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Nach Totschlag in Berlin Debatte um mehr Videoüberwachung

21.10.2012 | 16:29 Uhr
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Nach Totschlag in Berlin Debatte um mehr Videoüberwachung
Mehr Videoüberwachung fordert Innenminister Friedrich. Foto: dapd

Berlin.  Innenminister Friedrich nimmt den Mord an dem 20jährigen Jonny K. zum Anlass, um für mehr Kameras an bestimmten Straßen und Plätzen zu werben. Die Opposition hält das für zweckfrei - Kameras lösten die Probleme nicht.

Die Ermordung eines jungen Mannes am Berliner Alexanderplatz hat eine Diskussion über die Ausweitung der Videoüberwachung in Deutschland ausgelöst. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, er halte es für richtig, "dass an Plätzen oder Straßen, an denen es auffällig viel Kriminalität gibt, mehr Kameras installiert werden".

Das drängende Problem der Gewaltkriminalität in der Öffentlichkeit würde nach Ansicht der SPD dadurch jedoch weder verhindert, noch eingedämmt werden. Die Linke nannte Friedrichs Vorwürfe "unglaubwürdig und in höchstem Maße populistisch".

Erste Hinweise auf die Täter

Der 20-jährige Jonny K. war vor einer Woche am Alexanderplatz von mehreren jungen Männern bewusstlos geprügelt worden und erlag am Montag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen . Die Täter konnten bis jetzt noch nicht gefasst werden. Medienberichten zufolge ist die Polizei jedoch den Tätern, die zunächst unerkannt fliehen konnten, auf der Spur. In der Onlineausgabe der "Berliner Morgenpost" hieß es am Samstag unter Berufung auf Ermittlerkreise, es habe sich ein wichtiger Zeuge gemeldet, der einen der Täter namentlich kenne. Auch über die Wohnorte weiterer Mitglieder der Tätergruppe lägen der Polizei Angaben vor. Einige der Gesuchten sollen sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge allerdings ins Ausland abgesetzt haben, vermutlich in die Türkei

Bundesinnenminister Friedrich sagte der "Welt am Sonntag", ihn habe "entsetzt, dass das Opfer offenbar ohne jede menschliche Regung kaltblütig ermordet wurde". Mehr Videokameras wären ein sehr effizientes Mittel, das auf viele abschreckend und präventiv wirke. "Gewalttäter wissen so, dass sie gefilmt werden. Videoüberwachung kann dazu beitragen, dass die Kriminalität zurückgeht", sagte Friedrich.

Opposition sieht keinen Nutzen in mehr Kameras

Der innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Hartmann, hielt dem entgegen, dass dies nirgendwo zu mehr Sicherheit führen würde, "wohl aber zu einem Gefühl der totalen Überwachung". "Denn Täter wie jene vom Alexanderplatz in Berlin lassen sich nicht von Kameras abschrecken", betonte er. Zudem mische sich Friedrich mit seiner Forderung einmal mehr in Länderangelegenheiten ein. "Es ist zu befürchten, dass der Bundesinnenminister hier wieder nur Muskeln spielen lässt, die er nicht hat", sagte der SPD-Politiker.

Auch die Linke hält wenig von der Idee. "Mehr Videoüberwachung verhindert keine Gewalt", sagte der Linke-Bundestagsabgeordnete Jan Korte. Die Zunahme der Gewalt im öffentlichen Raum sei eine Folge "der sozialen Verrohung in unserem Land". "Und dafür verantwortlich ist die unsoziale Politik der letzten 20 Jahre", sagte er.

Der Kriminologie Christian Pfeiffer unterstützt Friedrichs Vorschlag dagegen. Sinnvoll sei zudem der Einsatz von Überwachungskameras an Brennpunkten, insbesondere in den Bahnhöfen und an Haltestellen, sagte der Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen der "Welt am Sonntag". Zudem halte er ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum für "empfehlenswert". (afp/dapd)

Kommentare
22.10.2012
09:04
Nach Totschlag in Berlin Debatte um mehr Videoüberwachung
von Robert_Meier | #9

Eine Kamara verhindert keine Straftat! Es muss Geld in Bildung, soziale arbeit, Integration, etc. investiert werden! Aber nicht in noch mehr Überwachungswahn!

22.10.2012
07:21
Nach Totschlag in Berlin Debatte um mehr Videoüberwachung
von Starhemberg | #8

Was nützt eine lückenlose Überwachung, wenn wie in diesem Fall die Berliner Polizei bereits die Vermutung äüßert, das die "vermeintlichen" Täter sich bereits in die Türkei abgesetzt haben? (lt. Berliner Kurier)
Und in der "türkischen Heimat" bleiben diese Leute völlig unbehelligt.
Und damit spielt es eine überragende Rolle, woher die Täter stammen.

22.10.2012
07:14
Spielball der Medien!
von HellsAngels | #7

Die Bürger lassen sich hier zum Spielball der Medien und der Politik machen. Man ist immer nur über die letzte Straftat empört, alle davor treten in den Hintergrund. Vor nicht allzu langer Zeit haben Rechtsradikale Menschen in den Tod gehetzt oder totgeschlagen. Dann die "*********" am Alex, nun ein "*********" mit Hakenkreuz. Das ist ja schon fast salomonisch.

Wann merken die Bürger, dass wir was gegen die Kriminalität tun müssen und nicht gegen Volksgruppen (die in vielen Fällen ja unsere eigene ist)?

Hier ist viel unterschwelliger Rassismus zu lesen, aber damit nützt man weder der Lebensqualität in dieser Stadt, noch löst man damit ein Problem.

Es ist nämlich völlig egal, ob man von Rechten, "Südländern" oder Linken oder Besoffenen totgeschlagen, erschossen oder erstochen wird. Man hat als Opfer (sorry als Angehöriger der Mittelschicht) ja inzwischen die Wahl der Todesart, je nach Bezirk und Uhrzeit.

22.10.2012
06:57
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Name von Moderation entfernt | #6

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22.10.2012
06:04
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22.10.2012
05:55
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21.10.2012
22:41
Nach Totschlag in Berlin Debatte um mehr Videoüberwachung
von dutsche | #3

Da können noch so viele Kameras aufgehängt, noch so viele Polizeistreifen unterwegs sein. Die Kriminalitätsraten werden steigen. Seit 1945 ist hier in Deutschland alles wie in den USA gekommen. Vor allen Dingen das negative. Erziehung fängt in der Familie an.

21.10.2012
18:48
Nach Totschlag in Berlin Debatte um mehr Videoüberwachung
von dsnero | #2

Den Toten und Verletzten hilft keine Kamera. Da hilft nur Polizeipräsenz. Und wenn man immer wieder hört, dass ein Gutteil der Täter als "Intensivtäter" bekannt waren scheint auch die Gerichtsbarkeit und vorbeugende Sozialarbeit im Argen zu liegen.
Der momentane Trend: Sparen bei Polizei, Sozialem, Justiz - Investition bei Kameras (haben wir nicht ein den letzten 10 Jahren mindestens 250% Wachstum dort?) und Wachstum der Gewalt.
Kameras scheinen also irgendwie nicht der Bringer zu sein - höchstens ein Alibi.

21.10.2012
18:36
In den Bahnhöfen gibt es die Überwachung ja schon
von meigustu | #1

und viele Fälle belegen, dass keine Gewalt verhindert wurde. Es wurden "nur" die Täter gefasst. Der Mob mag dabei Befriedigung empfinden, die Opfern leiden trotzdem.

Ein Innenminister der es offensichtlich nicht als seine Aufgabe ansieht Straftaten zu verhindern ist fehl am Platz.

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