Natalia Wörner feiert kleines Jubiläum in ZDF-Krimireihe

Team mit Konflikten: Natalia Wörner (vorn), Max von Pufendorf, Ralph Herforth und Martin Brambach (v.l .)
Team mit Konflikten: Natalia Wörner (vorn), Max von Pufendorf, Ralph Herforth und Martin Brambach (v.l .)
Foto: Marion von der Mehden
Was wir bereits wissen
„Unter anderen Umständen“, die Zehnte. Zur Feier des Tages zeigt das ZDF einen Krimi, der ordentlichen deutschen Krimi-Standard bietet.

Mainz.. Frostige Landschaften, milchig bläuliches Licht und eine düstere Geschichte: Es klingt so skandinavisch, an die unterkühlten Bilder aus dem hohen Norden Europas hat sich das deutsche Fernsehauge ja längst gewöhnt. „Unter anderen Umständen“ ist allerdings eine deutsche Krimireihe, „das verschwundene Kind“ (Episoden-Titel) der zehnte Fall für die norddeutsche Kommissarin Jana Winter und ihre Kollegen aus Schleswig. Auch wenn der Film nicht die Abgründigkeit und Intensität der schwedischen oder norwegischen Konkurrenz hat: Ordentlicher deutscher Standard ist er allemal.

Konflikte zwischen Figuren bieten große Spannung

Natalia Wörner, die zum erweiterten Kreis des deutschen Fernseh-Spitzenpersonals gehört, stattet die schöne Polizistin mit hoher Sensibilität aus, bleibt aber im Spiel reduziert genug, um stets glaubhaft zu sein: Jana Winter ist selbst Mutter, und der Fall eines verschwundenen Jungen berührt sie spürbar. Da fließen auch mal Tränen.

ZDF-Krimireihe Mit Martin Brambach, der ihren alkoholkranken Chef gibt und eine Reihe starker Momente hat, Max Pufendorf und dem ruppig auftretenden Ralph Herforth ist ihr Team mit guten Darstellern besetzt, und die internen Konflikte bieten größere Spannungsfelder als der Fall selbst: Es menschelt kräftig in der Truppe, und die Polizisten stehen sich oft genug selbst im Weg.

Menschliche Dramen stark im Vordergrund

Da der kleine Junge, der bei seiner überforderten Mutter (Marie Leuenberger) lebt, aus einer zerrütteten Familie stammt, gerät zuerst sein Vater (stark: Hinnerk Schönemann) unter Verdacht. Der ist vorbestraft, weil er den älteren Bruder des Vermissten einst fürchterlich verprügelte und sich dem Haus seiner Familie nicht mehr nähern darf. Seit seiner Haftentlassung ist er untergetaucht, nun suchen ihn die Ermittler mit vereinten Kräften.

Die Drehbuchautoren Daniel Schwarz und Thomas Schwebel interessieren sich indes mehr für die menschlichen Dramen innerhalb der Familie und deren Untiefen als den Krimi selbst, der allerdings als Wettlauf gegen die Zeit nicht zu kurz kommt. Judith Kemmel, die sämtliche Fälle von Jana Winter inszeniert hat, füttert die Spannung mit den handelsüblichen Zutaten, so dass man nicht gerade mit einem besonders originellen Erzählstil verwöhnt wird. So wie die Auflösung des Dramas eher vorausschaubar ist, wirkt vieles in der Umsetzung sehr konventionell. Zweifellos wird es aber auch nicht gerade leichter, in der Springflut von Fernsehkrimis noch dicke Ausrufezeichen zu setzen. Für einen unterhaltsamen Abend kann es ja trotzdem noch langen.

Fazit: Spannender Stoff, gute Schauspieler, sehr konventionelle Umsetzung. Kein Highlight, aber guter Krimi-Standard.

ZDF, 20.15 Uhr