Mers-Epidemie bedroht Südkorea - 20 Tote und 162 Infizierte

Mers-Epidemie in Südkorea: ein Desínfektions-Team in einem Kulturzentrum in Seoul.
Mers-Epidemie in Südkorea: ein Desínfektions-Team in einem Kulturzentrum in Seoul.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Seit vier Wochen verbreitet sich die Virus-Infektion Mers in Südkorea. 20 Menschen starben, 162 haben sich angesteckt, 6500 Koreaner sind in Quarantäne.

Seoul.. Eun Young Lee hält in Südkoreas Hauptstadt Seoul an ihrem Alltag fest, obwohl sie das Risiko kennt. „Es schwebt dieses Gespenst unter uns“, sagt die 43-jährige Frau und drängt sich auf dem Weg zu Arbeit in die U-Bahn der Hauptstadt. Sie setzt ebenso wie Millionen Landsleute auf ein Symbol medizinischen Aberglaubens als Verteidigung gegen den unsichtbaren Unhold: Eun Young Lee schützt sich mit einem – wie Mediziner wissen – nutzlosen Mundschutz aus Papier gegen die Viren-Epidemie „Middle Eastern Respiratory Syndrom“ (Mers), die seit Ende Mai 20 Menschen tötete, 162 ansteckte und 6500 Koreaner in Quarantäne zwang.

Nur in Saudi-Arabien wütete die Krankheit, die laut der Weltgesundheitsorganisation WHO in 38 Prozent aller Fälle tödlich verläuft, bislang schlimmer als auf der ostasiatischen Halbinsel. Mehr als 450 der rund 1000 Menschen, die sich seit 2012 mit der ursprünglich von Kamelen stammenden Krankheit ansteckten, starben an den Folgen. Schon der Aufenthalt im gleichen Raum mit einem Patienten kann anstecken.

Noch kein Impfstoff gegen den Virus

Die Krankheit beginnt mit Husten und Fieber und führt zu Lungenentzündung und Nierenversagen. Doch weder das unermesslich wohlhabende Saudi-Arabien noch die großen Pharmakonzerne bemühten sich bislang um die Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Virus, der mit dem 2002 und 2003 in Asien grassierenden Sars verwandt ist.

Mers In Südkorea entpuppten sich zwei der renommiertesten Krankenhäuser des Landes als Brutstätten von Mers. Im Samsung Medical Center in Seoul wurden nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums möglicherweise 4000 Südkoreaner dem Virus ausgesetzt. Die Hälfte aller mehr als 160 infizierten Patienten holten sich Mers in diesem angesehenen Krankenhaus. Es wurde am vergangenen Wochenende für den Publikumsverkehr geschlossen.

Ein Patient steckte 37 Menschen an

Im Samsung Medical Center war Ende Mai ein 68-jähriger Patient mit der Krankheit diagnostiziert worden, der zuvor Saudi-Arabien besucht hatte und anschließend mit Husten und Fieber durch mehrere Hospitäler Südkoreas gewandert war. Alleine im St. Mary’s Krankenhaus der Stadt Pyoengtaek rund 50 Kilometer außerhalb von Seoul steckte er 37 Landsleute an.

Südkoreaner glauben, dass die besten Ärzte des Landes in den größten Kliniken Südkoreas zu finden sind. In den Krankenzimmern werden sie häufig von Freunden und Verwandten versorgt – eine Tradition, die sich im Fall einer Epidemie verhängnisvoll auswirken kann. Aber Se Woong Koo von Korea Expose gibt der Regierung von Präsidentin Park Geun-hye einen Teil der Verantwortung: „Die erste Reaktion auf Mers war unbeholfen. Selbst als die Behörden nach 18 Tagen am 7. Juni endlich eine Liste der 24 Krankenhäuser mit Mers-Fällen veröffentlichten, gab es viele Fehler.“

110.000 Touristen stornierten ihre Südkorea-Reise

Kritiker beschuldigen Seouls Regierung, die Hospitäler vor ökonomischen Nachteilen schützen wollte. Mindestens 110 000 Gruppen-Touristen haben seit dem Mers-Besuch ihre Südkorea-Visite storniert.

Virus Prompt öffneten am Montag 2000 Schulen wieder ihre Tore. Lehrer mit Fieberthermometern untersuchten jeden Ankömmling und schickten Kinder mit erhöhter Temperatur wieder nach Hause. Aber nach einem Hoffnungsschimmer am Wochenanfang, dass das schlimmste überstanden sei und die Zahl der Neuansteckungen sinke, verdunkelte sich der Horizont am Mittwoch erneut.

Es gab einen weiteren Todesfall und 16 Neuansteckungen. Erstmals stammen sie nicht aus Krankenhäusern, sondern aus verschiedenen Städten Südkoreas – und von Patienten, die während der letzten Tage mit Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Landsleuten zusammengekommen sind.