Massaker auf Flüchtlingsboot? Bis zu 181 Tote vor Lampedusa

Immer wieder versuchen Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten in hoffnungslos überfüllten Booten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Nun kamen erneut zahlreiche Menschen bei solch einer Überfahrt ums Leben.
Immer wieder versuchen Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten in hoffnungslos überfüllten Booten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Nun kamen erneut zahlreiche Menschen bei solch einer Überfahrt ums Leben.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Auf einem Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa sind laut unterschiedlichen Angaben bis zu 181 Menschen ums Leben gekommen. Augenzeugenberichten zufolge haben sich zahlreiche Passagiere auf dem überfüllten Boot bei einem Kampf um einen Platz an Deck gegenseitig umgebracht.

Messina.. Die syrische Mutter ist nicht mehr in der Lage zu weinen, als die italienischen Reporter sie befragen. Ihr Mann antwortet: Der einjährige Sohn Mohammed ist ertrunken. Der Grund ihrer Flucht über Libyen nach Italien. Für ihn hatten sich die Eltern ein besseres Leben gewünscht, den Schleppern anvertraut. Mit Mohammed starben wohl deutlich mehr Menschen, als bisher bekannt. Offenbar wurden sie ermordet von ihren Mitpassagieren, so eng war es auf dieser Höllenfahrt.

Von 19 Toten war zunächst die Rede, nachdem das Flüchtlingsboot am Samstag von einem dänischen Frachter aufgebracht wurde – erstickt an Abgasen unter Deck. Die Nussschale hatte einen Notruf abgesetzt, war in bedrohlicher Schieflage, die Menschen quollen regelrecht über die Bordwände, wie auf einem Video zu sehen ist, das die italienische Zeitung „La Repubblica“ veröffentlichte. Doch Überlebende berichteten in Messina, dass insgesamt 181 Menschen umgekommen seien.

Drahtzieher der Schlepperbande wurden festgenommen

Mit 750 Passagieren sei die Nussschale gestartet, die Mehrzahl von ihnen Syrer. Dutzende Menschen sollen schlicht über Bord geworfen worden sein, rund 60 seien erstochen worden, bevor sie das gleiche Schicksal erlitten. Erstochen von Mitpassagieren im Kampf um Platz und Luft, vor allem unter Deck.

Flüchtlinge Dort befanden sich vor allem Schwarzafrikaner, Ghanaer und Nigerianer, die nicht genug Geld hatten für einen Platz an Deck. Laut Mohammeds Vater, den „La Repubblica“ befragte, wurden auch Menschen erschlagen, als sie nach oben drängten: „Sie wollten an Deck, aber dort war kein Platz mehr: Jeder Zoll des Bootes war besetzt, wir häuften uns wie Tiere übereinander – und mit so vielen Kindern, darunter mein Sohn.“

Den kleinen Mohammed, der ins Wasser gestoßen wurde, konnte die Besatzung des Frachters „Torm Lotte“ nur tot bergen. Andere Kinder konnten offenbar nicht einmal mehr gefunden werden. Laut italienischen Medien wurden drei Tunesier, ein Syrer, zwei Marokkaner, ein Palästinenser und ein Saudi-Araber als Drahtzieher der Schlepperbande festgenommen.