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Medien-Skandal

Murdoch-Managerin Rebekah Brooks vor Gericht

12.06.2012 | 17:25 Uhr
Murdoch-Managerin Rebekah Brooks vor Gericht
Sie wickelte die Premierminister um den Finger: Rebekah Brooks, Chefredakteurin der eingestellten „News of the World“. Foto: rtr

London.   Nach dem Medien-Skandal steht die Chefredakteurin Rebekah Brooks ab heute vor Gericht. Ihr wird Vertuschung vorgeworfen, weil wichtige Dokumente, Laptops und Daten aus dem Büro der Murdoch-Managerin verschwunden sind.

Die britische Boulevard-Zeitung „News of the World“ ließ über mehrere Jahre Handys von Prominenten und einfachen Bürgern abhören, um in den Besitz exklusiver Informationen zu gelangen. Medienmogul Rupert Murdoch zog die Konsequenzen und stellte das Blatt ein. Doch der Skandal entwickelte sich zum globalen Firmen- und Polit­krimi.

Über tausend abgehörte Mailboxen, geklaute Krankenakten und erpresste Politiker: Was journalistisch alles möglich ist, das haben britische Boulevardreporter der Welt lange vorgeführt. Von alledem will Rebekah Brooks nichts gewusst haben.

Gegen die Starjournalistin und Vertraute des Medienmoguls Murdoch wird heute der Prozess wegen Vertuschung eröffnet. Wer im Königreich wirklich an der Macht sitzt, das muss auch ihr guter Freund, der britische Premier David Cameron, am Donnerstag erklären.

Enges Verhältnis zu Blair

Wie viel Nähe ist zu viel Nähe? Dass der Premier Textnachrichten an die rothaarige Schmuddelblatt-Chefin mit dem Abschiedsgruß „Viel Liebe“ beendete, dass er davon Dutzende am Tag schickte, das sehen selbst Nicht-Insider als riesigen Fauxpas. Pikant an der SMS-Affäre: Cameron textete der Chefredakteurin auch heimlich, um zu verhindern, dass sie zusammen gesehen werden. Oder dass sie den Kopf nicht hängen lassen soll, obwohl er der Öffentlichkeit gleichzeitig schonungslose Aufklärung in dem Skandal versprach, in dem sie sich so tief verstrickt hat. Donnerstag soll er sich vor dem Untersuchungsausschuss, vor dem auch Brooks im Mai ausgesagt hat, erklären.

Mit Ex-Premier Tony Blair, so gab die 44-Jährige dem engen Verhältnis zum Premier bei ihrer Anhörung den Anstrich des Alltäglichen, habe man doch auch in engem Kontakt gestanden. Ebenso mit Gordon Brown . Der cholerische Schotte freilich war nicht ganz so anschmiegsam wie Nachfolger Cameron.

Die „Sun“ empfahl die Wahl Camerons

Die „Sun“, Medienmoguls Murdochs auflagenstärkste und rabiateste Boulevardzeitung, entzog Brown die Unterstützung und empfahl den drei Millionen Lesern, Cameron zu wählen. Brown verlor die Wahl. Und auf seltsame Weise gelangten die Krankenakten seines behinderten Sohnes in dem Murdoch-Blatt an die Öffentlichkeit.

Doch Brooks, die mit 20 Jahren als Sekretärin bei News Corporation angeheuert hatte – eines der weltgrößten Medien-Konglomerate, gegründet von Murdoch – und dort elf Jahre später zur Chefredakteurin aufgestiegen war, hat nicht nur den Premierminister um den Finger gewickelt oder kaltgestellt. Ihr hervorragendes Netzwerk umfasst auch Kontakte zu Scotland Yard, wo ihr erstaunlicherweise ein teures Polizeipferd „ausgeborgt“ wurde. Pferd „Raisa“ ist in Großbritannien mittlerweile das Symbol für den Eliten-Filz schlechthin.

Anklage lautet auf Vertuschung

Was schwerer wiegt: Auch polizeiliche Ermittlungsergebnisse wanderten im großen Stil für Enthüllungsgeschichten an Brooks’ Reporter. Und Raisa? Brooks war da natürlich großzügig: Auch der Premierminister durfte sich den Polizei-Vierbeiner bei gemeinsamen Ausritten leihen.

Schade, dass Pferde nicht sprechen können. Dazu sind nun andere aufgefordert. Brooks muss sich ab heute samt Sekretärin und Chauffeur vor Gericht verantworten, weil wichtige Dokumente, Laptops und Daten aus dem Büro der Murdoch-Managerin verschwunden sind. Die Anklage lautet auf Vertuschung und Justizbehinderung – eine „reine Hexenjagd“ aus ihrer Sicht. Dass Brooks in dem Gerichtsprozess richtig auspacken könnte, dürfte manchen in Westminster allerdings sehr nervös machen. Fortsetzung folgt, ganz bestimmt.

Jasmin Fischer

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2012-06-12 17:25
Rupert Murdoch,Gordon Brown,Scotland Yard,Rebekah Brooks,Tony Blair,David Cameron,Großbritannien
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