Nach Explosion bei BASF ermittelt nun die Staatsanwaltschaft

Einsatzkräfte der Feuerwehr arbeiten an der Unglücksstelle auf dem Werksgelände der BASF in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz).
Einsatzkräfte der Feuerwehr arbeiten an der Unglücksstelle auf dem Werksgelände der BASF in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz).
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach der Explosion bei BASF in Ludwigshafen mit mindestens zwei Toten läuft die Ursachenforschung. Eine Person bleibt weiter vermisst.

Ludwigshafen/Lampertheim..  Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat wegen der Explosion auf dem BASF-Werksgelände in Ludwigshafen Ermittlungen eingeleitet. Ein Gutachter wurde zur Klärung der Ursache eingeschaltet, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Zwei Menschen waren bei der Explosion am Montagvormittag getötet worden. Bei den Toten handelt es sich um Mitarbeiter der Werksfeuerwehr. Die Staatsanwaltschaft sprach von insgesamt knapp 30 Verletzten, darunter acht Schwerverletzten. Sechs Verletzte seien noch auf der Intensivstation. „Es steht zum Teil nicht sehr gut um diese Menschen“, sagte Dieter Feid, für die Feuerwehr zuständiger Dezernent der Stadt Ludwigshafen, am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Eine weitere Person wird noch vermisst. Sie wird im Hafenbecken vermutet. Ein Einsatz von Tauchern sei derzeit aber noch nicht möglich, sagte der Chef der Feuerwehr Ludwigshafen, Peter Friedrich, am Dienstag. Sobald keine Gefahr mehr für die Helfer bestehe, sollen sie aber nach dem Vermissten suchen.

Retter können Unglücksort nur schwer erreichen

Nach dem schweren Unfall geht am Dienstag die Ursachenforschung weiter. Hinweise auf einen Terroranschlag gibt es laut Polizei nicht..

„Das Feuer ist zwar aus“, sagte ein Sprecher der Polizei am frühen Dienstagmorgen. Die Lage sei aber nach wie vor diffus. „Für die Rettungskräfte ist es schwer, an den Unglücksort heranzukommen.“ Weil es auch nach dem Löschen des Feuers am Brandort noch sehr heiß sei, seien Werks- und Berufsfeuerwehr nach wie vor mit Kühl- und Sicherungsmaßnahmen beschäftigt, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Verpuffung auch am Standort Lampertheim

Nach dem Brand an einer Rohrleitung des Nordhafens war es zu dem Unglück gekommen. In der Folge brannten nach BASF-Angaben Rohrleitungen mit Ethylen und Propylen. Ethylen werde unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen werde unter anderem bei der Produktion von Autolacken und Klebstoffen benutzt.

Zuvor war es bereits am Standort Lampertheim zu einer Verpuffung am Filter einer Anlage für Kunststoffzusätze gekommen. Dabei zogen sich vier Mitarbeiter Verletzungen zu, wie das Unternehmen mitteilte. Die Anlage wurde abgestellt. Eine Umweltverseuchung sei nicht festgestellt worden. Auch in diesem Fall sei die Ursache noch unbekannt, die Behörden seien informiert.

Wassersperren auf dem Rhein

Greenpeace-Mitarbeiter Manfred Sanden entnahm am Rhein Wasserproben – ein Ergebnis erwartet er für Anfang kommender Woche. Sollte es sich bei den verbrannten Stoffen tatsächlich um Propylen und Ethylen handeln, sei es zwar problematisch. Allerdings wären die Folgen bei freigesetzten chlorierten Kohlenwasserstoffen noch schwerwiegender.

Zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein wurden Wassersperren errichtet. Sie sollen verhindern, dass Chemikalien in den Fluss gelangen.

Anwohner sollen Fenster weiter geschlossen halten

Eine Wolke aus Rauch und Ruß war am Montag über Teile von Ludwigshafen und das benachbarte Mannheim hinweggezogen. Anwohner waren deshalb aufgefordert worden, in ihren Häusern zu bleiben, Türen und Fenster geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Der Stadt zufolge klagten im Stadtteil Edigheim mehrere Menschen über Atemwegsbeschwerden. Die Aufforderung der Behörden an die Anwohner, Fenster und Türen geschlossen zu halten, galt zur Sicherheit auch am Dienstag weiter. Laut BASF trete weiterhin Gas aus. Man habe aber bislang keine erhöhten Konzentrationen schädlicher Stoffe gemessen.

Zum wirtschaftlichen Schaden könne man noch keine Angaben machen, sagte die BASF-Sprecherin. „Dazu ist es noch zu früh.“ Bei der Produktion gibt es infolge der Explosion vom Montag Einschnitte. Da die Rohstoffversorgung noch unterbrochen sei, blieben die sogenannten Steamcracker heruntergefahren, teilte das Unternehmen mit. Rund 20 weitere Anlagen seien in der Folge ebenfalls heruntergefahren worden oder liefen im Teillastbetrieb.

Bereits 15 Produktaustritte 2016 gemeldet

Bislang wurden bei BASF in diesem Jahr 15 Produktaustritte gemeldet, 2015 waren es 13 Fälle gewesen. Wegen eines Zwischenfalls mit Phosgen im Juni hatte das Umweltministerium in Mainz kürzlich eine Inspektion der TDI-Anlage in Ludwigshafen angekündigt. Teile davon sind bereits erledigt, zusammenfassende Ergebnisse sollen voraussichtlich in der ersten Novemberhälfte vorliegen. (dpa/rtr)