Lockere Plauderei lernen - Die Kunst des Smalltalks

Smalltalk ist die Kunst, plaudernd auf angenehme Weise Zeit zu verbringen.
Smalltalk ist die Kunst, plaudernd auf angenehme Weise Zeit zu verbringen.
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Ob im Fahrstuhl oder auf der Party: Eine lockere Plauderei kann das Kennenlernen und den täglichen Umgang erleichtern. So macht man’s richtig.

Essen.. Die Aufzugtür öffnet sich und Kollege Meier steigt ein. Man nickt sich zu. „Jetzt bloß nichts Dummes sagen“, rattert es im Gehirn. „Der wird darüber entscheiden, ob ich das Projekt leiten darf. . .“ Herr Meier ist nicht gerade dafür bekannt, ein großer Smalltalker zu sein – daher muss man sich selbst nun umso wortgewandter präsentieren.

Das Gehirn läuft heiß, und als Herr Maier endlich aussteigt, ruft man ihm noch schnell ein „da ist das Wetter doch noch schön geworden, wer hätte das gedacht“ hinterher. Die Aufzugtür schließt sich.

Schüchternheit überwinden

Smalltalk ist eine Kunst, die derjenige am besten beherrscht, der sie mit dem geringsten Ehrgeiz betreibt. „Zwanglosigkeit ist hier Trumpf“, sagt der Düsseldorfer Kommunikationsexperte Torsten Poppek. Als Coach leitet er auch Smalltalk-Kurse und weiß aus Erfahrung: „Vor allem wir Deutsche tun uns damit oft schwer.“ Warum? Da kann auch der Experte nur mutmaßen: Möglicherweise habe es mit dem Selbstbild zu tun. Als Abkömmling eines „Volkes der Dichter und Denker“ verordne man sich schnell ein Redeverbot, wenn man nichts Weltbewegendes zu verkünden hätte. „Manche Menschen sind eben gern in der Beobachterposition“, so Poppek.

Smalltalk Doch wer immer nur schweige, werde auch nicht angesprochen. Zunächst gilt es also, die eigene Schüchternheit zu überwinden, sich von dauernden Grübeleien zu lösen. Die Frage „Was habe ich schon zu sagen?“ könne man getrost über Bord werfen, sagt der Experte. Denn beim Smalltalk geht es ja gerade nicht um tiefschürfende Analysen und brillante Rhetorik, sondern darum, plaudernd auf angenehme Weise Zeit zu verbringen. „Was nicht bedeutet, dass sich daraus nicht auch ein ernsthaftes Gespräch entwickeln darf.“

Neugierig sein

Für den Anfang sollten Schüchterne sich selbst Einladungen aussprechen, „nach dem Motto: ‘Was soll an einem kleinen Plausch schon belästigend sein?’“, empfiehlt der Experte. Auch ein paar „Schablonensätze“ dürfe man sich zurechtlegen. Ansonsten besteht entspannter Smalltalk hauptsächlich aus zwei Zutaten: Neugier und Selbstmitteilungswille. „Smalltalk ist idealerweise eine Zwei-Wege-Bahn“, sagt Torsten Poppek.

Dann heißt es: üben, üben, üben. Mit der Übung wächst die Routine, man wird entspannter und kann sich bald auch von den Standardsätzen verabschieden.

Geschichten erzählen

Aber worüber soll man sich eigentlich unterhalten? Ob nun im Aufzug oder bei der Party: „Viele Menschen verkennen, dass man über viel mehr sprechen kann als man glaubt“, so Poppek. Ein guter Einstieg sei immer die aktuelle Situation: Bei einem Abendessen böten sich zum Beispiel die Umstände der Einladung und die jeweilige Verbindung zum Gastgeber an.

Familie Natürlich dürfen auch naheliegende Themen wie das Wetter oder der verspätete Zug angesprochen werden, sagt Torsten Poppek, doch führe das meist in eine Sackgasse. „Die Frage ist: Was kommt danach?“

Besser erzählt man kleine Geschichten und schreckt auch vor Belanglosigkeiten nicht zurück. Natürlich darf man sich daran orientieren, mit wem man in Kontakt tritt – ohne sich aber davon verunsichern zu lassen: „Viele vergessen, dass auch Menschen in hohen hierarchischen Positionen bereit sind, sich über Gott und die Welt zu unterhalten.“

Es gibt aber auch Themengebiete, die ganz unabhängig vom jeweiligen Gesprächspartner weiträumig umschifft werden sollten. Dazu gehören Todesfälle, Krankheiten, Vermögensverhältnisse oder Sexualität. Auch Kontroverses bringt man besser nicht absichtlich auf den Tisch: Weder sollte man versuchen, sein Gegenüber zu veganem Lebensstil zu missionieren, noch ihm seine Religiosität auszutreiben. Und wenn die Emotionen doch unerwartet hochkochen: „locker sportlich bleiben“, rät Poppek.

Beziehungen Hat man hingegen ein Fettnäpfchen erwischt, sollte man sich entschuldigen und dem anderen Gelegenheit geben, sich zu erklären oder das Thema zu wechseln.

Eleganter Abgang

Und was tun, wenn der Gesprächspartner endlos über Briefmarken doziert oder, was fast noch schlimmer ist, Gedanken zu komplexen politischen Vorgängen austauschen möchte, denen man sich intellektuell nicht gewachsen fühlt?

„Zunächst lauschen Sie höflich, was der andere zu sagen hat“, sagt Torsten Poppek. Doch nach etwa sieben Minuten Monolog, oder aber in der akuten Überforderungssituation, dürfe der strategische Rückzug eingeleitet werden. Das kann bedeuten: körpersprachlich deutlich machen, dass man das Wort ergreifen möchte, sanft unterbrechen und geschickt zum nächsten Thema überleiten. Auch eine höfliche Verabschiedung ist jetzt angemessen.

Wer sich nicht anders zu helfen weiß, sorgt erst einmal für Unterbrechung, indem er sich kurz in Richtung Buffet oder Toilette zurückzieht. Bei der Rückkehr lässt sich dann neu zu einem Gespräch ansetzen. Auch Sitznachbarn einzubeziehen, kann ein kluger Schachzug sein: „Dadurch können neue Impulse in die Unterhaltung gebracht werden.“

Manchmal muss man jedoch notgedrungen einen Gesprächspartner aushalten, der einsilbig ist und jeden Dialog im Keim erstickt, etwa, wenn es um einen Geschäftstermin geht. Da hilft nur, sich eine „Service-Haltung“ zuzulegen und den anderen mit kleinen Anekdoten zu unterhalten, wenn der selbst nicht reden will.