Mira Bartuschek geht als Hausfrau zur Polizei

Bartuschek, Feifel: „Mutter auf Streife“ ist leider ein Schuss in den Ofen.
Bartuschek, Feifel: „Mutter auf Streife“ ist leider ein Schuss in den Ofen.
Foto: ARD Degeto/Marco Orlando Pichler
Was wir bereits wissen
Hausfrau will zur Polizei. Da gab es mal eine Fallhöhe – vor 40 Jahren. Genau deshalb greift die ARD-Komödie „Mutter auf Streife“ in die Mottenkiste.

Frankfurt.. Die ARD-Filmtochter Degeto hat ihr Sortiment an frauenfreundlicher Fernsehware gründlich entstaubt. Es gibt aber zuweilen schlimme Rückschläge. Ein besonders bedrückendes Dokument deutschen TV-Elends ist am Freitag zu beklagen: Wenn Mira Bartuschek als „Mutter auf Streife“ geht, erkundet sie vor allem bisher unbekannte Untiefen öffentlich-rechtlicher Bildschirm-Bespaßung. Was ist da schiefgelaufen?

Hausfrau und Mutti wirkt lieb, aber doof

Eine junge Mutter zweier Kinder will in den Beruf. Das klingt lebensnah. Leider ist das exakte Gegenteil der Fall. Für die ARD-Komödie bemüht Drehbuchautor Norbert Eberlein ein verstaubtes Frauenbild aus dem vorigen Jahrhundert.

Mira Bartuschek mimt eine Zahnarzt-Gattin, die zwar Abitur, aber keine Ausbildung hat. Ihre Begründung dafür klingt wie ein Satz aus der Mottenkiste: „Ich bin mit 18 Mutter geworden. Da war an eine Berufsausbildung nicht mehr zu denken.“ Stattdessen fristet sie ein trostloses Leben als Hausfrau, die von allen Familienmitgliedern, böser Schwiegermutter (Eleonore Weisgerber) inklusive, nur als kostenlose Haushaltshilfe gewürdigt wird: lieb, aber doof.

Unwitzige Emanzipationskomödie

Nachdem das naive Hascherl wider Willen einen Einbrecher zur Strecke brachte und dafür von der Polizei viel Lob erhält, blüht das vertrocknete Mauerblümchen auf. Mehr noch: Die Münchnerin will unbedingt ins Sonderprogramm der Bayerischen Polizei für – wie es heißt – „lebensältere Bewerber“. Genau das will ihre Familie mit Macht verhindern – vorne weg ihr Gatte (Max von Thun).

Fernsehen Doch nicht der familiäre Druck ist in dem Film das Hauptproblem. Vielmehr erweckt die unwitzige Emanzipationskomödie den Eindruck, die sicherlich anspruchsvolle Aufnahmeprüfung sei eine so brutale Denksportaufgabe wie eine Doktorarbeit und der Fitness-Test orientiere sich an „Jugend trainiert für Olympia“. So lebensfern die Voraussetzungen, so lebensfern die Konsequenz, die die Arzt-Frau daraus zieht: Sie engagiert mit einem Ex-Polizeiausbilder (Martin Feifel) einen persönlichen Trainer. Mal ehrlich: Ein bisschen Büffeln und eine Anmeldung im Sportverein hätten es auch getan. Da wird viel Wind um wenig gemacht.

Der hingeschluderte Werbefilm für mehr Frauen bei der Polizei wirkt deplatziert wie das Auto eines gesunden Menschen auf einem Behindertenparkplatz.

Fazit: Wer die Macher dieses Machwerks auf entgangene Lebensfreude verklagt, hat gute Chancen zu gewinnen.

ARD, 20.15 Uhr