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Missbrauch

Missbrauch-Skandal bei den US-Pfadfindern - Anwälte sehen "tausende Fälle"

19.10.2012 | 18:03 Uhr
Missbrauch-Skandal bei den US-Pfadfindern - Anwälte sehen "tausende Fälle"
Die US-Pfadfinder stehen nach Tausenden Missbrauchsfällen in der Kritik.

Washington.  In den USA rollt eine Lawine von Schmerzensgeldforderungenauf die Pfadfinder zu. Laut Opfer-Verteidiger Paul Mones gibt es allein für den Zeitraum 1965 bis 1985 „Tausende Missbrauchsfälle“ bei den „Boy Scouts“. Pädophile wurden jetzt im Internet veröffentlicht

Floyd Slusher ging stets nach dem gleichen Muster vor, wenn er die Pfadfinder-Knickerbocker herunterließ. Erst machte der ehemalige Betreuer Ende der 70er- Jahre in einschlägigen Sommer-Camps seine jugendlichen Opfer mit Alkohol gefügig. Dann missbrauchte er sie und drohte ihnen am Ende mit dem Tod. „Wenn ich verhaftet werde und aus dem Gefängnis komme, sind du und deine Familie dran“, sagte Slusher 1976 einem minderjährigen Schutzbefohlenen, wie in einem Polizei-Protokoll steht, aus dem die „Los Angeles Times“ zitiert.

Slushers Name ist einer von rund 1250, die seit Donnerstag im Internet stehen – gemeinsam mit 20.000 Seiten aus den „Akten der Perversion“. So nannte die mit rund vier Millionen Mitgliedern größte und seit ihrer Gründung 1910 traditionsreichste US-Jugend-Organisation aus dem christlichen Spektrum den über Jahrzehnte geheim gehaltenen Datensatz über Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen.

Nach der per Gerichtsbeschluss erzwungenen Veröffentlichung rollt nun eine Lawine von Schmerzensgeldforderungen auf die Bewegung zu, die mit dem Spruch wirbt: „Jeden Tag eine gute Tat“. Bereits vor zwei Jahren hatte ein Gericht in Portland/Oregon gegen die „Boy Scouts“ ein Strafgeld von 18,5 Millionen Dollar verhängt. Damals hatten sechs ehemalige Pfadfinder geklagt, die als Kinder fortgesetzt missbraucht worden waren.

Auch Eltern hielten still

Laut Opfer-Verteidiger Paul Mones gibt es allein für den durch das Gericht zur Einsicht freigegebenen Zeitraum 1965 bis 1985 „Tausende Missbrauchsfälle“. Im Schnitt behelligten die zum Teil längst Verurteilten, zum Teil noch Verdächtigen, etwa 25 Jungen. Oft über Jahre.

Kindesmissbrauch
Wie Pädophile im Internet Jagd auf Kinder machen

Die Anonymität des Internets lockt Pädophile. Wie sie ihre Sucht nach Sex mit Kindern in Chatsrooms befriedigen wollen, zeigte eindrucksvoll die ZDF-Doku "Gefährliche Freunde. Internetfalle für Kinder". Eltern bekommen von den Aktivitäten bei Facebook oder knuddels.de kaum etwas mit.

Ein Muster taucht in den detaillierten Akten immer wieder auf, in denen sich Abgründe menschlichen Leids auftun: Ein Betreuer, etwa der heute 55 Jahre alte Timur Dykes, wird pädophil auffällig. Damit die Sache keine Wellen schlägt, werden die Eltern des Opfers zum Stillhalten überredet. Die Polizei bleibt außen vor. Die Organisation zieht den Übeltäter aus der Betreuerarbeit ab. Er bleibt aber als freiwilliger Helfer bei den Pfadfindern, manchmal in einer anderen Stadt – und missbraucht weiter Jungen. Im Falle Dykes waren es 17.

Ruf sollte nicht gefährdet werden

Recherchen der „LA Times“ ergaben, dass die Führung der „Boy Scouts“ nachweislich in mindestens 400 Fällen von Strafanzeigen gegen Betreuer absah, „um den Ruf der Organisation nicht zu gefährden“. In weiteren 100 Fällen sollen sexuelle Übergriffe gegen Jungen bewusst verschleiert worden sein.

Ohne das Urteil des Obersten Gerichtshofes wäre das Ausmaß des Missbrauchs laut Anwalt Mones nie ans Tageslicht gekommen. Die im texanischen Irving ansässige Organisation, in der Schwule und Lesben keine Mitglieder werden dürfen, hatte sich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen gewehrt, die „Akten der Perversion“ öffentlich zugänglich zu machen.

