Das aktuelle Wetter NRW 11°C
USA

Matt Damon kämpft für die Umwelt und gegen das Fracking

01.01.2013 | 17:51 Uhr
Rosemarie DeWitt und Matt Damon in Gus Van Sant's "Promised Land," der wider Erwarten Sympathien mit Fracking-Gegnern hegen soll.Foto: AP

Washington.   Hollywoodstar Matt Damon setzt sich in seinem neuen Film gegen das „Fracking“ ein. Der Film „soll eine Diskussion anstoßen über den Unterschied zwischen Langzeitfolgen und kurzfristigen Wirkungen“, sagt Damon. Im Februar stellt er ihn auf der Berlinale vor.

Spätestens seit der „Bourne“-Trilogie zählt Matt Damon zu Hollywoods bestbezahlten Akteuren. Aber für den 42-Jährigen, den man in einer Reihe kluger, politischer Filmdramen wie „Syriana“, „The Good Shepherd“ oder „Invictus“ erlebte, sind Actionfilme eher untypisch.

In „Promised Land“ nimmt sich der 42-Jährige des derzeit heißesten Eisens in der bis nach Europa wirkenden energiepolitischen Debatte an: Frac­king. Eine Methode, bei der ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst wird, um Erdöl oder Erdgas aus dem porösen Gestein zu gewinnen.

Damit es so weit kommen kann, braucht es Leute wie Steve Butler; gespielt von Matt Damon. Der Handelsvertreter der Firma „Global Crosspower Solutions“ luchst armen Farmern gegen Millionen-Honorare die Bohr-Rechte auf ihren Äckern ab. Alles läuft bestens, bis ein Lehrer und ein Umweltschützer die Tupper-Party stören und den Bauern mit Fragen nach den Kollateralschäden der Fördertechnik die Dollarzeichen aus dem Kopf reden: krebserregende Chemikalien, Grundwasserverseuchung, explosives Methangas, kleinere Erdbeben.

Hintergrund
Chancen und Risiken des Frackings

Die Befürworter der umstrittenen Gasfördermethode Fracking sehen auch in Deutschland erhebliches wirtschaftliches Potenzial für das sogenannte unkonventionelle Erdgas. Die Gegner befürchten Grundwasserschäden. In den USA boomt Fracking und führt zu einer Erdgasrenaissance, die sogar den Ölpreis...

Gouverneur hat ein Moratorium verhängt

Steve Butler weiß darauf keine überzeugenden Antworten. Und befindet sich damit in bester Gesellschaft mit Entscheidern in der echten Fracking-Welt, die nach dem 2011 für den Oscar nominierten Dokumentar-Film „Gasland“ hellhörig geworden sind.

Im Bundesstaat New York hat Gouverneur Andrew Cuomo über alle Bemühungen der Industrie, bald wie andernorts die Bohrer ins Erdreich zu treiben, ein Moratorium verhängt und eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben, wie es Jürgen Trittin nicht besser hätte machen können.

Innehalten. Nachdenken

Versteht man Matt Damon richtig, dann ist dies das Ansinnen des Filmes: Innehalten. Nachdenken. Sich nicht geräuschlos dem Fracking-Goldrausch hingeben, der in weiten Teilen Amerikas herrscht. „Es soll eine Diskussion angestoßen werden über den Unterschied zwischen Langzeitfolgen und kurzfristigen Wirkungen“, sagt Damon.

Hintergrund
Fracking löste in den USA eine stille Energierevolution aus

Das Thema Fracking erhitzt die Gemüter. Im Gastkommentar zeigt US-Botschafter Philip Murphy, wie Fracking in den USA betrachtet wird.

