Nach sexueller Gewalt in Mainzer Kita startet Polizei Befragungen

In einer katholischen Kita in Mainz sollen Kinder Gleichaltrige erpresst und unter Mordandrohungen zu sexuellen Handlungen genötigt haben.
In einer katholischen Kita in Mainz sollen Kinder Gleichaltrige erpresst und unter Mordandrohungen zu sexuellen Handlungen genötigt haben.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In einer katholischen Kita in Mainz soll es zu sexuellen Übergriffen und Gewalt gekommen sein - unter Kindern. Nun sind die Ermittler am Zug.

Mainz.. Nach sexuellen Übergriffen unter Kindern in einer katholischen Kita in Mainz beginnt die Polizei in dieser Woche mit der Befragung von Mädchen, Jungen, Familienmitgliedern und Erziehern. Bei den Kindern dürfe nicht lange gewartet werden, weil ihre Erinnerung rasch verblassen könne, sagte der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Mainz, Gerd Deutschler, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittlungen richteten sich gegen die Mitarbeiter. "Man kann aber noch nicht konkret sagen, welche von ihnen von Rechts wegen als Beschuldigte anzusehen sein werden."

Kein Kind werde zur Aussage gezwungen

Der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Mainz, Gerd Deutschler, sagte der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die laufenden Ermittlungen: "Grundsätzlich kommen alle dort betreuten Kinder zur Anhörung in Betracht, sofern sie nicht zu stark traumatisiert sind." Keines der 55 Kinder werde zur Aussage gezwungen. Die Fragen stellen laut Deutschler nur besonders geschulte Polizeibeamte.

Kindergarten Zu Vermutungen, Kinder könnten zu Hause Pornografie gesehen oder gar selbst missbraucht worden sein, erklärte der Oberstaatsanwalt, das seien bislang reine Spekulationen. "Das Alltagswissen sagt aber, dass Drei- bis Vierjährige so etwas nicht im Bewusstsein haben." Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten.

In der Kita "Mariä Königin" soll es nach Angaben des Bistums Mainz unter Berufung auf Eltern schwere sexuelle Übergriffe, Erpressung und Gewalt gegeben haben. Die Diözese kündigte allen sieben Mitarbeitern und warf ihnen vor, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben. Die Kita ist bis September geschlossen. Ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz sagte am Samstag: "Wir kommentieren das nicht, weil es eine Bistumssache ist."

Mainzer Kita wurde am 2. Juni geschlossen

Träger der Kita ist die Pfarrei Mariä Himmelfahrt im Stadtteil Weisenau. Nach einem Bericht der "Allgemeinen Zeitung" sprach Pfarrer Christian Nagel die Vorfälle auch bei einem Gottesdienst am Samstagabend an und entschuldigte sich. Die Pfarrei war am Sonntag zunächst nicht zu erreichen.

In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" berichtete der Vater eines Kita-Kindes, dass er Verhaltensveränderungen an seinem Sohn bemerkt habe. Einmal habe das Kind nicht mit im Bus fahren wollen - weil ein Junge mitgefahren sei, der in der Kita andere geschlagen habe.

Die Kita war am 2. Juni geschlossen worden. Nach Darstellung des Bistums war unmittelbar zuvor der Brief einer Mutter bei der Pfarrei eingegangen. Vorherige Hinweise hätten die Kita-Mitarbeiter nicht weitergegeben. (dpa)