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Casting-Shows

Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“

07.11.2012 | 16:00 Uhr
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
Die DSDS-Jury: (v.li.) Dieter Bohlen, Bill Kaulitz, Tom Kaulitz und MateoFoto: (c) RTL / Andreas Friese

Frankfurt/Main.   Ex-Grimme-Chef Bernd Gäbler macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. In einer Studie für die Otto-Brenner-Stiftung bezeichnet der Medienforscher Bohlen, Klum und Katzenberger als „hohle Idole“.

Castingshows vermitteln den vorwiegend jungen Zuschauern fragwürdige Werte. Medienforscher Bernd Gäbler bezeichnet die Juroren in einer Studie für die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung als „hohle Idole“ (Titel). Eine Szene aus der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) irritierte Gäbler besonders.

„Knie nieder!“ Das befahl DSDS-Oberjuror Dieter Bohlen (58) einer 16-jährigen Kandidatin in einer Ausgabe der televisionären Talentsuche von RTL. Sie wollte unbedingt weiterkommen, und der selbst ernannte Show-Titan führte seine Macht vor, indem er das Mädchen öffentlich demütigte.

Bohlen und Klum vermitteln ein autoritäres Weltbild

Auch Bohlens weibliches Gegenstück Heidi Klum quäle die jungen Frauen, die „Germany’s Next Topmodel“ werden wollen. Mal müssen sie sich einen Tintenfisch auf den Kopf setzen, mal müssen sie sich mit Salatsoße übergießen.

Gäbler schloss aus derlei Szenen, dass Casting à la Klum und Bohlen ein autoritäres Weltbild vermittele. Entscheidungen seien willkürlich. Die Shows vermitteln laut Gäbler vor allem Anpassung und Gehorsam.

Gäbler glaubt, dass die Werte des TV-Castings „tief in den Alltag besonders von Jugendlichen wirken“. Der Reiz der Sendungen bestehe darin, dass sie mit ihrem scheinbaren Erfolgsversprechen „zielgenau auf die soziale Unsicherheit jugendlicher Zuschauer“ treffen.

Konkret wirft Gäbler dem Jahrmarkt-Vergnügen von RTL und ProSieben vor, den Kandidaten Ohnmachtsgefühle zu vermitteln. Die Kandidaten „tragen vor, sie liefern sich aus, sie sind immer nur Objekte der Beurteilung“.

Daniela Katzenberger und das Prinzip 'doof aber berühmt'

ProSiebens Model-Sause hält Gäbler für frauenfeindlich. Dabei stößt er sich vor allem am sogenannten Body-Painting: „Es erlaubt, die jungen weiblichen Körper nackt zu zeigen, aber doch so zu tun, als seien sie bedeckt.“

Überdies kritisiert Gäbler die Inszenierung von Casting-Shows: „Es ist Fernsehen, das erst die Wirklichkeit ersinnt, über die es hinterher ,dokumentarisch’ berichtet.“

Als Ergänzung der vorgeblichen Talentsuche für die Musik- und Modebranche sieht Gäbler die Vox-Pseudodoku „Natürlich blond“ mit Daniela Katzenberger . Sie vermittele die Botschaft, „dass man nichts können muss, um durch das Fernsehen berühmt zu werden“.

Unterm Strich propagiere Unterhaltungsfernsehen à la Bohlen , Klum und Katzenberger einen unheimlichen Lehrplan: „Was zählt sind Äußerlichkeiten. Selbstvermarktung und Design treten an die Stelle von Substanz, Kompetenz und Qualifikation.“

Jürgen Overkott



Kommentare
08.11.2012
12:34
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von Mr.Observer | #33

Gesendet wird, was Einschaltquote und damit Werbeeinnahmen bringt. NUR das zählt. Wir haben es also selbst in der Hand, was gesendet wird... Mein Mitleid für Kandidaten, die sich aus Profilierungssucht demütigen lassen, hält sich auch sehr in Grenzen.

08.11.2012
12:32
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von red-fly | #32

Um das zu erkennen, genügt der Hauptschulabschluss. Das dafür ein "Experte" eingeschalten wird, macht nur noch mehr den Untergang der Gesellschaft deutlich.

08.11.2012
12:09
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von B.Schmitz | #31

Die Verdummung der Menschen nimmt Überhand. Allerdings gibt es schließlich genug Bekloppte die sich zum Affen machen. Wahrscheinlich haben die es nötig.

08.11.2012
11:20
„Hohle Idole“ gibt´s mehr als genug...
von nixxiss | #30

@28
Mir war und ist es schon immer bewusst. Wer RTbLoed & Co einschaltet, weiss was ihn erwartet: Mehrheitlich Werbung und Doofreklame der Fa. "NEU" & Company. Verdummung ist gewollt.Schon deswegen um um uralte Produkte, die es immer in gleicher Form gegeben hat, als neu anzupreisen. NEU! Das hohle Werbeschlagwort!

Und im übrigen gehört der Westen auch noch zu Ihrer Auflistung dazu. Mit "oben ohne" Fotos wird hier für Hefi´s uralten "Playboy" Reklame gemacht.

