NDR feiert Kult-Schauspieler Heinz Erhardt mit Film-Premiere

Heinz Erhardt (l.) in einer Szene des Kurzfilms "Geld sofort".
Heinz Erhardt (l.) in einer Szene des Kurzfilms "Geld sofort".
Foto: NDR
Was wir bereits wissen
Der NDR feiert den Schauspieler Heinz Erhardt mit der Premiere eines nie zuvor gezeigten Films – 35 Jahre nach dem Tod des großen Komikers.

Hamburg.. Er war klein. Er war rundlich. Und eine Halbglatze hatte er auch. Gerade weil er völlig unglamourös aussah, war er einer der größten deutschen Komiker: Heinz Erhardt. In seinem Leben war er nie um Gags verlegen, und selbst 35 Jahre nach seinem Tod ist der Mann mit der Hornbrille immer noch für eine Pointe gut: Dienstagabend zeigt der NDR in seinem Dritten Programm einen Film, der zuvor noch nie zu sehen war: „Geld sofort“ (22.00 Uhr).

Wie könnte es anders sein: Auch die Geschichte, wie die bisher unbekannte kleine Humor-Perle wieder ans Licht der Öffentlichkeit gelangte, ist kurios. Kein Wunder, dass sich der NDR nicht entgehen lässt, im Anschluss an die nur 37-minütige Komödie „die Geschichte zum Film“ (Titel) zu erzählen.

Bislang unbekannter Film in Wiener Nachlass entdeckt

Die Geschichte ist gewissermaßen ein Zwei-Personen-Stück aus dem wirklichen Leben. Die eine Rolle spielt Helmut Werner. Der Wiener Eventmanager gilt als einer der Heinz-Erhardt-Fans mit einer Sammlung, in der selbst Erhardts Erben Neues entdecken können. Die andere Rolle spielt Nicola Tyszkiewicz. Die Musikmanagerin ist Enkelin des Wirtschaftswunder-Humoristen. Obendrein verwaltet sie seinen Nachlass.

Nachlass Werner erzählt, wie er an das schöne Stück kam, das niemals als verschollen galt, weil es gar nicht in Erhardts Filmografie steht: Er habe von einem anderen Sammler ein Angebot über eine echte Rarität erhalten. Dabei ist der Film-Schatz äußerst unspektakulär verpackt. Er steckt in zwei flachen Pappkartons, die Ecken eingerissen, die Ränder abgestoßen. Und die Etiketten wollen auch nicht mehr so recht kleben bleiben. „1. Akt ,Geld sofort’“ und „2. Akt ,Geld sofort’“ steht darauf, in feiner Handschrift schwungvoll notiert. In beiden Schachteln liegt jeweils eine Filmspule. Als die 55-jährige Erhardt-Enkelin einen Deckel anhebt, entfährt ihr: „Bäääh, riecht nach Gift.“

Ein Star im Deutschland der Nachkriegszeit

Doch der Inhalt ist der pure Balsam für die Seele der Nachkriegsgeneration. Erhardt spielt, wie so oft, den sprichwörtlichen kleinen Mann, Zatke heißt er. Der Vertreter will heiraten. Nur Geld hat er nicht. Und da gerät der Mann mit der Fliege ausgerechnet an einen Kreditbetrüger mit dem sprechenden Namen Ehrlich.

Natürlich lebt der Film davon, dass Erhardt kunstvoll demonstriert, dass im Alltag selbst einfachste Redewendungen tückische Fallen sein können. Nachkriegsdeutschland liebt ihn dafür.

Variete Erhardt mimt den liebenswürdigen Schussel so glaubwürdig wie sonst keiner. Kein Wunder: Im Zweiten Weltkrieg sollte der Komiker, damals 32, zum Kriegsdienst eingezogen werden. Bei zwei Musterungen fiel der gebürtige Balte durch. Erhardt konnte nicht schwimmen, und obendrein war er Brillenträger. Zum dritten Mal musterte der Schelm als Klavierspieler im Orchester der Kriegsmarine an. Erhardt war zwar kein Kriegsdienstverweigerer, aber nach seiner Grundausbildung hatte er nie wieder eine Waffe in der Hand.

Seine Ära beginnt in den 50ern

Erhardts große Zeit beginnt mit dem Kino der späten 50er-Jahre. Mal ist er „der müde Theodor“, mal „der Haustyrann“, mal „Witwer mit fünf Töchtern“. Harmlos wirkt er immer, doof jedoch nie.

„Geld sofort!“ entsteht, als der Wahl-Hamburger Erhardt schon Deutschlands Komik-Star Nr. 1 ist. Der Film basiert auf der Vorlage „Eine kleine Geschichte aus einer großen Stadt“ von Gabriel D’Hervilliez. Regie führt der Routinier Johann Alexander Hübler-Kahla.

Comedy Gedreht wird in München, vermutlich in den Bavaria-Studios. Belege gibt es dafür nicht. Aber die Komödie gibt Fingerzeige. So ist vom Sendlinger Tor die Rede. Die Kulisse ist einfach, der Film schwarz-weiß. Nostalgie pur. Dennoch lohnt der Schwank. Er lebt von witzigen Wortwechseln – und von Heinz Erhardt.

Dennoch bleiben Geheimnisse. Warum kam der Film nie ins Kino? Warum steht er nicht in Erhardts Filmografie? Warum landete er in einem obskuren Privatarchiv? Am Ende präsentiert ein Sammler womöglich ein weiteres unbekanntes Schätzchen. Dann heißt es: Und noch ‘n Film.