Mit diesen Tipps gelingen Ihnen bessere Fotos

Der Trick mit der Schärfentiefe: Wer ein wenig mit der Blende experimentiert, kann das Wunschmotiv optisch von seiner Umgebung abheben. Grob gesagt: Je geringer die Schärfentiefe, desto stärker hebt sich das Motiv von der Umgebung ab.
Der Trick mit der Schärfentiefe: Wer ein wenig mit der Blende experimentiert, kann das Wunschmotiv optisch von seiner Umgebung abheben. Grob gesagt: Je geringer die Schärfentiefe, desto stärker hebt sich das Motiv von der Umgebung ab.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Mit ein paar simplen Tricks können auch Anfänger spannende Bilder machen. Experte Hans-Peter Schaub, Fototrainer und Sachbuchautor, verrät wie.

Essen.. Profi-Fotografen fotografieren. Amateure knipsen: Kind vor Baum im Sonnenschein. Kamera raus, Auslöser gedrückt, fertig. Dass später beim Anblick des Bildes niemand vor Begeisterung ausrastet – geschenkt. Aber wenn sogar der „Knipser“ selbst das Foto nur deshalb verwahrt, weil er und das Kind verwandt sind, dann ist das schade. Denn auch ohne viel technisches Know-how kann sich das Knipsen zum passablen Fotografieren entwickeln. Wie das geht, verrät der Fototrainer und Sachbuchautor Hans-Peter Schaub.

Das Motiv richtig auswählen

Ein gutes Foto lebt von seinem interessanten Motiv. Wichtig bei der Auswahl ist vor allem, nicht zu viel ins Bild zu holen, sondern sich auf einen Gegenstand, einen Baum, ein Gebäude, ein Kind zu konzentrieren. „Viele Amateurfotografen wollen einfach alles zeigen“, sagt Schaub, „der Betrachter jedoch erkennt später nur noch Chaos“. In diesem Zusammenhang gilt die einfache Regel: Weniger ist mehr. Außerdem machen Asymmetrien ein Bild interessanter. Der „Goldene Schnitt“ mag vielen zwar ein Begriff sein, für den Anfang genügt aber schon, das Motiv nicht auf der Mitte zu platzieren.

Den Blickwinkel wechseln

Als erwachsener Mensch hat man sich daran gewöhnt, von seinen 1,80 oder 1,65 Metern Höhe auf die Dinge zu blicken. Daher schadet es nicht, diese Perspektive für ein Foto gelegentlich zu verlassen. „Viele sehen etwas, fotografieren es und gehen weiter“, sagt Schaub, „dabei sollte man sich mit dem Motiv auseinandersetzen“. Und das bedeutet auch, mal in die Knie zu gehen, sich womöglich auf den Boden zu legen, einen Gegenstand von oben, von unten, auf Augenhöhe, von der Seite, von vorne oder hinten abzubilden. „Später kann man dann auswählen, welcher Blickwinkel der spannendste ist“, so Schaub. Aus Erfahrung weiß er: „Am besten ist meist nicht der erste Schnappschuss“.

Soziale Medien Ein Motiv in Szene setzen

Die Blume im Pflanzenmeer, der Baum im Wald: Ist das Motiv von vielen gleichartigen, womöglich gleichfarbigen Dingen eingerahmt, kann es dem Betrachter noch so aufregend erscheinen – auf dem Foto jedoch verschmilzt der vermeintliche Blickfang plötzlich mit seiner Umgebung. Wer nur eine kleine Kompaktkamera besitzt, hat hier leider kaum Möglichkeiten, „das Motiv aus seinem Umfeld zu lösen“, wie Hans-Peter Schaub es formuliert. Denn derartige Kameras haben in der Regel eine große Schärfentiefe, „sie stellen im Prinzip fast immer von vorne bis hinten scharf“. Eine Spiegelreflexkamera oder eine Kamera mit Wechselobjektiven bieten da weitaus mehr Spielraum. „Wer die Blende weit öffnet, erzielt eine geringe Schärfentiefe“, sagt Schaub, und auf einmal grenzt sich das Motiv deutlich von den anderen Dingen ab. (Je kleiner die Zahl, desto weiter ist die Blende geöffnet.)

Dafür ist kein großes technisches Verständnis vonnöten, sondern lediglich ein bisschen Experimentierfreude. Hans-Peter Schaub muss es wissen, schließlich hat er sich genau so die Grundlagen der Fotografie erarbeitet: durch Ausprobieren, Vergleichen, und wieder Ausprobieren.

Man muss nicht direkt alle Einstellungen manuell vornehmen, es genügt schon, wenn man mit einer „Zeitautomatik“ arbeitet, also selbst die passende Blende auswählt und von der Kamera die korrekte Verschlusszeit ausrechnen lässt.

Das Licht geschickt nutzen

Die klassische Regel, „mit der Sonne im Rücken und niemals ins Licht zu fotografieren“ gehört nicht zu Schaubs Empfehlungs-Repertoire. „Man sollte es genau andersherum machen“, sagt er. Gegenlicht und seitlich einfallendes Licht erzeuge meist die spannendsten Bilder.

Weitere Möglichkeiten eröffnet eine zusätzliche Lichtquelle – das kann ein Blitzgerät oder zum Beispiel eine Taschenlampe sein. Bei normalem Tageslicht lassen sich damit schöne Akzente setzen, da das Licht ein Motiv ebenfalls betonen kann. „Bei knalligem Sonnenlicht funktioniert das natürlich nicht“.

Wenn es um die ideale Tageszeit geht, favorisiert Schaub ganz klar das weichere Morgen- und Abendlicht. „Was mittags flach und einförmig wirkt, gewinnt durch schräg einfallendes Licht plötzlich an Kontur.“ Mal ganz abgesehen davon, dass ein frühmorgens fotografiertes Bild eine ganz eigene Stimmung transportiert. Um diese Zeit sei man in der Regel allein und bekomme einen anderen Eindruck von den Orten, die man besuche, sagt Schaub. „Da lassen sich selbst von einer banalen Landschaft ‘Wow-Bilder’ machen – ich muss es wissen, ich wohne in Hamm“.

Und auch schäbiges Ruhrgebiets-Regenwetter ist kein Grund, die geplante Fototour zu verschieben – im Gegenteil! Gerade in Waldgebieten kommen die Farben dann besonders schön zur Geltung. Außerdem kann eine dramatische Atmosphäre entstehen, wenn Wolkenberge über den Himmel rasen oder die Sonne doch mal kurz hindurch bricht. Ist der Himmel allerdings weiß wie ein Leichentuch, trägt er auch ein Foto zu Grabe. Bei einzelnen Wolken kann ein kleines Hilfsmittel Wunder wirken: „Ein Grau-Verlaufsfilter betont die Struktur der Wolken“, sagt Schaub. „Er ist immer dann sinnvoll, wenn ein Bildteil viel heller ist als die anderen.“ Auch ohne Filter ist das Motiv noch zu retten: Indem man den Himmel einfach nicht mit aufs Bild nimmt.