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Mordopfer gerät in Computerspiel

20.06.2007 | 08:48 Uhr

Die Mutter des 1993 von zwei Zehnjährigen entführten kleinen James Bulger macht die Verwendung des letzten Fotos von ihrem Sohn für eine Form der Unterhaltung furchtbar wütend. In Großbritannien aus Regalen entfernt

London. Es war ein Beweismittel und ein Dokument der Hilflosigkeit: Das letzte Bild von James Bulger zeigt den Zweijährigen, wie er ein Kaufhaus im nordenglischen Merseyside verlässt - an den Händen seiner späteren Mörder. Das Bild wurde im Februar 1993 von einer Überwachungskamera aufgenommen und später von der Polizei veröffentlicht. Jetzt entdeckte James' Mutter das Foto in einem Computerspiel.

Denise Fergus hat ertragen, dass der schreckliche Tod ihres Sohnes immer wieder diskutiert wurde, dass das Bild von James und den beiden erst zehn Jahre alten Tätern immer wieder in Zeitungen veröffentlicht wurde. Aber dass James nun mit einer Form von "Unterhaltung" in Zusammenhang gebracht wird, findet sie unerträglich. "Es macht mich wütend, dass man James zu einem Anhaltspunkt in einem Spiel herabgewürdigt hat."

Geschehen ist das im Computerspiel "Law and Order" (Recht und Gesetz), das auf einer populären US-amerikanischen Fernsehserie beruht. Da fordert ein fiktiver Detektiv die Spieler auf, bei der Aufklärung eines fiktiven New Yor-ker Mordfalles zu helfen. Dann deutet er auf ein Foto, das keineswegs ein fiktives Opfer zeigt, sondern James Bulger.

"Die Menschen, die dieses Spiel entwickelt haben, behandeln ihn, als sei er öffentliches Eigentum oder wie irgendeine fiktionale Figur. Es entmenschlicht die Erinnerung an meinen wunderbaren Sohn", sagte Denise Fergus gegenüber der "Times".

Das Spiel sei zwar bereits 2003 veröffentlicht worden, doch sie habe erst jetzt von dem darin verwendeten Bild erfahren und beschlossen, "alles zu tun, damit das Foto aus dem Spiel entfernt wird". Sie wolle eigentlich keine neue Aufmerksamkeit auf den Fall lenken, aber diese "Abscheulichkeit" könne sie nicht ignorieren. "Es ist schlimm genug, dass Bücher und Theaterstücke über den Mord an James geschrieben wurden, aber dieses Spiel bedeutet pure Verachtung. Es verletzt mich und meine Familie."

Darum schrieb James' Mutter, die noch immer in dem kleinen Ort Kirkby in Merseyside lebt, zunächst an den britischen Vertrieb des Spieles und drohte außerdem dem amerikanischen Hersteller "Legacy Interactive" mit rechtlichen Schritten. Unterstützt wurde die verzweifelte Mutter vom örtlichen Labour-Abgeordneten Robert Wareing und vom pensionierten Polizisten Albert Kirby, der damals die Ermittlungen in dem Mordfall leitete. Beide beklagten die Gedankenlosigkeit der Spiel-Entwickler, "die sich offenbar kein bisschen um die Gefühle der Familie scheren".

Diesen Vorwurf versuchten die betroffenen Firmen nun zu entkräften: Das Spiel wurde in Großbritannien aus den Regalen entfernt und "Legacy Interactive" entschuldigte sich bei James' Familie für den Kummer, den man verursacht habe. Das Bild werde in der neuen Version des Spieles selbstverständlich nicht mehr auftauchen. Nun hofft Denise Fergus, dass Besitzer der alten Version das Spiel zerstören oder an den Hersteller zurückschicken.

Von Christina Wandt

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