Mutter kämpft gegen Todesstrafe

Canberra..  Die Mutter des hingerichteten australischen Drogenschmugglers Myuran Sukumaran hat ihre Gefühle nach dem Tod ihres Sohnes niedergeschrieben. Adressiert ist der Brief an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo, der sich weigerte, ihren Sohn zu begnadigen. Sukumaran war vergangene Woche zusammen mit sieben anderen Drogenschmugglern in Indonesien erschossen worden.

Joko Widodo lehnt Gnade ab

„Ich hoffe, Ihre Kinder werden nie einen Fehler machen”, schrieb Raji Sukumaran an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo, der eine harsche Politik gegen Drogenhändler vertritt und Begnadigungen von zum Tode Verurteilten ablehnt. „Ich weiß nicht, wo Sie waren, als die Männer, die Sie beauftragt haben, meinen Sohn und sieben andere zu töten, den Abzug drückten, aber ich bin sicher, Sie waren weit weg.“

Raji Sukumaran ließ den emotionalen Brief gestern über australische Medien veröffentlichen, während sie die Beerdigung ihres Sohnes für Samstag vorbereitete. Die Mutter hofft, mit ihren Worten anderen Todeskandidaten und deren Familien helfen zu können. Der zweite hingerichtete Australier, Andrew Chan, war unter großer öffentlicher Anteilnahme bereits am Freitag in Sydney beerdigt worden.

Als Sukumaran und Chan vor zehn Jahren bei dem Versuch erwischt worden waren, 8,3 Kilogramm Heroin von Bali nach Australien zu schmuggeln, hatten die meisten Australier höchstens Verachtung für die beiden Anführer des sogenannten Die-Neun-von-Bali-Drogenkartells übrig. Doch Chan und Sukumaran hatten sich gewandelt und so den Respekt vieler Landsleute gewonnen.

Raji Sukumaran gestand in ihrem Brief ein, dass ihr Sohn und Chan ein Verbrechen begangen hatten, doch beide hätten sich zu Vorbildern für andere Häftlinge entwickelt. „Mein Sohn hat nie darum gebeten, wegen seiner Rehabilitierung freigelassen zu werden, alles was er bat, war, dass er nicht getötet werde”, schrieb die Mutter.

Der 34-jährige Sukumaran hatte sich zu einem begabten Künstler entwickelt und geholfen, mit Malkursen andere Häftlinge zu reformieren. Er verbrachte die letzten Tage vor seiner Exekution damit, düstere Selbstporträts zu malen. Der 31-jährige Chan, der sich im Gefängnis zum Pastor hatte ausbilden lassen und ebenfalls in die Resozialisierung anderer Häftlinge involviert gewesen war, hatte zwei Tage vor seinem Tod noch seine Verlobte geheiratet. Daran erinnerte die Mutter den Präsidenten dann ebenfalls: „Ich möchte, wenn Ihr Kind sich verliebt, heiratet und Pläne für die Zukunft macht, dass Sie daran denken, dass Andrew Chan ebenfalls verliebt war und Pläne für die Zukunft schmiedete, als er exekutiert wurde.“ Einer von Widodos Söhnen plant derzeit seine eigene Hochzeit für Juni. Tragischerweise freute sich Sukumaran laut seiner Mutter im vergangenen Jahr noch über die Wahl des volksnah erscheinenden Widodos und hoffte auf dessen Unterstützung.

Die Familie fühlt sich gedemütigt

„Ich habe in den vergangenen vier Monaten zugeschaut, wie Sie ihn gefoltert haben, indem Sie Witze über sein Leben gemacht haben, ihn die Nacht raten ließen, wann er erschossen werde und offen darüber diskutiert haben, wie er sterben werde, und damit unsere Familie vorgeführt und gedemütigt haben.“ Die Frau sprach auch aus, was viele Menschen in Australien denken: „Ihre Gründe, diese Menschenleben zu nehmen, hatten nichts damit zu tun, Drogen zu verhindern, dafür aber alles mit ihrer Politik.”

Widodos Beliebtheit war in den Monaten nach seiner Wahl rückläufig gewesen, manche hatten ihn gar als Marionette seiner Partei bezeichnet. Politische Beobachter hielten die Exekutionen deswegen für einen Machtbeweis des einstigen Möbelhändlers, der seit Oktober die Geschicke des südostasiatischen Inselstaates lenkt.