Der Fracking-Lobby, die von Präsident Obama mehr oder weniger einen Freibrief zur Ausschöpfung der riesigen Vorkommen erhalten hat, geht das zu weit. Michael Knapp, Landbesitzer und Befürworter des Frackings in Armstrong County/Pennsylvania, wo ein Großteil der Dreharbeiten stattfand, fühlt sich von Matt Damon, der wie schon beim seinem Meisterwerk „Good Will Hunting“ erneut mit Regisseur Gus van Zant zusammengearbeitet hat, schlicht hintergangen. „Man sagte uns, ,Promised Land‘ werde das Fracking nicht in ein schlechtes Licht rücken. Das war eine glatte Lüge.“

Mehr Sympathie mit den Gegnern des Frackings

Film-Kritiker wie Umweltschützer stellen fest, dass der just in den US-Kinos gestartete Film viel mehr Sympathie mit den Gegnern des Frackings hegt als mit den Befürwortern. Was daran liegen könnte, dass Damon das Thema Wasser besonders wichtig ist. Als Mitbegründer der Initiative water.org setzt sich der Vater von vier Mädchen seit langem für den weltweiten Schutz sauberen Trinkwassers ein.

Bohrtechnik "Fracking"

Umweltschutzverbände attestieren „Promised Land“ das Zeug zum „Augenöffner“. Städte und Gemeinden, die ins Visier der Fracking-Lobby kommen, haben der Finanzmacht der Industrie kaum etwas entgegen zu setzen, sagte eine Sprecherin. „Matt Damon zeigt, dass manchmal Widerstand im Kleinen funktioniert.“

Bei der Berlinale Anfang Februar läuft „Promised Land“

Bevor Minister Peter Altmaier und die parlamentarischen Umwelt-Ausschüsse aus Bund und Ländern Dienstreisen nach Pennsylvania, Ohio oder in andere Fracking-Hochburgen planen, um sich für die Debatte in Deutschland zu munitionieren: Bei der Berlinale Anfang Februar läuft „Promised Land“. Matt Damon steht vor Ort für bohrende Nachfragen parat.

Dirk Hautkapp



Kommentare
02.01.2013
12:36
Matt Damon kämpft für die Umwelt und gegen das Fracking
von schRuessler | #1

Na, das kann aber nicht sein.

In den USA sind doch alle ganz begeistert von dioesem Fracking. Eine richtige Aufbruchstimmung ist da entstanden. Und die Erdölförderung wird alle finanziellen Probleme der USA lösen.

Wo ich das herhabe?

Na, hier von derwesten.de, wo vor ein paar Wochen ein Lobbyist ungehindert seine Propaganda heraushauen durfte.

Aus dem Ressort
Mehrere Tote nach Absturz auf Flughafengebäude in Kansas
Unglück
Die Bilder lassen das Schlimmste befürchten. Dicke, schwarze Rauchschwaden quellen nach einem Flugzeugabsturz aus einem Airport-Gebäude im US-Bundesstaat Kansas. Vier Menschen sterben - aber viele können sich offenbar in Sicherheit bringen.
Die Kriminalgeschichte des Uli Hoeneß auf 50 Seiten
Steuerhinterziehung
Auf 50 Seiten dröselt das Landgericht München II den Fall des Steuerhinterziehers Uli Hoeneß nun auch öffentlich auf. Ein brisantes Detail ist der Wortlaut der Selbstanzeige des früheren Bayern-Präsidenten. Sie brachte die Ermittlungen erst ins Rollen.
Betrunken vor Baum gefahren - 17.100 Euro Strafe für Asamoah
Asamoah-Prozess
Der frühere Nationalspieler Gerald Asamoah ist im März betrunken und zu schnell gegen einen Baum gefahren. 16 Monate sollte er den Führerschein verlieren und über 40.000 Euro zahlen. Zu viel, befand der Fußballer. Er legte Widerspruch ein und konnte innerhalb einer halben Stunde viel Geld sparen.
Zum Novemberstart kehrt der Spätsommer zurück - 20 Grad
Wetter
Schon im Oktober war es überdurchschnittlich warm. Am ersten Novemberwochenende sollen die Temperaturen noch einmal rund 20 Grad erreichen. Im Verlauf der kommenden Woche werden sie dann langsam wieder sinken. Einen plötzlichen Kälteeinbruch erwarten Meteorologen vorerst nicht.
Brittany Maynard erfüllt sich noch einen Wunsch
Sterbehilfedrama
Brittany Maynard facht die Sterbehilfe-Debatte in den USA neu an. Für Anfang November plant die junge und todkranke Frau ihren Suizid mit Medikamenten. Zuvor erfüllt sie sich noch einen großen Wunsch - mit dem, was sie am meisten liebe: "Familie und Natur".
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?