"Miss Russland" kritisiert Lagerhaft für Pussy-Riot-Frauen
10.03.2013 | 15:18 Uhr 2013-03-10T15:18:42+0100
Moskau Die neue Miss Russland, Elmira Abdrasakowa (18), hat die Verurteilung von zwei jungen Frauen der Punk-Band Pussy Riot zu je zwei Jahren Straflager als "zu streng" kritisiert. Der Protest der Gruppe in einer Moskauer Kirche vor einem Jahr sei zwar "absolut unannehmbar" gewesen, eine Inhaftierung sei aber der falsche Weg.
Die Kirche sei ihr "heilig", sagte die Tatarin in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Moskauer Radiosenders RSN. Das sogenannte Punk-Gebet der Pussy-Riot-Sängerinnen in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale vom Februar 2012 sei für sie "inakzeptabel". Die Verurteilung von Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina zu zwei Jahren Straflager sei aber "zu hart". Stattdessen hätte erreicht werden müssen, dass die Sängerinnen "ihre Weltsicht ändern".
Das Urteil wegen eines "Punk-Gebets" gegen Kremlchef Wladimir Putin hatte international Empörung ausgelöst. Beobachter kritisieren die Haftstrafen als politisch motiviert.
Die drei Musikerinnen der Punkband Pussy Riot haben Russland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt. "Die Klage wurde nach Straßburg abgeschickt und richtet sich gegen die Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention", sagte eine Anwältin der Gruppe am Donnerstag.
Die Äußerungen der Miss Russland sind ungewöhnlich, weil sie zugleich auf Kritik an Präsident Wladimir Putin hinauslaufen. Das Punk-Gebet der Band Pussy Riot war als bewusste Provokation der orthodoxen Kirche und des Präsidenten angelegt. Es ist selten, dass sich Prominente in Russland trauen, an dem allgegenwärtigen und mächtigen Präsidenten öffentlich etwas auszusetzen. (dpa / AFP)

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