Morgenmuffel und Mutterinstinkte

Frankfurt/Main..  Die neuen Frankfurter „Tatort“-Kommissare haben es bei ihrem ersten Fall mit einem dunklen Familiengeheimnis zu tun. Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) werden an ihrem ersten Arbeitstag zu einem Dreifachmord gerufen: Familie Sanders wurde in ihrem Haus erschossen. Doch wo ist die 17 Jahre alte Tochter Jule (Charleen Deetz)? Von der Nachhilfelehrerin der Kinder, Miranda (Emily Cox), fehlt auch jede Spur. Für die Ermittler beginnt ein spannender Wettlauf mit der Zeit, der durch familiäre Abgründe mehrerer Generationen führt.

„Kälter als der Tod“ heißt der erste „Tatort“ des Hessischen Rundfunks mit dem neuen Ermittler-Duo, den die ARD an diesem Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt.

Zugewandt und neugierig

Der Frankfurter Kommissariatsleiter Hennig Riefenstahl (klasse gespielt von Roeland Wiesnekker) ist von dem neuen Duo alles andere als begeistert. Beide haben keine Erfahrung bei der Mordkommission: Brix kommt von der Sitte, und Janneke ist eine Quereinsteigerin, die zuvor die Polizei in Berlin psychologisch beraten hat. Die neuen Kommissare sind zudem nicht mehr die Jüngsten. Riefenstahl ist aber auch sauer, weil er bei der Personalauswahl übergangen wurde. Seine Skepsis legt sich jedoch, da das Duo schnell einen ersten Ermittlungserfolg vorweisen kann und von Anfang an kollegial miteinander umgeht.

Die neuen Kommissare sind ganz anders als ihre gegensätzlichen Vorgänger - der dem Alkohol verfallene, eigenbrötlerische Frank Steier (Joachim Król) und die junge, attraktive, freche Conny Mey (Nina Kunzendorf). Brix und Janneke gehen zugewandt, freundlich und neugierig aufeinander zu. Wie sich ihr Verhältnis entwickelt, ist offen. Wie viele andere „Tatort“-Kommissare sind die beiden alleinstehend, scheinen aber keine großen privaten Probleme zu haben.

Eigenarten und Marotten haben sie aber natürlich: Brix ist ein extremer Morgenmuffel, sehr direkt und entschlossen. Er lebt bei einer alten Freundin, der französischen Gärtnerin Fanny (Zazie de Paris), zur Untermiete.

Janneke ist in Frankfurt noch nicht richtig angekommen und hat einen erwachsenen Sohn im Ausland, mit dem sie sich über Internet-Bildtelefon unterhält. Sie fotografiert gerne und will in ihrer mütterlich-fürsorglichen Art sich und ihren Mitmenschen immer wieder etwas Gutes tun.

„Kälter als der Tod“ beeindruckt vor allem mit schönen, ästhetischen Bildern. Dazu kommen originelle optische Gags: SMS-Nachrichten erscheinen als Comic-Sprechblasen, beim Telefonieren ist der Schirm mehrfach geteilt.

Die Geschichte ist trotz einiger Schwächen - warum bringen Polizisten Tatverdächtige zu Hause unter? - spannend erzählt. Stark dabei Roman Knizka als Schwager des ermordeten Paars und Carina Wiese als seine Frau.