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Männer wollen nach oben

12.02.2010 | 16:03 Uhr
Männer wollen nach oben

Essen.Sie gingen. Verließen ihr meist durch Not, Entbehrungen und Armut geprägtes Leben. Ihr Ziel: Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort machten sie Karriere. Mit Mut, Erfindungsreichtum – manchmal auch Skrupellosigkeit – arbeiteten sie sich nach oben. In der beeindruckenden Reihe „Vom Pionier zum Millionär“, Arte, 15.-19. März, jeweils 19.30 Uhr, wird die Geschichte von fünf deutschen Auswanderern erzählt.

Im Wilden Westen, als Holzfäller, beginnt der unglaubliche Aufstieg von William Boeing Junior. In wenigen Jahren scheffelt er soviel Geld, dass er sich als wohlhabender Junggeselle in Seattle niederlassen kann. Nachdem er den ersten Luftsalon der USA besucht, ist er von den Luftmaschinen so beeindruckt, dass er sich vornimmt, Flugzeuge – und zwar bessere – zu bauen.

Mit kurzweiligen Spielszenen, zum Teil wunderschönen Landschaftsaufnahmen, bisher unveröffentlichtem Archivmaterial und Tagebuchaufzeichnungen illustrieren die Autoren ihre Reise in die Vergangenheit. Parallel dazu ordnen Historiker die Karrieren der Pioniere in den Gesamtzusammenhang der amerikanischen Geschichte ein.

So entstehen Collagen, die berühren. Über Unternehmer, die sich wie Boeing oder der Ketchup-Lebensmittelfabrikant Henry John Heinz, schon früh ihrer sozialen Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber bewusst sind.

Fern der alten Heimat zeichnen sich die Deutschen allerdings nicht ausschließlich als Gutmenschen aus. Völlig rücksichtslos bastelt der aus Walldorf bei Heidelberg stammende John Jacob Astor an seinem Aufstieg zum reichsten Mann Amerikas. Er durchstreift das Land und tauscht bei den Indianern billige Waren und später auch Alkohol gegen kostbare Felle und Pelze ein. Mit dem Gewinn kauft er Grundstücke im stetig wachsenden New York und avanciert zum größten Immobilienbesitzer Manhattans. Bei seinem Tod 1848 hinterlässt er ein Vermögen, das nach dem heutigen Wert des Geldes acht Milliarden Euro entspräche.

Im hohen Alter, kurz vor seinem Tod im Alter von 85 Jahren, zeigt er sich geläutert. Seiner Geburtsstadt Walldorf spendet er ein Armenhaus und New York die „Astor Library“, eine Bücherei, in der bis heute kostenlos gelernt werden darf.

Apropos Gegenwart: Die Autoren schlagen einen Bogen in die Jetztzeit. Lassen nicht unerwähnt, dass die Nachkommen Astors im Jahr 2000 die beachtliche Summe von 200 Millionen Dollar an soziale Zwecke gespendet haben. Sie lassen auch die Erben von Heinz zu Wort kommen, die ein Teil ihres Erbes in nachhaltige Umweltprojekte investieren.

Angelika Wölke

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