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ISS-Mission

Amerikaner und Russe landen nach 340 Tagen auf der Erde

02.03.2016 | 08:27 Uhr
Amerikaner und Russe landen nach 340 Tagen auf der Erde
Rund 400 Kilometer von der Erde entfernt waren die beiden Astronauten Scott Kelly (links) und sein Kollege Michail Kornijenko im All unterwegs.Foto: REUTERS

Moskau/Houston/Berlin.  Der Amerikaner Scott Kelly und der Russe Michail Kornijenko waren ein Jahr lang auf Weltraumreise – und nennen sich immer noch Freunde.

Es gibt eine Frage, die nur Weltraumreisende wirklich verstehen können. George Clooney stellt diese Frage im Film „Gravity“ Sandra Bullock, und sie antwortet nicht, denn sie weiß nicht, wie sie antworten soll. Denn wer diese große Frage mit „Nein“ beantwortet, der könnte auch gleich oben bleiben in der Umlaufbahn und im besten Fall den Blick genießen: Sonne, Mond und Sterne. George Clooney fragt also, ob es da unten jemanden gebe, der manchmal in den Himmel blickt und sich fragt, wie es dir geht.

Die beiden Astronauten, der US-Amerikaner Scott Kelly (52) und der Russe Michail Kornijenko (55), haben sich diese Frage in den vergangenen zwölf Monaten sicherlich immer wieder gestellt. Seit Ende März 2015 arbeiten die Männer auf dem Außenposten der Menschheit – rund 400 Kilometer über der Erde. An diesem Mittwoch sind sie nach 340 Tagen zur Erde zurückgekehrt und haben damit die längste Zeit beendet, die jemals jemand am Stück im All verbracht hat.

Dieses Foto von der Erde twitterten die beiden Astronauten. Foto: Scott Kelly/Nasa

Doch Weltraummüdigkeit war ihnen nicht anzumerken. Zumindest deutete Kelly kurz vor seinem Rückflug bei einer Videoschaltung an, dass er es noch länger ausgehalten hätte. „Ich könnte auch noch 100 Tage bleiben, oder auch noch ein Jahr, wenn das sein müsste“, sagte der mit verschränkten Armen aufrecht in der ISS schwebende Astronaut. „Es ist nicht so, dass ich hier schon an den Wänden kratze und es gar nicht mehr abwarten kann.“

Mediziner auf der Erde kontrollieren Gesundheitszustand

Damit haben sie schon das beste Ergebnis geliefert, mit dem die Wissenschaftler auf der Erde gerechnet haben. Auf der Erde kontrollieren nämlich ständig Mediziner den Zustand der beiden Langzeitraumfahrer – die immerhin doppelt so lange im All waren wie sonstige Besucher auf der Raumstation. Die Ärzte interessierte nicht nur Puls und Gewicht, sondern vor allem, wie sehr die Muskeln und Knochen von der monatelangen Schwerelosigkeit geschwächt sind. So aufrecht wie Harrison Ford in „Star Wars“ laufen die beiden nämlich nie durch die ISS. Mit Spannung wird erwartet, ob die Männer nach der Landung in Kasachstan eigenmächtig ihre Kapsel werden verlassen können. Kelly sagte: „Ich fühle mich wie nach einem Jahr Camping im Wald.“

Ihre Reise gilt als Test für eine weitere Mission, die mindestens ein Jahr dauern wird: die Reise zum Mars. Forscher sind auch gespannt, wie sehr die Sehkraft der beiden Männer gelitten hat. Etwa 70 Prozent der Raumfahrer, die ein halbes Jahr auf der ISS waren und älter sind als 50 Jahre, hätten Sehprobleme. Viele Brillen mussten nach der Rückkehr angepasst werden – andere Raumfahrer mussten sich erstmals eine verschreiben lassen. Auch Kelly berichtet von Augenproblemen.

Nicht nur der Körper stößt an seine Grenzen

Dabei setzt nicht nur der Körper Grenzen: Mit Kelly und Kornijenko wurde auch getestet, ob sich zwei Astronauten so lange verstehen können – noch dazu, wenn ihre beiden Präsidenten gerade auf einen zweiten Kalten Krieg zusteuern. Kornijenko kommentierte das „cool“: „Wenn auch die Beziehungen zwischen Russland und den USA einige Schwierigkeiten erlebt haben, wir arbeiten im All erfolgreich Seite an Seite.“

Am wichtigsten aber – und da klingt Kornijenko fast wie George Clooney – waren die Nachrichten von der Erde. „Sie sind wie ein Hauch frischer Luft, wie Vitamine“, sagt er, „wir sehen sie jeden Abend beim Essen.“ Dann zeigt er auf Scott Kelly und sagt einen Satz, der vielleicht bald selbst Filmstoff ist: „Eine Freundschaft im Weltraum ist für immer.“ Dabei waren Kelly und Kornijenko nie allein: Mindestens sechs Raumfahrer sind immer auf der ISS. Mal brachte ein dänischer Kollege Lego-Steine, mal ein Kasache Stutenmilch mit. „Eigentlich war immer etwas los“, sagt Kornijenko – und sieht ab heute von unten wieder zu.

Sören Kittel

Kommentare
02.03.2016
11:27
Amerikaner und Russe landen nach 340 Tagen auf der Erde
von w.alter | #1

Das muss man den Raumfahrtverantwortlichen lassen, die suchen die Leute richtig gut aus. Vielleicht sind das die besseren Politiker.

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Amerikaner und Russe landen nach 340 Tagen auf der Erde
Amerikaner und Russe landen nach 340 Tagen auf der Erde
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http://www.derwesten.de/panorama/nach-340-tagen-kehren-zwei-nasa-astronauten-zur-erde-zurueck-id11614075.html
2016-03-02 08:27
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