Ministeriums-Mitarbeiter klaut Tausende wertvolle Bücher
23.02.2012 | 17:02 Uhr 2012-02-23T17:02:51+0100
Bad Arolsen. Ein Beamter des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst hat Tausende wertvolle Bücher aus deutschen Bibliotheken einfach mit nach Hause genommen. 5000 wissenschaftliche Werke fand die Polizei im Haus des Mannes. Ihr Wert dürfte in die Millionen gehen.
Eine kriminelle Sammelleidenschaft für historische Bücher hat ein Beamter des hessischen Kunstministeriums entwickelt. In seinem Haus in Darmstadt fand die Polizei 5.000 gestohlene wissenschaftliche Werke aus Bibliotheken in ganz Deutschland, wie die Staatsanwaltschaft Kassel am Donnerstag mitteilte. Der Wert der Bücher dürfte nach ersten Schätzungen im Millionenbereich liegen. Der mutmaßliche Dieb äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Er wurde vom Dienst suspendiert.
Die Polizei kam dem 45-Jährigen auf die Schliche, weil nach seinen Besuchen der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek im nordhessischen Bad Arolsen Bücher fehlten. Der Besitzer der Bibliothek, Wittekind zu Waldeck und Pyrmont, berichtete, der Mann habe das Vertrauen der Mitarbeiter genossen und gesagt, er habe privat forschen wollen. Deshalb habe er sich dort ungestört bewegen und Bücher entnehmen dürfen. Im November sei dann festgestellt worden, dass Werke fehlten. Als kurze Zeit später wieder der Bestand überprüft worden sei, hätten erneut Bücher gefehlt. Zwischen beiden Inventuren habe nur der Ministeriumsmitarbeiter die Bibliothek besucht. Daraufhin sei die Polizei informiert worden.
Diebstahl wurde per Videokamera gefilmt
Vor dem jüngsten angekündigten Besuch des Mannes am Dienstag seien dann Videokameras aufgebaut worden, die den Diebstahl aufgezeichnet hätten, sagte zu Waldeck und Pyrmont weiter. Als Polizisten ihn nach dem Bibliotheksbesuch festnahmen, hatte der Ministeriumsmitarbeiter laut Staatsanwaltschaft 53 Bücher in Taschen und seiner Kleidung versteckt. Er stahl Werke aus den Fachgebieten Mineralogie, Geophysik und Naturlehre, die jeweils bis zu 7.000 Euro wert sind.
Die Polizei hatte gehofft, bei einer gleichzeitigen Durchsuchung des Hauses des Verdächtigen 31 weitere in Bad Arolsen gestohlene Bücher zu entdeckten. Dabei stießen die Ermittler auf mindestens 5.000 Bände. Der Mann wurde am Mittwoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Alle Bücher seien inzwischen an einen sicheren Ort gebracht worden, hieß es. Die bestohlenen Bibliotheken sollen benachrichtigt werden.
Das Kunstministerium suspendierte den Mann vorläufig vom Dienst. Das sei üblich bei Ermittlungen gegen Mitarbeiter, sagte der Sprecher Ulrich Adolphs. Er wollte mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen, welchen Posten der Mann im Ministerium innehat.
Diebstähle aus Bibliotheken sind schwer zu verfolgen
Die Verfolgung von Buchdieben ist nach Angaben des Deutschen Bibliotheksverbands schwer. "Wenn Bücher gestohlen werden, können wir es in der Regel nicht nachvollziehen", sagte die Vorsitzende Monika Ziller. Jede Sicherheitstechnik in den Bibliotheken habe Lücken. "Eine gewisse Diebstahlquote gibt es überall", sagte sie. Zudem könne auch erst Anzeige erstattet werden, wenn das Fehlen eines Werks bemerkt werde. Da der Bestand nicht täglich kontrolliert werde, sei das gar nicht so einfach. Genaue Zahlen dazu, wie viele Bücher aus deutschen Bibliotheken gestohlen werden, gibt es Zillers Angaben zufolge nicht.
Die Motive der Täter seien zudem sehr unterschiedlich. Bei manchen sei es Bequemlichkeit, andere wollten ein nicht mehr im Handel erhältliches Buch besitzen, sagte die Vorsitzende.
Erst vor wenigen Jahren hatte die Verurteilung eines früheren Hausmeisters der Universitätsbibliothek Erlangen Schlagzeilen gemacht. Der Mann hatte über 20 Jahre hinweg Bücher im Wert von mehr als 400.000 Euro gestohlen und weiterverkauft. Er wurde 2008 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (dapd)
18:14
o-ton ziller. jeder tante emma laden hat seine cola elektronisch gesichert.und bei büchern soll das nicht gehen??wie krank ist das denn??
18:11
und für seine rundreisen noch ordentlich kilometer abgerechnet.