Pfadfinder-Chef gibt sich reumütig

Wayne Perry, der Chef der Pfadfinder in Amerika, gab sich reumütig. „Leute bei uns haben ihre Stellung ausgenutzt, um Kinder zu missbrauchen, und in manchen Fällen waren unsere Reaktionen und unsere Schutz-Maßnahmen klar zu dürftig, unangemessen oder einfach nur falsch“, sagte Perry in Fernseh-Interviews und versprach Besserung. Bereits seit zwei Jahren seien alle Pfadfinder-Vertreter angewiesen, schon beim kleinsten Verdachtsfall auf Missbrauch die Polizei einzuschalten. Von Teamleitern wird vorher ein Führungszeugnis verlangt. Bei sämtlichen Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen sollen zudem immer zwei Erwachsene anwesend sein.

Pädophiler
Jimmy Savile - Vom BBC-Star zum Kinderschänder

Hitparaden-Ikone Jimmy Savile soll über 60 Jahre lang Minderjährige am Rande seiner Shows missbraucht haben. Hinweise gab es viele, Konsequenzen nicht. Jetzt muss sich der Sender fragen lassen, warum der wohl übergriffigste Moderator Großbritanniens nie gebremst wurde.

Die Veröffentlichung der pädophilen Pfadfinder im Internet wird nach Einschätzungen von Kinderschutz-Organisationen die Debatte um die „Missbrauchs-Anfälligkeit von Groß-Organisationen“ anheizen. Zuletzt lösten ähnliche Skandale in mehreren Diözesen der Katholischen Kirche und an der berühmten Football-Universität Penn State landesweit Empörung aus. Etliche Gerichtsverfahren sind anhängig. Gemeinsames Merkmal: In fast allen Fällen war die Zahl der Mitwisser beträchtlich, die Bereitschaft zu schweigen immens.

David Clohessy, Direktor eines Netzwerks von Missbrauchsopfern: „Wir müssen uns als Gesellschaft von der Vorstellung verabschieden, dass es Institutionen gibt, die zu hundert Prozent glaubwürdig und makellos sind.“

Dirk Hautkapp



Kommentare
20.10.2012
12:24
Missbrauch-Skandal bei den US-Pfadfindern - Anwälte sehen
von birne111 | #2

Fuer mich ist immer komisch ,das so etwas immer nach 20 Jahren rauskommt .Auch bei der Kirche .Die Anwaelte riechen immer das grosse Geld .Keiner von den Opfern traute sich frueher etwas zusagen.Etwas ist doch faul .

20.10.2012
11:45
Missbrauch-Skandal bei den US-Pfadfindern - Anwälte sehen
von nussknacker | #1

Überall wo Erwachsene mit Kindern zu tun haben (Vereine, Pfadfinder, Kirche) ist die Gefahr vorhanden, dass Pädophile sich hier einschleichen.
Hier müssen andere Erwachsene immer ein offenes Ohr und offene Augen haben, um die Gefahr zu erkennen.

Leider schließen viele Augen und Ohren nur um allem Ärger aus dem Weg zu gehen.
Diese Leute sind die wirklich Schuldigen!

2 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

@Prev.CC
von Jorgel | #1-2

Sie übersehen dabei eine Kleinigkeit. Heteros und Homosexuelle können ihre Sexualität ausleben, sie brauchen sich nur einen oder von mir aus auch mehrere gleichgesinnte Sexualpartner suchen. Pädophile könne das nicht ohne Straftaten zu begehen und unschuldige Kinder für ihr Leben zu schädigen.

Deshalb dürfen Pädophile ihre Sexualität eben grundsätzlich nicht ausleben. Viele tun dies aber trotzdem - und nur davon ist hier die Rede. Diese Leute können zwar nichts für ihre Neigungen, aber für ihre Straftaten und deren Folgen sind sie selbstverständlich verantwortlich. Genau wie jeder andere für seine Straftaten verantortlich ist, aus welchen Gründen auch immer er sie begangen hat.

Das sind die Regeln einer zivilisierten Gesellschaft, die ihre Mitglieder vor Gewalt schützen muß. Insbesondere ihre schwächsten Mitglieder, unmündige Kinder. Mit Hysterie hat das nicht das Geringste zu tun. Dafür das ständig neue Fälle dieser Art ans Licht kommen, können nur die pädophilen Straftäter etwas...

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