"Mei, is dös a Schmarrn" - ZDF zeigt Bergfilm "Lena Lorenz"

Patricia Aulitzky spielt Lena Lorenz.
Patricia Aulitzky spielt Lena Lorenz.
Foto: Thomas R. Schumann/ZDF
Was wir bereits wissen
"Heidi" trifft Hebamme, und das böse Berlin kriegt gegen das urige Bayern keine Schnitte. Und obendrein gibt’s Bauern-Theater. Himmel, hilf!

München.. Wie weiland Heidi hüpft die Lena über die saftigen Wiesen, ein zauberhaftes Lächeln im Gesicht, ein Blümelein in der Hand, die Sonne im Herzen. Und auch wenn das nur ein Traum ist, aus dem das schöne Madl gleich im lärmigen Berlin erwachen wird.

ZDF-Schmonzette Die bayerischen Fremdenverkehrsexperten werden bei der neuen Heimatreihe "Lena Lorenz" Freudentränen vergießen. Denn die serviert in 90 Minuten ein Postkartenidyll nach dem anderen, untermalt von gut verträglicher Abführmittelwerbungsmusik, und die Handlung erweist sich bei der Präsentation der hübschen Bilder von Dorf, Wald und Alm auch nicht als lästiger Störfaktor. Urlaub schon gebucht?

"Tatort"-Kommissarin Eva Mattes als Mutter

Mit der netten Lena (Patricia Aulitzky) schickt das Zweite eine Pfundshebamme ins Quotenrennen, die notfalls auch mal einem Kalb auf dem heimischen Hof ins Leben hilft, die sämtliche Seppl im Wirtshaus unter den Tisch säuft und die Probleme aller Menschen löst, die ihr begegnen. Wirklich goldig, das alles.

Mit dem Freund, einem hypergestressten Anwalt (Marc Ben Puch) läuft’s gerade nicht so rund, die Handtasche wird ihr geklaut, und schon wieder ist Stau in diesem schrecklichen Berlin, also flüchtet die Lena in ihr putziges Himmelsruh in Bayern.

Interview Die Mutter (Eva Mattes) ist maulig, der Opa (Fred Stillkrauth) tüdelig, die alte Freundin (Liane Forestieri) sauer (warum, wird in irgendeiner Folge sicher erklärt), der türkische (!) Dorflehrer Ersun (Bülent Sharif) gleich verknallt in die hübsche Rückkehrerin.

Und dann ist da noch -- Achtung, Geschichte! – das schwangere Mädchen ohne Freund vom Bauernhof nebenan und der brummige Vater (Michael Fitz), der nichts mehr von der Tochter wissen will, weil’s natürlich eine furchtbare Schande ist.

Aber die Lena hilft nicht nur bei der Notgeburt in der Dorfschenke, sondern verwandelt den Muffel mit ein paar saftigen Ansprachen in einen liebevollen Opi und den Teenager in eine verantwortungsvolle Mutti. Ach, die Welt ist schön in Bayern.

Bauerntheater ist nicht einmal unfreiwillig komisch

Mathias Klaschka (Buch und Idee) und Michael Kreindl (Regie) verzichten zwar auf Jodler, Lederhosen und den Förster vom Silberwald; was immer aber sie hier mit erbarmungswürdiger Einfallslosigkeit servieren, ertrinkt in einer unverdaubaren Harmoniesoße. So etwas wird nur noch für die wöchentlich erscheinenden Schmalzheftchen im Supermarktregal dichterisch zusammengestümpert.

Dazu passt das darstellerische Laienspiel: Mit Mattes und Fitz haben sich zwar auch Profis hierhin verirrt. Aber was da sonst an Bauerntheater aufgeführt wird, ist nicht einmal unfreiwillig komisch.

Fazit: Zwei Teile sind zwei zuviel. Aber dem ZDF steht der Sinn bestimmt schon nach Serie.

"Lena Lorenz", Donnerstag, 9. April, 20.15 Uhr, ZDF