Männer und Haushalt - man muss sie einfach machen lassen

Essen. Das Klischee des Mannes, der nichts im Haushalt tut, ist ein Lieblingsthema vieler Frauenabende. Doch es gibt auch das Gegenmodell: den putz- und wischfreudigen Kerl, dessen Partnerin das einfach nicht würdigt. Und dann gibt es noch ganz raffinierte Strategen, die sich einfach dumm stellen.

Holger ist ein Traummann: Humorvoll, ein guter Zuhörer, erfolgreich und als Zugabe auch noch äußerlich ganz passabel. Zudem besitzt dieses wundervolle Geschöpf eine Eigenschaft, die man sich als Frau nur wünschen kann (und oft vergebens): Er nimmt die Sache mit der Emanzipation ernst. Nicht verbissen, sondern ganz selbstverständlich bringt er den Müll raus, schubst schmutzige Wäsche Richtung Maschine und saugt mit angenehmer Regelmäßigkeit das Wohnzimmer. Sang und klanglos, klaglos. Allerdings: Man sollte auch nicht viel anderes erwarten, denn Holger wohnt allein. Und wer jetzt interessiert aufmerkt: Er wohnt allein, ist aber nicht einsam. Da ist Anette vor.

Anette räumt hinterher

Anette ist Holgers Freundin und weiß, zur steten Bestürzung ihres Freundeskreises, dieses Gottesgeschenk von Lebenspartner nicht recht zu schätzen. Also, Humor, Aufmerksamkeit, Schönheit, Treue, all diese begrüßenswerten Charakterzüge sind ihr wohl bewusst. Sie weiß, was sie an ihm hat (und er an ihr, bevor hier Missverständnisse aufkommen). Doch gerade sein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, das Engagement im Haushalt, konterkariert sie ohne Unterlass. Dabei wohnen sie nicht einmal zusammen!

„Ich mag sie ja wirklich“, vertraute mir Holger neulich bei Jules Geburtstagsparty an. Er war alleine da, Anette wollte später nachkommen.

„Aber?“, fragte ich.

„Sie räumt mir ständig hinterher“, klagte Holger. „Kaum hat sie die Tür hinter sich zu gemacht, da steht sie schon in der Küche und lässt das Abwasch-Wasser einlaufen.“

„Sie stürzt sich sofort auf dein schmutziges Geschirr?“, hakte ich nach.

„Ja! Dabei steht da nie besonders viel, aber sie lässt sich einfach nicht bremsen.“

Das Ende der Gemütlichkeit

„Andere Männer wären begeistert“, merkte ich an.

Holger warf mir einen zweifelnden Blick zu. „Ach ja? Warte mal, was sie noch macht: Letzten Freitag. Wir sehen uns eine DVD an, Glas Wein in der Hand, so ganz gemütlich auf dem Sofa – da fährt sie plötzlich hoch. ‚Alles in Ordnung?’, will ich wissen. ‚Warte mal’, sagt sie und pellt sich aus der Decke. ‚Bin gleich wieder da, lass den Film ruhig laufen’.

„Na, und was war?“

„Sie hat einen Glasrand auf der Tischplatte entdeckt!“

Ich kicherte.

„Das klingt vielleicht witzig, aber ehrlich, so allmählich…“ Während Holger mir weiter sein Leid klagte, glitt mein Blick zu Volker, Jules Derzeitigem. Er gab den Gastgeber an Jules Kaffeemaschine – nicht ganz freiwillig, sie hatte ihm die Packung mit dem Pulver in die Hand gedrückt und ihn mit sanftem Druck zur Küche geschoben. Nun reichte er mit entschuldigendem Lächeln übergeschwappte Kaffeebecher in Gästehände. Um ihn eine dunkelbraune Staubwüste, Kaffeekrümel rieselten ihm von den Armen, während die Maschine schnaubte und schnorchelte wie ein ungebärdiges Tier.

Volker im Glück

Ich stellte mir vor, wie Jule das Malheur entdecken und den ungeschickten Liebsten augenrollend beiseite schieben würde. Das hatte bisher noch jedes Mal funktioniert. Denn alles, was Volker in der Küche anfasst, stürzt er ins Chaos - ganz perfide und bewusst. Er hofft so, sich längerfristig von der Hausarbeit entschuldigen zu können, wegen offenkundig mangelnder Eignung. Die Kaffeewüste dürfte ihn seinem Ziel wieder einen Schritt näher bringen.

Als ich das nächste Mal einen Blick auf das Krümel-Chaos riskierte – war es verschwunden.Jule war nicht in Sicht. Dafür hatte sich Anette, inzwischen eingetroffen, des unbeholfenen Volker erbarmt. Der Boden war vom Pulver befreit und nun rieb sie mit feuchtem Lappen an einem Kaffeefleck auf seinem Shirt herum. Gut, dass weder Jule noch Holger besonders eifersüchtig sind, dachte ich. Aber andererseits - wäre das nicht die Lösung? Anette darf ihrem Hang zur Hausarbeit nachgehen bis zum Exzess und für Volker wird die Küche endlich zur No-go-Area. Na also! Ich werde die beiden im Auge behalten.

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