Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Kriminalität

Mafia in Mexiko sucht Internet-Aktivisten mit Flugblatt

04.03.2013 | 16:47 Uhr

Mexiko-Stadt.   „600 000 Pesos bieten wir demjenigen, der Hinweise zum Betreiber der Seite "Valor por Tamaulipas" liefert.“ Mit einem Flugblatt, das diese Aufschrift trägt, suchen mexikanische Drogenbosse einen Internet-Journalisten, der andere vor Gefahren in der Nachbarschaft warnt und über Mafia-Aktivitäten informiert.

Anfang Februar überschwemmten tausende Fahndungsaufrufe die Straßen von Ciudad Victoria. Aber auf den Flugblättern suchte nicht der Staat einen Kriminellen, sondern Kriminelle einen mutigen Bürger: Das Organisierte Verbrechen hat eine Belohnung von umgerechnet 35 000 Euro ausgesetzt für Hinweise zum Betreiber der Facebook-Seite und des Twitter-Accounts "Valor por Tamaulipas".

Diese Seite informiert seit rund einem Jahr über die Aktivitäten der Drogenkartelle. Sie weist auf Schießereien hin, warnt vor bestimmten Routen, berichtet über Entführungen und Überfälle. "Valor por Tamaulipas" ist eine Art Risiko-Report-Netz, gesponnen von aufmerksamen Bürgern und Anwohnern. Für die Bevölkerung sind soziale Medien wie diese oft die einzige Chance zu wissen, wo in Tamaulipas Gefahr droht.

Internet-Journalist lebt in Todesangst

Und sie ärgern das Organisierte Verbrechen. „600 000 Pesos bieten wir demjenigen, der Hinweise zum Betreiber der Seite "Valor por Tamaulipas" liefert. Oder zu seinen Verwandten, Eltern, Geschwistern, Kindern oder Frau’“, steht auf den Flugblättern. „Wir bieten gutes Geld, um den Idioten das Maul zu stopfen, die glauben, Helden zu sein.“

Zwar ist unklar, ob jemand der Aufforderung der Kopfgeld-Jäger entsprochen hat, aber der Betreiber von "Valor por Tamaulipas" lebt seither in Todesangst. Sein Leben liege in den Händen seiner Jäger, sagt er dieser Zeitung. Seine Familie hat er in die USA gebracht. Wer schreibt, der stirbt – oder er bringt sich zumindest in Lebensgefahr. Dies gilt schon lange für Mexikos Journalisten. Aber die Drohungen gegen "Valor por Tamaulipas" beweisen, dass sich die Mafia auch von sozialen Netzwerken nicht beobachten lassen will. Ganz besonders gilt das für Tamaulipas, den Staat an der mexikanischen Golfküste, der an Texas grenzt.

Mafia-Banden regieren viele Städte Mexikos

Hier ringen die "Zeta"-Bande und das "Golf-Kartell" seit Jahren um die Vorherrschaft. Die Hauptstadt Ciudad Victoria ist in Hand der "Zetas". Andere wichtige Städte wie Tampico, Reynosa und Matamoros sind Territorium des "Golf-Kartells". Die Kartelle kontrollieren nicht nur Routen und Reviere fürs Rauschgift, sondern auch Nachtclubs, Diskos und die Musik- und Filmpiraterie.

Lesen Sie auch:
Massaker im Drogenkrieg - 17 verstümmelte Leichen

Grausiger Fund in Zentral-Mexiko: Die Opfer waren nackt, wurden offenbar gefoltert und trugen Ketten um den Hals. Der Krieg rivalisierender Drogenbanden in dem Land hat in den vergangenen Jahren bereits 47.500 Todesopfer gefordert.

Sie zapfen Benzinleitungen und Ölpipelines an und überwachen selbst den Verkauf von Hühnchen. Sie erpressen Schutzgeld und rekrutieren Pistoleros. Wer sich weigert, dem wird das Haus über dem Kopf angezündet, der wird ermordet oder entführt. In Tamaulipas habe der Staat die Macht längst an das Organisierte Verbrechen abgegeben , sagt Kriminalitätsexperte Edgardo Buscaglia.

Die Medien berichten darüber schon lange nicht mehr. Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder für Medienschaffende. Nach Angaben der Journalistenschutzorganisation "Articulo19" wurden in den vergangenen zwölf Jahren 72 Journalisten getötet, dreizehn gelten als vermisst.

Klaus Ehringfeld



Kommentare
Aus dem Ressort
Zwei kleine Nashornbabys tapsen jetzt durch den Berliner Zoo
Nachwuchs
Jasper ist ein stolzer Nashorn-Papa: Innerhalb von zwei Wochen ist er zweimal Vater geworden. Seine Babys sind männlich und gesund - Namen haben die kleinen Spitzmaulnashörner allerdings noch nicht. Jetzt sind die Tiere erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden.
Schweden beendet tagelange Jagd auf mysteriöses U-Boot
U-Boot
Eine Woche hat das schwedische Militär in den Stockholmer Schären nach einem mysteriösen Unterwasserfahrzeug gesucht. Medien hatten spekuliert, dass es sich um ein russisches U-Boot handelt. Am Freitag wurde die Suche abgebrochen. Das verdächtige Objekt hat Schweden vermutlich verlassen.
The Voice of Germany - Rea Garvey sichert sich „die Waffe“
The Voice of Germany
Die Blind Auditions von „The Voice of Germany“ zeigen, warum Liveshows nicht mehr das Nonplusultra im Fernsehen sind. Die Dramaturgie ist bis ins kleinste Detail geplant. So gab es zum Schluss der fünften Blind Audition den bisher emotionalsten Moment der vierten „The Voice of Germany“-Staffel.
Achtung, Zeitumstellung - Deutschland dreht die Uhren zurück
Winterzeit
Die Mehrheit der Deutschen würde die Zeitumstellung gerne abschaffen. Die Politik hält aber daran fest. Jetzt am Wochenende werden die Uhren wieder umgestellt. Vor? Zurück? Viele Menschen sind verwirrt. Doch für die Mitarbeiter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ist die Umstellung Routine.
„Killer von Brabant“ – neue Spuren ins Neo-Nazi-Milieu
Belgien
Vor etwa 30 Jahren erschütterte eine Gangster-Bande Belgien. Sie ermordete 28 Menschen. Die Täter seien im Neonazi-Milieu zu suchen, sagt jetzt eine Richterin. Sie hatten ein perfides Ziel: Die Killer wollten die Ohnmacht des Staates vorführen.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?