Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Terrorismus

Lockerbie-Attentäter hat Schottland verlassen

20.08.2009 | 16:10 Uhr

Tripolis. Der schwer krebskranke libysche Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi ist in Schottland aus der Haft entlassen worden und am Donnerstag Nachmittag nach Libyen geflogen. Die US-Regierung sprach sich zuvor gegen eine Freilassung des ehemaligen Geheimagenten aus.

Freilassung "aus humanitären Gründen": Der verurteilte Lockerbie-Bomber Abdel Basset al-Megrahi im Jahr 2002. Foto: ap

Der schwer krebskranke libysche Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi ist in Schottland aus der Haft entlassen worden. Der schottische Justizminister Kenny MacAskill erklärte am Donnerstag, Megrahi werde wegen seiner schweren Erkrankung auf freien Fuß gesetzt und dürfe Schottland verlassen. Die libysche Regierung kündigte die unmittelbar bevorstehende Heimkehr Megrahis an.

Schottischer Staat hat "Gnade gezeigt"

Megrahi wurde am Donnerstagnachmittag in einem von der Polizei eskortierten Gefängnisfahrzeug aus der Haftanstalt Greenock im Westen Schottlands zum Flughafen von Glasgow gefahren, wo ein libysches Flugzeug auf ihn wartete. Auf einer Pressekonferenz in Edinburgh hatte MacAskill zuvor gesagt, das schottische Recht fordere, dass der «Gerechtigkeit Geltung verschafft, aber auch Gnade gezeigt werde». Megrahi müsse sich nun vor einer «höheren Macht» verantworten - «er wird bald sterben». Der wegen des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie im Jahr 1988 verurteilte ehemalige Geheimdienstagent leidet an Prostata-Krebs im Endstadium, Ärzten zufolge hat er weniger als drei Monate zu Leben.

Ein ranghoher Regierungsvertreter sagte in der libyschen Hauptstadt Tripolis, Megrahi sei frei und werde «in den nächsten Stunden» in Libyen ankommen. Zuvor hatten die libyschen Behörden mitgeteilt, auf einem Militärflughafen in der Nähe von Tripolis würden Vorbereitungen für die Rückkehr Megrahis getroffen. Medienberichten zufolge befand sich ein Flugzeug mit libyschen Journalisten auf dem Weg nach Schottland.

USA sind "zutiefst" enttäuscht von Freilassung

Megrahis Ehefrau Aischa sagte in einem Telefongespräch, sie sei «sehr, sehr glücklich», ihre Freude sei «enorm und unbeschreiblich». Auf diesen Moment habe sie seit neun Jahren gewartet.

Die US-Regierung kritisierte die Freilassung Megrahis umgehend. Das Weiße Haus erklärte, es «bedauere» die Entscheidung der schottischen Regierung «zutiefst». Die USA hätten der britischen und der schottischen Regierung wiederholt mitgeteilt, dass sie der Ansicht seien, Megrahi müsse seine Strafe in Schottland absitzen.

Megrahi saß seit 2001 in Haft

Die schottische Regierung hatte drei Alternativen: Die Freilassung Megrahis aus humanitären Gründen, seine Überstellung in ein Gefängnis in Libyen oder eine Fortführung der Haft in Schottland. Megrahi war 2001 wegen Massenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, später wurde die Strafe auf mindestens 27 Jahre Haft herabgesetzt.

Bei der Explosion am 21. Dezember 1988, drei Tage vor Weihnachten, starben alle 259 Insassen der PanAm-Maschine, überwiegend US-Bürger, sowie elf Menschen am Boden. Bei einigen Angehörigen der 270 Opfer hatten die seit Tagen kursierenden Hinweise auf eine Haftverschonung Empörung ausgelöst. (afp)

DerWesten



Kommentare
21.08.2009
10:44
Lockerbie-Attentäter hat Schottland verlassen
von Vanagas | #3

Komisch ,
bei mir zeigt auch keiner Gnade wenn ich , aus welchen Gründen auch immer , mein Parkknöllchen nicht bezahlen kann .

Massenmörder dagegen laufen frei herum .

20.08.2009
21:53
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.08.2009
16:12
Lockerbie-Attentäter hat Schottland verlassen
von Politikerkritisierer | #1

270 Tote ... und der wird begnadigt? Kein Wunder, dass die Europäer nicht ernst genommen werden. Für manche Menschen gibt es keine Gnade - möge er elendig verrecken!

Aus dem Ressort
Opfer des Boston-Attentats heiratet seine Krankenschwester
Boston-Attentat
Ein Opfer des Bombenanschlags auf den Marathonlauf von Boston hat die Krankenschwester geheiratet, die sich in der Klinik um ihn gekümmert hat. James Costello und Krista D'Agostino stellten fest, dass sie einige Bekannte gemeinsam haben, daraufhin habe es gefunkt, erzählt der 31-Jährige.
"Nicht ausgereift" - Warentest kritisiert Fahrkarten-Apps
Fahrkarten-Apps
Keine Abos, keine Mehrfachkarten: Apps für den Ticketkauf für Bus und Bahn lassen momentan noch Wünsche offen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Auch die Bahn-App wird kritisiert. Das größte Problem beim elektronischen Fahrkartenkauf bleibt aber der Akku.
Missbrauchskandal - Britische Behörden wussten Bescheid
Untersuchung
Nach dem massenhaften Missbrauch in Rotherham kommt heraus, dass die Polizei davon gewusst hatte. Auch die Sozialdienste schauten weg. Zwischen 1997 und 2013 wurden in der englischen Stadt mindestens 1400 Kinder sexuell missbraucht. Immer mehr grausige Details kommen ans Tageslicht.
Neue Epoche - Das "Zeitalter des Menschen" hat begonnen
Forschung
Forscher der Universität Leicester präsentieren im Fachmagazin "The Anthropocene" Belege für die drastischen Veränderungen seit rund 200 Jahren durch den Menschen auf und unter der Erde: Nur noch 23 Prozent der Landoberfläche sei Wildnis. Kanäle, U-Bahnen und Tunnel hätten den Untergrund verändert.
Kunden empört - Kindershirt von Zara erinnert an KZ-Kleidung
Antisemitismus
Nach heftigem Protest hat das spanische Modeunternehmen Zara ein T-Shirt für Kinder vom Markt genommen. Nutzer werfen dem Unternehmen Antisemitismus vor. Denn das Oberteil erinnert stark an die Uniform, die Insassen in den Konzentrationslagern im Dritten Reich getragen haben.
Umfrage
Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

 
Fotos und Videos