz vor dem Abi steht. Also ruft sie ihre beiden Onkel an: Bernhard (Dominic Raacke) ist ein erfolgreicher Gewürzhändler in Hamburg, und Hannes (Heio von Stetten) lebt abgeschieden als Mönch in einem Benediktinerkloster.

Ein voraussehbares Ende

Die beiden Brüder haben sich Jahrzehnte nicht gesehen, und ihre Nichte kennen sie überhaupt nicht - und dennoch beschließen sie bei der Beerdigung von Marlies, dass sie Kathi (die einen Biohof aufbauen will) unter die Arme greifen wollen.

Die beiden Brüder denken dabei allerdings ziemlich schnell an einen Verkauf des Anwesens (samt Kapelle!). Doch das gesamte Anwesen ist hoch verschuldet, es droht gar die Zwangsversteigerung. Da machen sich Bernhard und Hannes doch ans bäuerliche Werk, zumal sie längst verloren geglaubte Heimatgefühle wiederentdecken - haben sie doch beide ihre unbeschwerte Jugend auf dem Hof verbracht.

Hannes entdeckt seine Leidenschaft für das Orgelspiel neu, und Bernhard sieht für das eingefahrene Leben mit Villa und Yacht an der Seite seiner Freundin Carola (Florentine Lahme) eine neue Perspektive - erst recht, als ihm seine Jugendliebe über den Weg läuft: die heutige Tierärztin Johanna (Carin C. Tietze).

Dominic Raacke gibt den Bernhard erst als schnöseligen Überflieger, der eigentlich nur schnell zurück will in seine wohlgeordnete Welt. In einer Szene, die ihn im feinen Anzug beim Milchmelken zeigt, wirkt er fast so überfordert wie Cary Grant in ähnlicher Situation. Heio von Stetten hat den sichtlich undankbareren Part des demütigen Gottesmannes, der ihm leider nicht völlig glaubwürdig gelingt. Beide werden jedoch von der jungen Katharina Leonore Giebel nahezu an die Stallwand gespielt, denn sie agiert mit wunderbarer Mischung aus naiver Leichtigkeit und sturer Verbohrtheit und verleiht ihrer Figur eine große Authenzität. Natürlich ist es an den Haaren herbeigezogen, dass sich drei einander wildfremde Leute helfen sollen, nur weil sie zu einer Familie gehören. Es funktioniert aber - wohl auch deshalb, weil ein Scheitern in einem deutschen Familienfilm nicht vorgesehen ist. Dann nämlich müsste der Filmtitel auch anders lauten: „Das Leben ist kein Bauernhof“.

Gregor Tholl

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