Linda Zervakis ist die Neue bei der Tagesschau um 20 Uhr

Linda Zervakis ist ab Freitag Sprecherin der Tagesschau.
Linda Zervakis ist ab Freitag Sprecherin der Tagesschau.
Foto: NDR
Was wir bereits wissen
Linda Zervakis (38) hat es in den Olymp der Fernsehnachrichten geschafft: in die Tagesschau am Abend. Seit 2001 arbeitet Linda Zervakis beim NDR, machte Radio, junges Fernsehen, Regionalprogramme. ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke bescheinigt ihr „herausragendes Talent“.

Hamburg.. Sie hat es, das Karriere-Gen, ganz offensichtlich. Ihre Lauf­bahn kannte bisher nur eine Richtung: nach oben. Als „Tagesschau“-Sprecher Marc Bator seinen Weggang zu Sat.1 verkündete, hätte eine Wette auf die Hamburgerin mit griechischen Wurzeln eine schlechte Quote gebracht. Tatsächlich kam es, wie es kommen musste: Linda Zervakis folgt ihrem Kollegen in die 20-Uhr-Ausgabe von Deutschlands meistgesehenen TV-Nachrichten. Am Freitag ist ihr erster Arbeitstag. Wer ist diese Frau?

Ein leichter hanseatischer Akzent verrät, wo die 38-Jährige herkommt. Doch sie wirkt ganz und gar nicht steif. Im Gegenteil: Ihre Stimme klingt jung, locker, sie lacht gern, und ihr Lachen kommt aus dem Bauch.

Recht schnell verrät die Neue bei der „Tagesschau“, dass sie nebenher auch einen kleinen, erfolgreichen Familienbetrieb managt – im Februar vorigen Jahres wurde sie Mutter eines Sohnes. „Ich habe jetzt mit Pilates angefangen, für meinen Rücken. Es strengt doch ganz schön an, wenn man das Kind immer durch die Gegend trägt.“

Eltern hatten einen Kiosk

Berufliche Lasten stemmt sie mit Leichtigkeit. Sie weiß, was Arbeit bedeutet, von Kindesbeinen an. Als ihr Vater starb, musste sie, gemeinsam mit ihrem Bruder, im elterlichen Kiosk mithelfen. Bis vor wenigen Jahren jobbte Linda Zervakis sonntags im Laden der Familie.

Ins Nachrichtengeschäft kam sie über die Werbung. Nach dem Abi machte Linda Zervakis ein Praktikum beim Branchenriesen BBDO. Sie kam, schrieb – und wurde übernommen. Später folgte ein Rundfunk-Volontariat.

Fernsehen Seit 2001 arbeitet Linda Zervakis beim NDR, machte junges Radio, junges Fernsehen, Regionalprogramme. Ihr Talent wurde entdeckt, sie hatte Förderer. Einer von ihnen: ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke. Bereits im vorigen Jahr ließ er im Gespräch mit dieser Zeitung Zervakis’ Namen fallen: „Sie ist ein herausragendes Talent.“ Gniffke setzte sie bei den „Tagesthemen“ und im „Nachtjournal“ ein. Jetzt rückt sie auf in die Königsklasse. Die „Tagesschau“ um 20 Uhr zieht, alle Kanäle zusammengerechnet, so viel Publikum an wie sonst nur der „Tatort“.

Griechisches Temperament beim Autofahren

Fühlt sich das wie Champions League des Nachrichten-Journalismus an? „Absolut“, erwidert Linda Zervakis lachend, „oder um es mit den Worten meiner Heimat zu sagen: Es ist der Olymp.“ Sie setzt hinzu: „Kann mich mal jemand kurz kneifen?“

Tagesschau-Panne Wie viel Griechenland steckt in Linda Zervakis? „Autofahren, tatsächlich“, bekennt sie, „da habe ich bisher mein griechisches Temperament rausgelassen.“ Vielleicht deswegen, weil sich Linda Zervakis dazu bekennt, viele Verpflichtungen in letzter Sekunde zu erledigen. Doch sie spürt, dass mit der „Tagesschau“ eine Veränderung ansteht. Auch wenn jeder Nachrichtensprecher betont, die Nachricht sei wichtig, nicht der Sprecher, wird es vom Publikum oft exakt anders herum wahrgenommen. Mit zunehmender Bekanntheit, ahnt Linda Zervakis, müsse sie am Steuer „aufpassen“.

Leidenschaft für Kohlehydrate und Öl

Weniger aufpassen muss sie bei kulinarischen Verlockungen. Die gertenschlanke Brünette hat erklärtermaßen „eine Leidenschaft für Kohlehydrate und Öl: Ich tunke Vieles in Öl, dafür werde ich manchmal schief angeschaut“. Sie nimmt es locker.

Auch beruflich bleibt sie cool, wenn’s in der Redaktion heiß hergeht. „Wenn sich andere Kollegen aufregen, denke ich, gemach, gemach.“ Auch ein griechisches Erbe? Linda Zervakis bejaht: „Die Gelassenheit liegt, glaube ich, in meiner Familie. Ich bin mir aber nicht sicher, ob meine Gelassenheit bei der ersten 20-Uhr-Ausgabe greifen wird.“

Mag sein. Das Publikum wird’s nicht bemerken.