Nahverkehrsticket auf Bierflaschen statt Alkohol am Steuer

Fahrschein zum Bier: Wer sich in Salzburg ein "Stiegl" bestellt, bekommt dazu ein Ticket für den Nahverkehr.
Fahrschein zum Bier: Wer sich in Salzburg ein "Stiegl" bestellt, bekommt dazu ein Ticket für den Nahverkehr.
Foto: Thinkstock
Was wir bereits wissen
Wer sich in Salzburg ein "Stiegl"-Bier bestellt, findet auf der Rückseite der Flasche ein Nahverkehrsticket. Der Hersteller und die Marketingagentur, die das Konzept entwickelt hat, hoffen, so die Zahl der alkoholisierten Autofahrer verringern zu können. Deutsche Ordnungshüter sind aber skeptisch.

Salzburg/Essen.. Don't drink and drive: Konsumenten des österreichischen Bieres "Stiegl" werden bei jeder Flasche an diese Regel erinnert - und das auf durchaus konstruktive Art und Weise. Denn an jeder Flasche "Stiegl"-Bier klebt auf der Rückseite ein Ticket für den Öffentlichen Nahverkehr. Wer also in der Kneipe feststellt, dass er das Auto lieber stehen lassen sollte, kommt trotzdem problem- und kostenlos nach Hause.

Die Idee zum Kombi-Produkt "Bier und Ticket" stammt von der österreichischen Marketing-Agentur Demner, Merlicek & Bergmann, die dafür auch schon Preise gewonnen haben, unter anderem den in der Branche renommierten ADC Deutschland Award.

Polizisten finden den Fahrschein zum Bier gelungen

Deutsche Bierhersteller sind bislang nicht auf den Zug aufgesprungen - wohl auch, weil das Konzept nur auf lokaler Ebene funktioniert. Für einen nationalen Produzenten wie Beck's oder Krombacher wäre der Aufwand, für jede Stadt ein entsprechendes Ticket auf die Flaschen zu kleben, viel zu groß.

Verzehrverbot Fragt man Ordnungshüter, was sie von dem Konzept halten, stößt man auf vornehme Zurückhaltung. "Sicherlich interessant", sagt Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft NRW. Allerdings, so fürchtet er, könne der Fahrschein zum Bier dazuführen, dass mehr "Sturzbetrunkene in der Bahn sitzen und dort Leute belästigen". Dass alkoholisierte Menschen dazu gebracht werden, ihr Auto stehen zu lassen, findet er natürlich begrüßenswert.

Ist das Konzept aus Österreich also etwas für das Ruhrgebiet? Die Region wäre für den Fahrschein zum Bier geradezu prädestiniert. In Regionalzügen und einigen S-Bahnen dürften Konsumenten das letzte Bier des Abends sogar unterwegs trinken. In Salzburg geht das nicht, dort herrscht ein striktes Alkoholverbot in Bus und Bahn.