Mainzer Karnevalsstar unter Rassismus-Verdacht

Mainz..  Über das Wort „Negerlein“ in Kinderbuchklassikern hat Deutschland schon debattiert. Der Mohrenkopf heißt längst Schokokuss. Und nun schaukelt im beschaulichen Mainz eine neue Diskussion hoch über die Frage: Was ist Rassismus?

Er heißt Neger, Thomas Neger, und dafür kann er nichts. Soweit sind sich alle Beteiligten noch einig. Deutlich auseinander gehen die Meinungen beim Logo einer Firma, deren Chef Thomas Neger ist. Denn die „Thomas Neger Metallsystem und -bedachungen GmbH“ wirbt mit einem dunklen Männchen mit dicken Lippen und Handteller-großen Ringen in den Ohren – dagegen formiert sich Widerstand. „Das Logo soll geändert werden. Wenn das passiert, ist alles gut“, meint David Häußer. Er redet schnell, das Thema treibt ihn seit Wochen um. Der Musiker ist einer der Initiatoren der Aktion „Das Logo muss weg“. Thomas Neger entgegnet: „Das Logo gibt es seit Jahrzehnten. Unserer Auffassung nach ist es nicht rassistisch!“ Er sagt, die Diskussion habe das Maß verloren, spricht von Anfeindungen. In der Stadt haben Unbekannte Aufkleber verteilt, auf denen er und der Schriftzug „Rassismus ein Gesicht geben“ zu sehen war. „Ich wünsche mir, dass die Diskussion in der Sachlichkeit geführt wird, die ihr gebührt.“ Tahir Della von der Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ sieht die Vorwürfe gerechtfertigt: „Er sagt, dass es nicht rassistisch sei. Es ist zweifelhaft, ob er das aus seiner Perspektive einschätzen kann. Als Mensch, der höchstwahrscheinlich nicht über Rassismuserfahrung verfügt, fehlt ihm hier schlichtweg die Kompetenz.“

Deutschland hat in den vergangenen Jahren mehrfach über den Umgang mit als diskriminierend empfundenen Wörtern und Symbolen gestritten – darf etwa im Kinderbuch „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler noch „Negerlein“ stehen?

Ähnlich verlaufen die Konfliktlinien auch in Mainz. Traditionen haben hier seit jeher Gewicht. Thomas Negers Großvater Ernst Neger, „der singende Dachdeckermeister“, war eine Art Superstar der Fastnachtsszene. „Heile, heile Gänsje“ ist Kulturgut, „Humba Täterä“ wird in Fußballstadien gegrölt. Und auch der Enkel ist kein Unbekannter. Wie der Opa hat er sich in der Fastnacht einen Namen gemacht, „Im Schatten des Doms“ heißt sein Hit. Schunkelopa Ernst war es damals, der sich das Logo für die Firma ausdachte. So trifft Tradition auf moderne Sichtweisen. Der Streit gärt weiter.