08.11.2012
11:09
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von virt77 | #29

Schreibt die Waz jetzt schon (Wochen später) von anderen Medien ab ?

http://www.welt.de/fernsehen/article110138854/Bohlen-Klum-und-Katzenberger-sind-hohle-Idole.html

2 Antworten
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von Marcy1979 | #29-1

Klasse, dass selbst fürs "Abschreiben" die WAZ 16 Tage braucht ^^

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Name von Moderation entfernt | #29-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.11.2012
10:26
Der “geformte“ Konsument.
von siddartha | #28

Merkelfreundin Liz Mohn kann mit ihrem Medienkonzern Bertelsmann (RTL, RTL2, RTL-SUPER, VOX, N-TV, G+J, STERN, SPIEGEL, FTD, MANAGERMAGAZIN und viele andere) jede beliebige Person “berühmt“ machen. Ob Katzenberger, Bohlen, Dschungelcamp, Bauer sucht Frau, Glööckler, Günther Jauch, Sarrazin, Christian Rach, Bülent Ceylan, Atze Schröder, Mario Barth oder Cindy von Marzahn. Alles Bertelsmannprodukte. Der Konzern macht diese Leute bekannt, bewertet sie in seinen Nachrichten und Zeitschriften und verkauft als einer der größten Buch und Musikverlage deren Produkte. Wenn zum Beispiel in den RTL Nachrichten oder im STERN über neue Musiker, Comedians, Filme oder sonstige Trends berichtet wird, sind das in der Regel solche, welche auch vom gleichen Unternehmen auf dem Markt verlegt und verkauft werden. Vielen Konsumenten ist das gar nicht bewußt.

1 Antwort
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von Erpunktkapunkt | #28-1

Vielen der Konsumenten ist auch nicht bewusst, dass sie zwar gegen die Gebuehren der oeffentlich-rechtlichen wettern, aber fuer die Konsumartikel der in Ihrem Kommentar erwaehnten Firmen, ungleich groeßere Summen ausgeben und damit meine ich nicht die lebensnotwendigen Produkte.
(bitte den Bergriff Gebuehren nicht mit den Methoden der GEZ verwechseln)

08.11.2012
10:17
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von tom009 | #27

ich frage mich die ganze zeit ob es bei den privaten jemals einen zum nachdenken anregenden film gegeben hat.

dort gibt es doch fast nur mord und totschlag wo nach 5 minuten praktisch der film gelaufen ist.

es gab vor jahren bei trl mal ein wunderbares reisejournal u.a.mit susanne kronzucker.
ansonsten kommt doch da nur noch müll.

und was mich an diesen privaten am meisten nervt ist das diese aus einem 90 minuten film fast 3 stunden machen.weil ja alle 20 minuten werbung kommt.

deshalb schaue ich praktisch seit gut 5 jahren keine privaten mehr.

und sollten bei den privaten mal anspruchsvolle filme kommen werden diese so spät sesendet das kein normaler arbeitnehmer diese schauen kann.

und zu bohlen...

wie kann man diesen herrn überhaupt ernst nehmen.

08.11.2012
10:10
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von DerMerkerNRW | #26

Danke für diese epochale Erkenntnis!
Aber dieses Wort Hohl, trifft doch mittlerweile auf einen erheblichen Prozentsatz der Deutschen Bevölkerung zu! Es wird einem ja auch von der politischen Seite, speziell nach 16 Jahre Kohl vor gelebt! Das einzige was Westerwelle in seiner mehrjährigen politischen Anwesenheit richtig erkannt hat ist, das wir in eine Hohle Dekadenz abdriften!

Und somit

Armes Deutschland

08.11.2012
10:09
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idioten“
von creck | #25

Für diese tiefgreifende Erkenntnis betrachte ich mich ab sofort als Medienforscher.
Wo bitte kann ich mir mein Geld dafür abholen?

08.11.2012
10:07
Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von lapadulle | #24

Was ich diesen "Idolen", speziell aber Bohlen wirklich übel nehme ist, dass er Mobbing und Bullying gesellschaftsfähig gemacht hat. Gemobbt wurde schon immer, aber nie durch so prominente Vorbilder wie seit DSDS.
DIese Sendung spricht hauptsächlich die unter 20jähigen an, und genau diese Zielgruppe nimmt begeistert auf, wie man Außenseiter am wirkungsvollsten demütigt. Ich bin mir nicht sicher, ob Bohlen auch nur ansatzweise ahnt, wie verheerend sich seine Bösartigkeit (die er für witzig hält) in deutschen Klassenzimmern ausgewirkt hat.
Wer weiss...vielleicht hätte der ein oder andere Amoklauf, der ein oder andere Selbstmord vermieden werden können, wenn nicht in einer Unterhaltungsshow immer wieder gerne vorgemacht wurde, wie man junge Menschen vorführt, quält, der dauerhaften Lächerlichkeit preisgibt.
Natürlich sollte jeder wissen, auf was er sich einlässt bei DSDS. Aber es könnte ja sein, dass vielen Jugendlichen (und/ oder schlichteren Gemütern) dieser Weitblick noch fehlt.

2 Antworten
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Name von Moderation entfernt | #24-1

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Medienforscher hält Bohlen & Co. für „hohle Idole“
von Erpunktkapunkt | #24-2

Ein sehr guter Kommentar. Dem kann man nichts entgegensetzen.
Ich denke ebenfalls, dass Dieter Bohlen Blut an den Haenden hat.

Es ist richtig, dass schon immer gemobbt wurde, aber das wie und (wie Sie schon so treffend schrieben) durch wenn, hat sich stark geaendert. Klar hat man den Kandidaten schon immer ganz gerne einen mitgegeben. Auch in den alten Unterhaltunsshows mit Juergen von der Lippe (Geld oder Liebe) u.ä. zielten einige der Spiele ja darauf ab sich zum Horst zu machen. Dies geschah jedoch in einer eher liebenswerten Art und Weise, der Zuschauer hat zwar gelacht, war sich aber gleichzeitig bewusst, dass er u.U. genauso scheitern wuerde. Heute sitzen die Leute mit dem Gefuehl vor dem TV, dass sie selbst etwas besseres sind, als die, die da vor der Kamera klaeglich scheitern.
Das Mobbing und vorfuehren in den heutigen Shows ist zudem sehr viel boesartiger geworden.

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