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Lucy gibt Gas im Revier

Lucy gibt Gas im Revier

Ladies Run mit Lucy Diakovska.jpg
Foto: Funke Foto Services
Der ehemalige „No Angel“ Lucy Diakovska (39) hat Energie genug für Musik und Sport: Die Sängerin ist mehr als nur das Gesicht einer Frauenlauf-Serie.

Dortmund. 

Sie könnte jetzt so richtig entnervt sein. Dürfte sie auch. Müsste! Acht Stunden im Auto von Berlin nach Dortmund, über 30 Grad Hitze, und dann hat sie sich auch noch auf ihre gute Piloten-Brille gesetzt beim Versuch, im Autospiegel die schlimmsten Folgen zu beheben. Allerdings: „Lucylike“ wäre das nicht.

Womit sie meint: Es passte nicht zu Lucy von den „No Angels“. Das war die mit den roten Korkenziehern auf dem Kopf, unter denen deutliches Dunkelblond zu sehen ist („Ich habe nie behauptet, dass ich rote Haare habe, aber die Locken sind echt!“). Diese Lucy Diakovska also hüpft jetzt auf einem Bein, sie lacht mit ihrem rauen Lachen weg, dass sie sich eben noch „ausgelaugt“ fühlte – und knutscht so herzhaft ihren Hund, dass der Lippenstift einen roten Kussmund im weißen Fell von „Melly, mein Schatz“ hinterlässt.

Lucy ist auch nach den No Angels bekannt geblieben

Sie redet und erzählt – war was mit Wärme? Die Sängerin ist ihr eigener Wasserfall. Ein ziemlich lauter dazu, was dazu führt, dass ein Mann stehenbleibt, erstaunt: „Ich habe deine Stimme erkannt.“ Ein Typ mit Bart, nicht mehr ihr Alter, Lucy ist 39. Einer, der nicht aussieht, als hätte er ein Ziel, aber nun hat er einen Wunsch: ein Foto mit Lucy, sie springt ins Bild, legt den Arm um ihn, der Mann ist gerührt.

Lucy auch, immer wieder, sie mag es, wenn die Leute „Lucy“ rufen, man kennt sie noch, nach all’ den Jahren! 15 sind es schon, seit aus der Casting-Sendung „Popstars“ die „No Angels“ hervorgingen, die es nun auch schon länger nicht mehr gibt. Mit Hits wie „Daylight“ und fünf jungen Frauen am Mikro. Die Tochter klassischer Musiker hört gerade das erste Album noch heute gern, „mit Wehmut“: Wenn sie Ohrwürmer hat, dann klingen die immer mit allen Stimmen samt Band in ihrem Kopf.

So ist Lucy, deren Nachnamen die wenigsten wissen, bekannt geworden und geblieben, auch wenn sie längst andere Dinge macht. Musicals, Solo-Projekte, eine Tour mit Florian Silbereisen, Showauftritte, ein paar Sporteinsätze bei Stefan Raab und bei allem gar nicht übel. Die Frage, was sie in diesem Leben aus dem Auto am liebsten macht, findet sie im übrigen „gemein“: „Ich konnte bei allem viel Lucy reinbringen. Sie hat mir nie gefehlt.“ Lucy ist auch präsent, wenn sie, wie gerade in Magdeburg, Magenta gibt in der Rocky Horror Show: eine kahlköpfige Dienerin in Lackstiefeln.

In Dortmund ist sie indes gerade Botschafterin in Turnschuhen. Rennt über den Friedensplatz, „ich dreh noch ‘ne Runde!“, und bis hinein zum Kellner der Osteria, weil der nicht genau so schnell zu ihr kommt (sie aber dann entzückt auf Bulgarisch begrüßt, die beiden sind gebürtige Landsleute, offenbar).

Frauen laufen durchs Revier – die schnelle Lucy rennt vorweg

Die schnelle Lucy macht Werbung für einen Frauenlauf, demnächst in Dortmund und Essen, und weil die Post den „Ladies Run“ finanziert, trägt sie zum Treffen ein gelbes T-Shirt zur kurzen Hose. Ein Rennen wird das nur für Frauen, Lucy sagt: „Damen“. Bei dem es neben dem Asphalt unter ihren bunten Schuhen auch Prosecco und Produkte für die Schönheit gibt.

Auch hier wird Lucy Frontfrau sein, sie läuft die 5000 Meter in gut 22 Minuten und sieht auch so aus: zäh, ja, dünn fast unter ihren Tattoos – eines zeigt ihren Neffen Chris. Obwohl sie gerade eine Portion Spaghetti Carbonara löffelt und gleich noch ein Eis. Sie wäre auch gern Sportlerin geworden, habe Bewegung nötig gehabt, schon als Kind: „Ich hatte sehr, sehr viel Energie.“ Die sie dann in die Musik steckte und die dennoch nicht weniger geworden ist, ganz offenbar.

Und warum nun Frauenlauf? „Ich finde das so schön, wenn die Damen dieses Erfolgsgefühl haben: Ich habe was Tolles geleistet.“ Zumal, „eine Frau hat immer eine Idee mehr zu kämpfen als die Herrschaften“. Vielleicht müssen sie auch schneller sein? Lucy lacht und springt schon wieder, auf und davon. Sie muss nach Magdeburg, immer unterwegs! Und trotzdem kommt sie „nie an die schönen Orte, an denen ich noch nicht war“.