"Mayday, Mayday!" - Entsetzen nach Absturz mitten in Taipeh

Nur ein kleiner Teil des Flugzeuges schaute aus dem Wasser, als die Retter eintrafen. Viele Menschen waren noch eingeschlossen.
Nur ein kleiner Teil des Flugzeuges schaute aus dem Wasser, als die Retter eintrafen. Viele Menschen waren noch eingeschlossen.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Katastrophe in einer Millionenmetropole: Ein Passagierflugzeug ist mitten über einem Wohngebiet in Taiwans Hauptstadt außer Kontrolle geraten.

Taipeh.. Das Video zeigt Szenen wie aus einem Katastrophenfilm. Am Himmel taucht hinter Hochhäusern urplötzlich ein zweimotoriges Passagierflugzeug auf, rauscht auf eine Brücke zu, stellt seine Flügel senkrecht, streift ein Taxi und schlägt mit einer Tragfläche auf der Fahrbahn auf. Danach stürzt der Flieger in einen Fluss - all das wird von Autofahrern gefilmt - mitten in einem Wohngebiet von Taiwans Millionenmetropole Taipeh.

Das Turboprop-Flugzeug vom Typ ATR 72 war um 10.52 Uhr Ortszeit vom Flughafen im Herzen der taiwanesischen Hauptstadt abgehoben. Doch kurz danach funkt der Pilot von Flug GE235: "Mayday, Mayday, Mayday", wie aus Aufnahmen der Luftfahrtbehörde CAA hervorgeht. Die Maschine mit 58 Menschen an Bord fliegt zu der Zeit bereits dicht über der Innenstadt.

Überlebende klammern sich an Wrackteile

Als die ersten Retter an der Unfallstelle ankommen, schwimmen Menschen im Wasser. Manche klammern sich an Wrackteile, andere werden von der Strömung mitgezogen, wie Fernsehaufnahmen zeigen. Nur ein kleiner Teil des Flugzeuges schaut aus dem Wasser. Viele Menschen könnten noch eingeschlossen sein. Aber der Aufprall hat die Maschine so stark beschädigt, dass die Retter nur langsam vorankommen, wie der Chef der Feuerwehr von Taipeh, Wu Chun-hung, erklärt. Manche Menschen können die Retter lebend bergen, aber sie ziehen etliche Leichen aus dem Wrack.

Mit Wucht sei das Flugzeug auf dem Wasser aufgeschlagen, betont Wu Chun-hung bei einer Pressekonferenz. Die Maschine habe sich dann tief in das Flussbett gebohrt. Deshalb lasse sich das Wrack nur schwer heben. Rund 1000 Feuerwehrleute und etwa 400 Soldaten beteiligten sich an der Bergungsaktion, wie die taiwanesische Nachrichtenagentur CNA berichtete.

Unglück Bis zum Mittwochabend Ortszeit gelang es Rettungskräften, mit einem Kran einige Wrackteile aus dem Fluss zu ziehen. Es war trotzdem unklar, wie viele Menschen möglicherweise noch in Wrackteilen im Wasser eingeschlossen waren oder von der Strömung abgetrieben wurden. Von Schlauchbooten aus versuchten Rettungskräfte, Überlebende aus den Trümmern im Wasser zu ziehen. Einige der 53 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder konnten verletzt gerettet werden. Die Ursache für den Absturz lag zunächst völlig im Dunkeln.

Ermittler stehen unter gewaltigem Druck

Die Auswertung der Daten aus der inzwischen geborgenen Blackbox des Flugzeuges soll Aufschluss über die Hintergründe geben. Ermittler der Luftfahrtbehörde haben die Arbeit aufgenommen. Sie stehen unter gewaltigem Druck, schnell zu klären, was für das Unglück verantwortlich war. Vor sieben Monaten war ein Flugzeug des gleichen Modells bei schlechtem Wetter auf der Insel Penghu in ein Wohngebiet gestürzt und fast alle Insassen gestorben. "Die CAA wird weitere Untersuchungen zur Unglücksursache aufnehmen und dann entscheiden, ob alle Flugzeuge des Typs ATR 72-600 vorläufig nicht mehr starten dürfen", sagte der Chef der Luftfahrtbehörde, Lin Tyh-ming.

Die ATR ist ein vielfach bewährtes, zweimotoriges Turboprop-Flugzeug des französisch-italienischen Herstellerkonsortiums Avions de Transport Régional (ATR), das weltweit auf Regionalstrecken im Einsatz ist. Anders als Langstreckenflugzeuge müssen diese Maschinen jedoch unter allen Wetterbedingungen eine Vielzahl von Starts- und Landungen absolvieren. Da alle Maschinen bei diesen Flugphasen am anfälligsten für Störungen aller Art sind, kommen sie in Sicherheitsbilanzen oft schlechter weg als etwa die großen Jets. Aber diese Maschinen gelten allgemein als sicher. (dpa)