„Mord in bester Gesellschaft“ – aus Klamotte wird Thriller

Die Reporterin und ihr Informant: Alex (Sophie Wepper) recherchiert, Papa Dr. Winter (Fritz Wepper) hilft.
Die Reporterin und ihr Informant: Alex (Sophie Wepper) recherchiert, Papa Dr. Winter (Fritz Wepper) hilft.
Foto: ARD Degeto/Kerstin Stelter
Schluss mit lustig: Die ARD-Reihe mit Fritz Wepper stellt sich neu auf. Gut so – der aktuelle Fall ist nämlich endlich wieder sehenswert.

Essen.. „Mord in bester Gesellschaft“ war lange Zeit die Fortsetzung der „Klinik unter Palmen“ mit anderen Mitteln, wurde ja auch vom gleichen Autor betreut. Rolf-René Schneider stieg jedoch 2013 aus, und in Folge 13 ist nun endgültig Schluss mit lustig. „Das Scheusal“ ist ein düsterer Thriller und vom platten Schmunzelkrimi der frühen Jahre so weit entfernt wie die Palme vom Pott.

Fritz Wepper kann endlich zeigen, was für ein guter Schauspieler er ist

Seid also gewarnt, Anhänger des gemütlichen Kuschelkinos! Diesmal geht es ganz schön zur Sache! Zur Einstimmung gibt Johnny Cash gleich eine äußerst melancholische Version von „You’ll Never Walk Alone“ zum Besten, die es so nie in die Fußballkurven geschafft hätte, Serienheld Wendelin Winter kämpft gleichzeitig fixiert auf einer Pritsche gegen eine bedrohliche Injektion, und genauso fix und fertig geht es auch weiter. Wabernde Hintergrundmusik, schnelle Schnitte, verstörende Bilder, die mehr sind als bloße Verkleidung einer läppischen Story – vor so was hätte der gute Wendelin nebst Tochter einst Reißaus genommen, natürlich gemächlich nach Art des Hauses.

Dafür kann Hauptdarsteller Fritz Wepper endlich mal wieder zeigen, was er kann. Aus der grob geschnitzten Karikatur eines Psychiaters, der gemeinsam mit der Tochter im Lehnstuhl den Fall löst, ist ein richtiger Mensch geworden. Und die Geschichte, entwickelt von Autoren, die ihren Erfahrungsschatz aus Serien wie „Heiter bis tödlich“ oder „Großstadtrevier“ beziehen, geht zügig voran. Tochter Alex Winter (Fritz Weppers echte Tochter Sophie) will eine Reportage über einen Serienkiller schreiben. Papa Wendelin steht hilfreich zur Seite.

Rat holt man sich beim Patenonkel Konstantin Karoschek (Prototyp des bayerischen Grantlers: Fred Stillkrauth). Gleichzeitig ermittelt Kommissar Becker (Wayne Carpendale) im Fall eines Jungen, der vor vielen Jahren ermordet wurde, und es kommt die Vermutung auf, dass Serienkiller Gerd Granitzka (Felix Vörtler, mörderisch gut!), auch für diesen Mord verantwortlich ist.

Die Geschichte: keine Revolution, aber professionell erzählt

Wie das alles zusammen passt, und warum unser guter alter Dr. Wendelin Winter für unzurechnungsfähig erklärt und in die geschlossene Anstalt eingewiesen wird, erklärt sich nicht gerade revolutionär, aber professionell und zügig.

Zu groß darf der Schritt vom alten zum neuen Winter-Krimi dann aber doch nicht ausfallen. Wayne Carpendale ist denn auch im neuen Format sicherheitshalber für die leichte Kost zuständig, ein bisschen Spaß muss sein. Er macht das auch anständig und empfiehlt sich so als Dauergast, und auch die kleineren Nebenfiguren sind mehr als nur müde Staffage.

Fazit: Allein für den Mut, eine richtig verstaubte Klamotte auszulüften, gibt es einen Extrapunkt. Aber auch so macht der neue „Mord in bester Gesellschaft“ etwas her.

Donnerstag, ARD, 20.15 Uhr