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Nerven wie Drahtseile - Amerikaner balanciert über Niagara-Fälle

17.06.2012 | 16:41 Uhr
Nerven wie Drahtseile - Amerikaner balanciert über Niagara-Fälle
Der US-Akrobat Nik Wallenda hat erfolgreich die Niagara-Fälle auf dem Hochseil überquert. Als erstem Menschen seit mehr als hundert Jahren gelang ihm der waghalsige Gang in 60 Metern Höhe. Die Wasserfälle des Niagara-Flusses sind an dieser Stelle rund 550 Meter breit. Foto: AP

Toronto.  Was für ein Stunt! Der Amerikaner kann tatsächlich über Wasser gehen. Der Hochseil-Artist schaffte es als Erster, die Niagara-Fälle zwischen den USA und Kanada. Ein ordentliches Maß an Gottvertrauen half ihm dabei.

Es ist irgendwann auf halbem Weg zum anderen Ufer. Nik Wallenda steht auf dem glitschigen Drahtseil, knapp 70 Meter über dem Abgrund, mitten in der Gischt. Er ist pitschnass, Böen peitschen in sein Gesicht, das Seil unter seinen Füßen schwankt im Wind. Da knackt es in seinem Ohr. Das Mikrofon. „Wie fühlt sich der Sicherheitsgurt an“, fragt sein Vater, der über Funk mit ihm verbunden ist. Wallenda blickt in die Tiefe und sagt: „Ich fühle mich wie ein Trottel.“

Der „Trottel“ bezwingt als erster Hochseilartist seit über 100 Jahren in der Nacht zu Samstag die Schlucht an den legendären Niagara-Fällen zwischen den USA und Kanada. Und zwar an der breitesten Stelle, die noch nie jemand vor ihm überschritten hat. Den Sicherheitsgurt hat er sich hierzu nur widerwillig angelegt, weil seine Sponsoren es wollten.

Zehntausende Zuschauer sind angereist

Schon am Morgen sind zehntausende Zuschauer angereist. Das Wetter ist sommerlich, es weht nur ein leichter Wind. Seit seiner Kindheit hat Wallenda von dem Niagara-Stunt geträumt. Mit Windmaschinen und Feuerwehrschäuchen hat der 33-Jährige, der zur legendären Artistenfamilie „Flying Wallendas“ gehört, jahrelang dafür trainiert, um die Bedinungen an den Wasserfällen zu simulieren.

Drahtseilakt über Niagara-Fällen

Um kurz nach 22 Uhr Ortszeit ist es soweit. Kamerateams des US-Senders ABC besitzen die Übertragungsrechte. Das Hochseil ist 600 Meter lang. Wallenda hat sich eine rote Windjacke und eine Regenhose übergestreift. Er trägt Schuhe aus Wildleder, auf den Schultern eine zwölf Meter lange Balancierstange, 16 Kilo schwer. An seiner Ausrüstung sind Kameras befestigt. Sie übertragen die Live-Bilder aus der Höhe in alle Welt. Ein dünner Draht verbindet seinen Sicherheitsgurt mit dem Seil. Er soll Wallenda halten, falls er fällt.

"Die Aussicht ist phantastisch"

Langsam schreitet der Amerikaner voran. „Wie geht es da draußen“, fragt einer der Reporter. „Die Aussicht ist phantastisch“, antwortet Wallenda in aller Seelenruhe. Dann verschwindet er in einer Wolke aus Nebel. Als er wieder auftaucht, hat Wallenda Falten im Gesicht. Für einen kurzen Moment wirkt er angespannt. „Ich kann das Seil im Dunst kaum noch erkennen“, haucht er in sein kleines Mikrofon. Seine Hände seien taub vor Kälte und die Muskeln begännen zu zittern, berichtet er und Millionen Fernsehzuschauer sind live mit dabei. Mit leiser Stimme betet er und bittet Gott um Beistand. „Vater unser, Du bist mein Retter.“

Der Retter ist gut gestimmt. Nach 25 Minuten und 21 Sekunden erreicht er das Ufer am „Table Rock“ in Kanada, fällt er seiner Frau und seinen Kindern in die Arme. Eine Zollbeamtin fragt nach seinem Pass. Wallenda zieht eine Plastiktüte aus der Jacke. „Welchen Grund hat ihre Reise nach Kanada“, fragt die Beamtin beflissen. Wallenda lächelt und sagt: „Ich will die Menschen inspirieren, ihre Träume niemals aufzugeben.“

Jörg Michel

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Kommentare
17.06.2012
19:39
Nerven wie Drahtseile - Amerikaner balanciert über Niagara-Fälle
von Unverkennbar | #1

Was für ein Schund!

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